Vier Mosaiksteinchen ergeben ein vollständiges BildQuatuor mosaiques font un tableau complet

Das Abschlusskonzert des Week-End Mendelssohn, veranstaltet vom OPS in Straßburg, gestaltete das Ensemble „Quatuor mosaiques“ aus Wien. Das seit über 20 Jahren zusammen musizierende Quartett spielte, wie immer, auf Originalinstrumenten. Nicolaus Harnoncourts „Concentus Musicus Wien“ war der Ausgangspunkt für die gemeinsame Arbeit und zugleich auch die Prägung, Musik historisch zu verstehen und möglichst authentische Wiedergaben auf historischen Instrumenten anzubieten.

Quatuor mosaiques (c) Jean Sabatier

Quatuor mosaiques (c) Jean Sabatier

Der schöne, samtige, weiche und niemals schroffe, kalte oder harte Klang der Streichinstrumente resultiert nicht nur aus den historischen Geigen, der Bratsche und dem Cello, sondern zu einem großen Teil der Bespannung mit Darmsaiten. Egal, welches Werk sie an diesem Abend auch interpretierten, es war deutlich zu hören, dass das Viergestirn schon viele Jahre lang zusammenspielt. Ihr Spiel klingt abgeklärt, stark an der Originalpartitur ausgerichtet und im besten Sinne des Wortes kammermusikalisch. Die vier Stimmen ergänzen sich völlig gleichwertig, was auch daran liegt, dass Erich Höbarth seine Primgeige bewusst so unspektakulär zurückhält, dass man seine Rolle am besten als primus inter pares beschreiben kann. Andrea Bischof und Anita Mitterer für die zweite Geige und die Bratsche zuständig, übernehmen genauso wie der einzige Nicht-Österreicher, der französische Cellist Christoph Coin ihre Stimmführungen, wo sie vom Notentext gefordert werden, so als wären sie dabei, sich in abwechselnder Rede mit abwechselnden Emotionen zu unterhalten.

Dies liegt auch daran, dass die Instrumente klanglich in denselben Lagen sehr stark beieinander liegen, was wiederum eine große Ausgewogenheit im Klangvolumen darstellt. Mit dem Streichquartett op. 5 von Franz Xaver Richter erwies das Ensemble gleich zu Beginn dem Straßburger Publikum eine Referenz, war doch der durch die Mannheimer Schule bekannt gewordene Komponist zwischen 1769 und 1789 Kapellmeister am Straßburger Münster. Bei ihm gibt es keine barocken, verschnörkelten Melodieführungen, die sich durch einen Generalbass tragen lassen, vielmehr versteht er bereits das Quartett als musikalisches Ausdrucksmittel, in welchem sich alle Stimmen emanzipieren.

Das Streichquartett von Ludwig van Beethoven op. 18 Nr. 6 führte in wesentlich radikalerer Form vor, was zuvor in der Andeutung schon hörbar war. Schon der erste Satz mit der Übernahme der Melodie der ersten Geige in das Cello macht deutlich, wie autonom hier die Stimmen gesetzt wurden. Die zweite Geige und Bratsche, klangen besonders aus der schon beschriebenen klanglichen Nähe in den Begleitstimmen desselben Satzes extrem harmonisch. Dass Streichquartett auch spannend sein kann, zeigte sich im zweiten Satz, nicht nur, weil er im zartesten Pianissimo den Atem anhalten ließ, sondern auch mit dem Überraschungseffekt der Pause eines ganzen Taktes Sekunden zu Ewigkeiten gerinnen ließ. Die raschen und wunderschön wiedergegebenen Stimmungswechsel im 4. Satz, welche die Melancholie wiedergeben, machten nicht nur die Qualität dieses Werkes deutlich, sondern vor allem auch des Ensembles selbst.

Die gelungene Werkauswahl wurde mit dem letzten Streichquartett, dem Quartett op. 13 von Felix Mendelssohn-Bartholdy fortgesetzt. Er schrieb es unter dem Eindruck seiner Trauer über den Tod von Beethoven im Alter von nur 18 Jahren, umso erstaunlicher wirkt die bis auf die heutige Zeit überzeugende Aussage des Themas, besonders im zweiten Satz, der zwischen Trauer und Tragik pendelt. Das Pizzicatospiel, das den dritten Satz über lange Strecken lieblichst beherrscht, gehört wohl zum einmaligsten dieser Art in der gesamten Literatur für Streichquartett. Die Töne hier auch zum Klingen zu bringen und vor allem eine ganz exakte Übereinstimmung in den Zupfbewegungen, fordert eine Meisterschaft im Zusammenspiel, was Quatuor mosaiques bravourös meisterte. Ein schöner, ruhiger Konzertgenuss, der in unserer heutigen, lauten schnelllebigen Zeit schon beinahe Meditationscharakter aufwies.

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