Samudaripen – der vergessene Genozid

In Deutschland war es der Hungerstreik einer Gruppe um den Sinto Romani Rose im ehemaligen Kz Dachau, der 1980 dafür kämpfte, dass seine Volksgruppe als unter den Nazis verfolgt, anerkannt wurde. Sein Kampf war erfolgreich. 2 Jahre später wurden den Sinti und Roma auf eine Initiative des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt dieses Recht zuerkannt. Obwohl bereits Ende des 18. Jahrhunderts die Mitglieder der Volksgruppen der Sinti und Roma sich im deutschen Sprachraum als solche bezeichneten, wurde auch erst in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Bezeichnung „Zigeuner“ aus dem alltäglichen Sprachgebrauch verdrängt. In Frankreich ist das Szenario jedoch anders. Bis heute haben die unter dem Sammelbegriff der „Tzigane“ lebenden Roma, Sinti oder Manouches und Gitans – letztere stammen aus dem Süden Frankreichs, Spaniens oder Portugal, keine adäquate Bezeichnung ihrer Abstammung in der Umgangssprache gefunden. Ein Umstand, der im Hexagon, so hat es den Anschein, aber keine Fragestellungen aufwirft. Und Samudaripen, so nennt sich in Frankreich der Genozid an den Tziganes während des Naziregimes, aber nicht einmal dieser Begriff wird einheitlich verwendet, ist weit davon entfernt, von der Regierung überhaupt nur behandelt, geschweige denn anerkannt zu werden. Im elsässischen Straßburg gab es Mitte Februar 2010 eine kleine kulturelle Aufarbeitung dieses tragischen Geschehens. Die Aufführung des Stückes „Samudaripen“ im Pôle-Sud, die Ausstellung von Grafiken am selben Veranstaltungsort von Sebastien Kuntz, sowie der Film „Liberté“ von Tony Gatlif, der sich demselben Thema widmet, bildeten eine Trilogie, die mit unterschiedlichen, künstlerischen Zugängen arbeitete und das dunkle zeithistorische Kapitel ein wenig unter die Lupe nahm.
Während sich das Publikum im Pôle-Sud seine Plätze sucht, spielt eine kleine Band am linken Bühnenrand postiert, Stücke ganz im Stil von Django Reinhardt, dem berühmten französischen Gitarrenvirtuosen, der dem Volk der Manouche angehörte. Eine lockere Einstimmung, die nach dem Verlöschen des Lichts von einer Sekunde auf die andere ins Tragische, Unbeschreibliche, Grauenhafte kippt. Ein Stacheldraht trennt das Geschehen auf der Bühne vom Publikum. Ein Wachturm und Flutlicht – mehr braucht es an Bühnenbild nicht, um sich im Hof eines Konzentrationslagers wiederzufinden. 4 Männer in gestreiften Gefangenenanzügen mit ebensolchen Kappen am Kopf, laufen im Trippelschritt wie unter Kommando im Kreis, stellen sich in Reih und Glied nebeneinander auf und lauschen den Hasstiraden vom Band. Als primitiv und völkergefährdend werden sie bezeichnet, wobei historische Filmaufnahmen Politiker zeigen, die sich in diesen Hasstiraden suhlen. Immer wieder knickt der eine oder andere Mann ein, wie von den erniedrigenden Worten körperlich getroffen. Was nun in der kommenden Stunde gezeigt wird, ist aber nicht zeitgenössisches Tanztheater mit elaborierten Tanzfiguren, sondern Hip-Hop der anspruchsvollsten Art, der oft mit Slam-Rap und Jazz – wie eingangs beschrieben – unterlegt wird. Die Texte erzählen davon, was die Männer verloren haben, wie menschenunwürdig sie behandelt werden und wie sie schließlich auch ihren Tod finden. In zuckenden Bewegungen stirbt einer von ihnen am Boden vor seinen Kameraden, die ihm nicht helfen können. Bei der Essensausgabe stellen sie sich hintereinander in eine Reihe und versuchen immer wieder, sich mit allen Mitteln nach vorne zu drängen. Wenn der Mensch all seiner Würde beraubt wird und um sein Überleben kämpfen muss, wird er zum Tier, das keinen Freund unter seinesgleichen mehr kennt. Mehrfach wird diese Thematik deutlich vor Augen geführt. Ein Aufseher in langem Mantel, der Anweisungen in sein Handy brüllt, beaufsichtigt die Männer während ihrer Zwangsarbeit, die in ihrer schweißtreibenden und anstrengenden Tanzsprache