Aufs alte Jahr zurück- und ins neue Jahr vorausschauen

Michaela Preiner

5. Januar 2026

Aufs alte Jahr zurück- und ins neue Jahr vorausschauen

Michaela Preiner

5. Januar 2026

Foto: (Stephan Mussil / Wiener Konzerthaus )

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Das Wiener Konzerthaus ermöglicht seinem Publikum alljährlich, im Rahmen eines Konzertes, vom alten ins neue Jahr zu rutschen. Die Wende von 2025 zu 2026 gestaltete das Ensemble ‚Federspiel‘, mit geladenen Gästen.

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Der Jahreswechsel im Wiener Konzerthaus (Fotos: Stephan Mussil / Wiener Konzerthaus)

Das siebenköpfige Ensemble, bestehend aus sechs Blechbläsern und einem Klarinettisten, ist ein immer wiederkehrender Gast im Konzerthaus und füllt dort den großen Saal. Verständlich, denn die musikalische Qualität in ihrer großen Bandbreite stimmt genauso wie das mitverpackte Entertainment. Dazu kam beim Silvesterkonzert eine herzliche Moderation mit vielen humorigen Momenten, die zum Mitschmunzeln bis zu lautem Mitlachen animierten. Für diese wunderbare Gefühlsstimmung war Philip Haas verantwortlich, der so manches Schmankerl aus der Federspiel-Vergangenheit erzählte.
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Von einem vielstimmigen, alpenländischen Andachtslied, gleich zu Beginn präsentiert, ging die Reise weiter in elegisch angelegte, filmmusikreife Kompositionen. Die Belehrung jener, die bei einem Csardas zu früh ihrer Begeisterung klatschend Ausdruck verliehen, kam elegant-aufklärernd, mit einem Augenzwinkern über den Bühnenrand. Der schwere Einstieg, wie beim Csardas üblich, erwies sich im Kopfkino als Tanz mit genagelten Schuhen auf einem rohen Holzboden, die Ablösung der irrwitzigen, darauffolgenden Polka, hin zu einem wilden „Drahdiumi“, war schlicht mitreißend.

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Federspiel und Die Strottern (Fotos: Stephan Mussil / Wiener Konzerthaus)

Die ersten Gäste, Klemens Lendl und David Müller – alias ‚Die Strottern‘ holten das musikalische Geschehen wieder zurück auf Wiener Boden. Sowohl in einem Liebeslied, mit einem Text der Autorin Teresa Präauer, als auch mit der musikalischen Erzählung eines Mannes, der tagtäglich in der U1 eine schöne Unbekannte zwischen Nestroyplatz und Taubstummengasse bewundert, tauchte man ad hoc tief in die Wiener Seele ein. Dass sich diese doch erheblich von jener unterscheidet, die noch dem weinseligen Wienerlied frönte, ist dem Duo zu verdanken, das diese Tradition sowohl inhaltlich als auch musikalisch sinnhaft neu belebt. Beim darauffolgenden Gstanzl, mit gegenseitigen augenzwinkernden Sticheleien, blieben sich Federspiel und Die Strottern verbal nichts schuldig, ganz zur Erheiterung aller im Saal.

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Vivi Vassileva (Fotos: Stephan Mussil / Wiener Konzerthaus)

Vivi Vassileva, Multipercussionistin, zeigte schon bei ihrem allerersten Auftritt, mit welch energiegeladener Verve sie ausgestattet ist. An der großen Trommel werkend, schritt sie durch den Publikumsgang im Parkett und verbreitete ad hoc Begeisterung. Ihre Federspiel-Ergänzung geriet perfekt bis hin zu solistischen Einschüben, bei welchen man ihre Freude am Musizieren in jedem Augenblick nachvollziehen konnte. Die Pause war dem individuellen Rutsch ins Neue Jahr vorbehalten und wurde von vielen in den Gängen des Konzerthauses auch mit dem traditionellen Donauwalzer begangen, der, wie das Geläute der Pummerin zuvor, über die Lautsprecher eingespielt wurde.

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Yasmo (Fotos: Stephan Mussil / Wiener Konzerthaus)

Mit Yasmo, dem letzten Gast bei diesem Konzert, holte sich das Ensemble Federspiel erneut Frauenpower auf die Bühne. Die mit vielen Preisen ausgezeichnete Musikerin bestärkte vornehmlich junges Publikum und augenscheinlich auch ihren mitgebrachten Fanclub mit Poetry-Slam-Darbietungen. Hauptthema dabei: „Es-ist-gut-so-wie-du-bist“. Gemeinsam mit Ralph Mothwurf (Gitarre), Tobias Vedovelli (Kontrabass) und Reinhard Hörschläger (Schlagzeug) bildete sie mit Federspiel und Vassileva ein klangmächtiges Ensemble, sodass das Publikum teilweise nicht mehr auf den Sitzen zu halten war. „Du bist tok-tok-toxisch“ und „wir machen eine Party – alles ist erlaubt außer Nazis“ lieferten dazu jene eingängigen Texte, die sich schon nach dem ersten Refrain gut zum Mitsingen eignen.

Zwei reine Federspiel-Zugaben beendeten das Konzert. Hätten die Bläser mit ihrer zweiten Zugabe, einem zarten Lullaby, nicht melancholisch-leise Töne verbreitet, wäre das Publikum nach rund eineinhalb Stunden im neuen Jahr auch noch nicht zum Heimgehen animiert gewesen.