Was war und was sein wird

Was war und was sein wird

Michaela Preiner

Foto: ( Nikola Milatovic )

15.

Oktober 2023

Mit ihrer neuen Produktion „Halbzeit“ begrüßen die Rabtaldirndln das Publikum bei einer „Pressekonferenz“.

Auf ihr blicken sie einerseits auf 20 Jahre Rabtaldirndln zurück, andererseits präsentieren sie ihr Programm für die kommenden 20 Jahre. Und schlagen den Subventionsstellen vor, langfristig nicht wie bisher auf drei, sondern gleich auf 20 Jahre das Geld bereitzustellen. Planungssicherheit ist alles.

Der Abend in Graz findet im Museum für Geschichte in der Sackstraße statt. Bevor man im adaptierten Theaterraum Platz nimmt, wird man durch einige Räume des Schau-Depots geleitet, um hier und da auf kleine Hinweise aus vergangenen Rabtal-Produktionen zu stoßen.

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Rabtaldirndl - Halbzeit (Foto: Nikola Milatovic)

Barbara Carli, Rosa Degen-Faschinger, Bea Dermond und Gudrun Maier kommen als Frauen mit Langhaarperücken auf die Bühne, wohl eine Reminiszenz auf die vergangene Jugend. Weiße Blusen und schwarze Röcke, sowie flache schwarze Schuhe machen klar: Diese ist jedoch vorbei, jetzt ist ein anderer Look angesagt. (Kostüm und Ausstattung Helene Thümmel)

Die vier Frauen warten rasch mit der Horrorvorstellung auf, dem Publikum nun 40 kommende Produktionen vorstellen zu wollen und legen damit gleichzeitig einen Zukunftsstrahl fest, der anfänglich unverrückbar zu sein scheint. Im Laufe des Abends stellen sie jedoch Überlegungen an, welche so manchen Zweifel am determinierten Zukunftsprogramm aufkommen lassen. Was ist, wenn eine von ihnen ernstlich erkrankt? Gibt es außerhalb des Theatermachens nicht auch noch andere Zukunftsaussichten? Ist ein Leben ohne die eingeschworene Vierergemeinschaft eigentlich denkbar?

Nachdem man es tatsächlich geschafft hat, 40 Produktionen zumindest anzureißen, ist auch noch Zeit für eine Rückschau. Wie war das in ihren Anfängen, der gerichtliche Streit um das Recht für ihren Namen? Was waren die schrecklichsten Erlebnisse während ihrer Auftritte – nicht verschließbare Toiletten standen hier in der Replik ganz oben.

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Rabtaldirndl - Halbzeit (Foto: Nikola Milatovic)

Die Regie (Felix Hafner) wartet an einer Stelle auch mit der Idee einer Publikumsprovokation auf – die allerdings prominente Vorbilder hat. Das Ensemble verharrt so lange, ohne etwas zu sagen, bis sich bei den Zusehenden Unruhe bemerkbar macht, dann verabschiedet es sich in „eine kurze Pause“. Die „Simpsons“ der Performancekunst, wie sie sich selbst an einer Stelle bezeichnen, rezitieren an einer Stelle auch eine Kapitalismus-Fürbitte, in welcher sie hoffen, als Einzelunternehmerinnen nicht in die Insolvenz zu schlittern oder auch vor einer Fernbeziehung geschützt zu werden.

„Halbzeit“ oszilliert zwischen witzigen Rabtaldirndl-Bonmots, musikalisch abwechslungsreichen Einlagen und einer melancholischen Grundstimmung. In ihr wird klar: „Zambleiben“ ist der Wunsch aller – mit Sicherheit auch jener ihrer Fangemeinde. Mögen ihre Bitten erhört werden!

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