gut nachvollzogen werden kann. Als die Häftlinge beginnen, sich zu kratzen, sodass man meint, sie würden sich die Krätze von der Haut reiben wollen und sich vor Wahnsinn dabei am Boden winden, wünscht man sich, das Grauen nicht länger mit ansehen zu müssen. Und da wird es einem bewusst. Was ist eine Stunde getanzte Qual gegen Monate und Jahre im Konzentrationslager? Nicht einmal die lyrische Passage des Tanzes mit der Gitarre, zu der ein altes, von einer Frau gesungenes Volkslied erklingt, mildert den von Beginn an vorhandenen bitteren Geschmack – und das ist gut so. Denn gerade der getanzte Hip-Hop verleitet leicht, vom Drama des Geschehens abzulenken, würden sich die neuen Schreckensbilder nicht ständig abwechseln. Nur einer der Häftlinge überlebt dieses Inferno, das, wie es der Nachspann auch aufzeigt, wie ein Menetekel nach wie vor im Raum schwebt. Neue Tiraden von rechtspopulistischen Politikern klingen wie jene vor 80 Jahren und sollten bekämpft und im Keim erstickt werden. Yan Gilg, der die künstlerische Leitung über hatte und Mickaël Stoll, der für die Choreografie verantwortlich zeichnet, haben sich dennoch mit dieser Produktion der Companie Memoires Vives auf einen schmalen Grat begeben. Unaussprechliches Grauen in eine künstlerische Form zu gießen, die den Geschmack von Jugendlichen trifft, war beabsichtigt. Das Fernsehen mit seiner Live-Übertragung des Todes hat aber dazu beigetragen, dass viele diesbezüglich abgestumpft wirken. Ich hoffe, mein Eindruck trügt und die Botschaft traf ihre Empfänger tatsächlich tief in ihrem Inneren.

Die Ausstellung des Künstlers Sebastien Kuntz im Untergeschoss des Pôle-Sud, die zeitgleich mit den Aufführungen präsentiert wurde, zeigte schwarz-weiße aber auch Farblithographien zum Thema. Im Kreis zusammengepferchte, bunte Wagenkolonnen, umgeben von Soldaten mit Waffen, assoziieren die Verfolgung der „Tziganes“ während des Vichy-Regimes und dann unter den Nazis. Seine, einem leichten Strich folgenden Beschreibungen der Vernichtung, atmen den Wind des Vergessens und lassen Unbeschreibliches tatsächlich unbeschrieben. Wie von einem Hurricane werden ganze Pferde- und Wagenkolonnen in die Lüfte emporgehoben, um zu verschwinden aus dem Hier und Jetzt. Es sind keine einzelnen Gesichter, keine einzelnen Persönlichkeiten, die er wiedergibt, sondern die Zusammenballung von Menschen, die sich der Tyrannei ihrer Verfolger nicht erwehren können. So bunt ihre Wagen, so schwarz ist die Übermacht ihrer Feinde. Die Erhebung in die Lüfte ist der einzige Lichtblick, der aber nicht zum Leben, sondern zum Tod führt. Ein Auflösen, das einer Erlösung gleichkommt.
Liberté, der Kinofilm des französischen Filmemachers, Schauspielers, Komponisten und Regisseurs Tony Gatlif, mit algerischen und Sintiwurzeln, entlässt sein Publikum ebenso mit Bildern von Unterdrückung und Inhaftierung. Aber – und darin liegt auch seine Stärke, er vermittelt auch, dass es Menschen gab, die versuchten, gegen den Strom zu schwimmen und den Tziganes zu helfen. Der Tierarzt und Bürgermeister einer kleinen Gemeinde ist mit der Lehrerin, Fräulein Montag, der einzige, der die Courage hat, ein Zeichen zu setzen. Er verkauft das alte Gut seiner Vorfahren gegen den symbolischen Wert von 10 Francs an eine Familie, die bereits ins Lager verfrachtet wurde. Von dort freigelassen, aufgrund der Tatsache eigenen Grund und Boden zu besitzen, gelingt es ihnen dennoch nicht, zwischen den dicken Steinmauern zu leben, da dies nur eine andere Art von Freiheitsberaubung für sie darstellt. In schönen, oftmals beinahe romantisierenden Bildern, aber vor allem mit beeindruckenden schauspielerischen Leistungen, wie jener von James Thierree, der in der Person des verrückten Außenseiters zeigt, was Naturverbundenheit und Freiheit wirklich bedeutet, erzählt Gatlif die bedrückende Geschichte des Genozids anhand einer umherziehenden Sippschaft.
