Wo gibt es sonst noch so eine Gag-Dichte?

Michaela Preiner

3. Februar 2026

Wo gibt es sonst noch so eine Gag-Dichte?

Michaela Preiner

3. Februar 2026

Foto: (Marcella Ruiz Cruz )

Foto:

Am Volkstheater läuft derzeit eine Produktion, die in höchstem Maße von dem ablenkt, was das Weltgeschehen derzeit an Unbillen bereithält. Und das ist gut so.

Komödie mit Banküberfall nennt sich jene Inszenierung, die das Publikum so oft zum Lachen bringt, dass man schon nach wenigen Minuten aufhört, die Gag-Anzahl mitzuzählen.

Jonathan Sayer, Henry Lewis & Henry Shields sind die Autoren der englischen Komödie, die das hält, was sie verspricht. Getreu dem bewährten Muster einer Mischung von Sprachwitz und Slapstick, unerwarteten Handlungswendungen und nicht zuletzt köstlichen Regie-Einfällen, bringt das Ensemble einen Theaterabend zustande, der an Humor nichts zu wünschen übriglässt.

Neben der Regie (Christian Brey), die auf Tempo und permanente szenische Verwandlung setzt, trägt auch das Bühnenbild einen großen Anteil zum Gelingen bei (Annette Hachmann, Madeilene Mebs). Kerker-Gitterstäbe erweisen sich als baumelnde Seile, mehrere Ebenen einer Räumlichkeit sind gleichzeitig einsehbar und das Kippen eines Raumes um 90 Grad fordert die Lachmuskelstärkung, so akrobatisch müssen sich die Schauspieler dabei bewegen.

Thomas Esser ist nicht nur als Live-Musiker auf der Bühne, sondern auch verantwortlich für seine Kolleginnen und Kollegen, die mit erstaunlicher Musikalität ihre Aufgaben meistern. Paula Nocker glänzt nicht nur in ihrer Rolle als verwöhnte Bankdirektorstocher mit halbkriminellen Ansätzen, sondern vor allem auch als Sängerin mit einem Timbre, das sich in den jeweiligen Nummern als extrem am Original orientierend erweist.

Tjark Bernau in der Rolle des völlig überforderten Bankdirektors und Bernardo Aria Porras agieren als liebenswürdig-tragisches Chef-Angestellten-Duo, das zu spät erkennt, was sie im Leben aneinander hatten.

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Komödie mit Banküberfall (Foto: Marcella Ruiz Cruz)

Andrej Agranovski, Nicolas Frederick Djuren, Maximilian Pulst, Claudia Sabitzer, Stefan Suske und Günther Wiederschwinger sind ein wunderbar eingespieltes Team, bei dem jeder Satz und jede Geste stimmt und zugleich auch Bewunderung hervorruft. Jene Szene, angelehnt an das bekannte Acitivity-Spiel, bei welchem Begriffe erraten werden müssen, die nur pantomimisch dargestellt werden, gehört zu den absoluten Highlights des Abends. Zum Glück bleibt die Regie lange auf diesem Einfall, von dem man gar nicht genug bekommen kann. Wiebaden, Aschaffenburg und Wels zu erraten – das muss einmal so vorexerziert werden, wie man es im Volkstheater erleben kann.

Die minutiös zeitlich aufeinander abgestimmten Auf- und Abgänge sind mindestens gleich atemberaubend wie die verrückte Handlung. Rasch festigt sich der Eindruck, dass sie sich in jedem Augenblick auch in ihr Gegenteil verkehren könnte, was der Aufführung zusätzlich Spannung verleiht.

Wer sich von einem Alltag ausklinken möchte, der einem nicht wirklich rosig erscheint, dem sei „Komödie mit Banküberfall“ wärmstens empfohlen.