Was nach all den kulturellen Aufarbeitungen bleibt, ist nicht nur, über Samudaripen etwas erfahren zu haben, sondern vor allem die Erkenntnis, viel zu wenig zu wissen, über die rund 2000 Tziganes, die heute mit mir in Straßburg leben. Vielleicht aber gelingt eine Annäherung im Juli, wenn ihnen ein eigenes Festival hier gewidmet sein wird. Wir werden berichten.

En Allemagne, en 1980, le Sinto Romani Rose se battait afin d’obtenir le statut de « persécuté par les Nazi » pour son ethnie. Grâce à la grève de la faim organisée par un groupe de soutien dans l’ancien camp de concentration à Dachau, son combat fut couronné de succès. Effectivement, deux ans plus tard, le chancelier allemand de l’époque, Helmut Schmidt, a reconnu ce droit aux Sinti et aux Roma. Déjà à la fin du 18e siècle, les membres de ces communautés se définissaient comme tels en territoire germanophone. Mais malgré cela, le terme « Zigeuner » (tsiganes), n’a été remplacé dans le langage courant que dans les années 80 du 20e siècle. En France, les choses sont différentes : Les communautés des Roma, des Sinti, des Manouches et des Gitans – ces derniers venant du midi de la France, d’Espagne ou du Portugal – n’ont toujours pas obtenu de désignation conforme à leurs origines respectives dans le langage courant et sont ainsi communément désignés comme « Tsiganes ». Un fait qui, à priori, ne soulève aucune interrogation dans l’Hexagone.
Le terme « Samudaripen » désigne en langue Rom le génocide des tsiganes sous le régime nazi. Mais ce terme est toujours en partie méconnu en France et le gouvernement est très loin de se préoccuper du problème ou alors de reconnaître qu’il existe.
Mi-février, au Strasbourg alsacien, des artistes ont porté un regard culturel sur ces évènements dramatiques.
La représentation de la pièce « Samudaripen » au Pôle Sud, l’exposition de dessins de Sébastien Kuntz et le film « Liberté » de Tony Gatlif, dédié au même sujet, ont formé une trilogie : trois approches artistiques différentes pour regarder ce chapitre sombre de l’histoire à travers une loupe grossissante.
Pendant que le public cherche encore ses places dans la salle, un petit groupe sur la partie gauche de la scène joue des pièces dans le style de Django Reinhardt, le célèbre virtuose de guitare français qui appartenait au peuple manouche.
Une entrée en matière décontractée qui bascule dans le drame, dans l’indescriptible, dans l’horreur absolue, dès que la lumière s’éteint. Des barbelés séparent le public de la scène. Un mirador et des projecteurs : il n’en faut pas plus pour se retrouver dans la cour d’un camp de concentration.
4 hommes en tenue rayée de prisonniers, casquettes assorties sur la tête, trottinent comme sur commande en rond, se mettent en rang, écoutant les tirades pleines de haine enregistrées sur des bandes sonores où on les traite de primitifs et de dangereux pour la population. En même temps des extraits de films d’archives montrent des hommes politiques qui se délectent de ces tirades haineuses. De temps en temps, l’un ou l’autre de ces hommes s’effondre comme s’il était physiquement atteint par ces paroles humiliantes.
Mais ce qui sera montré pendant l’heure qui suit, ne relève pas du théâtre de danse contemporaine. Il s’agit plutôt de Hip-hop de top niveau, souvent accompagné par du Slam-Rap ou du Jazz comme décrit précédemment. Les textes racontent ce que ces hommes ont perdu, ils parlent du traitement inhumain qu’ils ont subi et comment ils trouvent finalement la mort. L’un deux meurt justement en convulsant sous le regard de ses camarades qui ne peuvent lui porter secours.
Pendant la distribution du repas, les hommes forment un rang mais tous essaient continuellement de jouer des coudes pour passer devant. Quand l’être humain est dénué de tout, quand on lui vole sa dignité, il devient animal et n’a plus d’amis parmi ses pairs.
Ce sujet est illustré à plusieurs reprises.
Un surveillant vêtu d’un long manteau hurle des commandements dans son portable. Il surveille les hommes pendant les travaux forcés ; ces travaux trouvant une belle expression dans le langage épuisant de la danse.
Quand les détenus commencent à se gratter, comme s’ils voulaient s’arracher la peau, tout en se tordant par terre dans leur folie, on ne souhaite qu’une chose : que l’horreur s’arrête. Et on prend douloureusement conscience qu’une heure de « torture dansée » n’est rien comparée aux mois et aux années passés par certains dans les camps.
Même le passage lyrique de danse au son de la guitare, accompagné d’un vieux chant populaire, chanté par une voix féminine, ne réussit pas à dissiper le malaise qui règne depuis le début. Et, d’une certaine façon, c’est bien ainsi : Le fait est que le Hip-hop pourrait faire oublier à certains le drame qui se joue sous les yeux des tous – si les images de l’horreur ne succédaient pas les unes aux autres !
Un seul prisonnier survit à cet enfer, un enfer qui, comme le montre l’épilogue, continue à planer tel un mauvais présage dans l’espace.
De nouvelles tirades d’hommes politiques d’extrême droite font penser à celles d’il y a 80 ans. Elles doivent être combattues à tout prix, étouffées dans l’œuf !
Avec cette production, le directeur artistique Yan Gilg et le chorégraphe Mickaël Stoll se sont aventurés sur un sentier très étroit : Leur intention était de décrire l’horreur, pourtant indescriptible, dans une forme artistique qui touche la jeunesse. Mais la télévision et ses transmissions en direct de la mort à toute heure a contribué à insensibiliser beaucoup de ces jeunes gens. J’espère me tromper et le message a touché ceux à qui il était destiné à l’endroit même où il était censé les toucher : dans leur âme.

L’exposition de l’artiste Sébastien Kuntz en sous-sol du Pôle Sud a eu lieu en même temps que les représentations dont il était question. Elle a présenté des lithographies en noir et blanc et en couleur traitant du même sujet. L’enfilade de voitures colorées formant un cercle, entourée par des soldats armés fait allusion à la persécution des tsiganes sous le régime de Vichy, puis par les Nazis. Le trait léger, Kuntz, avec ses descriptions du désastre, fait souffler le vent de l’oubli, ne cherchent pas à décrire l’indescriptible. Des colonnes entières de chevaux et de voitures sont emportées dans les airs par une tornade, comme pour se distraire à la réalité. L’artiste ne représente pas de visages isolés, pas d’individus, mais un agglomérat d’êtres humains, incapables de se défendre contre leurs poursuivants. Autant leurs voitures sont colorées, autant la surpuissance de leurs ennemis est noire. L’envol dans les airs est le seul moment d’espoir – même s’il mène vers la mort et non pas vers la vie. Une dissolution qui équivaut une délivrance.
De même que Liberté, le film du cinéaste français Tony Gatlif d’origine algérienne, qui par ailleurs est aussi acteur et compositeur, qui congédie son public des images d’oppression et de détention gravées dans l’esprit. Mais en même temps, et en cela consiste aussi sa force, ce film montre que certains hommes ont bel et bien essayé de nager contre le courant pour aider les tsiganes.
Le vétérinaire et maire d’une petite commune, soutenu par l’institutrice Mademoiselle Lundi, est le seul qui a le courage d’émettre un signal fort : Il vend la vieille propriété de ses aïeux pour 10 francs symboliques à une famille emprisonnée dans un camp. En tant que propriétaires terriens, les membres de cette famille finissent par être libérés. Mais ils sont incapables de vivre entre quatre murs, ce qui représente pour eux une autre forme de privation de liberté.
Avec des images magnifiques, presque romantiques, Gatlif illustre l’histoire oppressante du génocide en racontant la destinée d’une famille errante.
La performance extraordinaire de l’acteur James Tierree dans le rôle du personnage marginal et un peu fou, nous montre de façon bouleversante ce que la liberté et une véritable proximité de la nature signifient pour certains de nos concitoyens.
Ce qui subsiste, après avoir vu ces trois tentatives de porter un regard artistique sur un sujet aussi sensible que celui du Samudaripen, est la certitude de ne pas en savoir assez sur les environ 2000 tsiganes qui cohabitent avec moi à Strasbourg. Peut-être un rapprochement sera-t-il possible au mois de juillet, où se déroulera ici un festival qui leur sera dédié en intégralité !
Nous vous en parlerons.
Texte traduit de l’allemand par Andrea Isker
