Krieg für Kinder

„Heinrich V“ eine kindergerechte Inszenierung im Dschungel mit viel Augenfutter

Eine Leiter verwandelt sich in ein englisches Schiff, eine Schauspielerin mithilfe eines blauen Tuchs in den Ärmelkanal und Luftballons in sterbende Soldaten. Einen Krieg für Kinder erzählen. Kann man denn…? Und: Darf man denn…?
Der 2. Jahrgang des Studiengangs Schauspiel der Konservatorium Wien Privatuniversität spielt Shakespeares „Heinrich V“ für Kinder ab sechs Jahren (Schauspiel: Florian Appelius, Anatol Käbisch, Naemi Latzer, Maresi Riegner, Anna Woll). Die Textadaption von Ignace Cornelissen bricht die Geschichte auf einen nachvollziehbaren roten Faden herunter. In der Inszenierung unter der Regie von Frank Panhans wird deshalb auf Komplexität nicht verzichtet.

Krieg wird als ein sinnloser Streit zwischen Kindern erzählt, von dem am Ende niemand mehr weiß, wer angefangen hat, wer schuld ist und worum es ging. Trotzdem ist dieses Stück alles andere als harmlos. Gerade sprachlich wird den Kindern viel zugemutet. Die Brutalität, die ein Krieg mit sich bringt, der Tod werden nicht ausgespart.

Eine zentrale Figur ist dabei Catherine, Prinzessin von Frankreich. Sie beginnt, sich von der Geschichte, die über sie erzählt wird, zu emanzipieren. Als bloße Figur in der Erzählung ist es leicht, Verantwortung abzugeben und sich seinem Schicksal zu fügen. Dem widersetzt sie sich, fällt aus ihrer Rolle aus, erfindet eine Fledermaus hinzu und gibt sich nicht so leicht geschlagen. Damit ist sie, obwohl Spielball von Interessen, eine starke Frauenfigur. Sie gibt dadurch auch dem Publikum die Möglichkeit, die Geschichte neu und anders zu denken und vielleicht den Luftballon-Soldaten den Tod zu ersparen.

Visuell besticht die Inszenierung besonders durch den schlüssigen Einsatz der reduzierten Requisiten (Ausstattung: Vanessa Achilles-Broutin). Das Bühnenbild ist eine Abenteuerlandschaft aus beweglichen Bühnenteilen, die fantasievoll bespielt werden.
„Heinrich der Fünfte“ ist eine von insgesamt drei Shakespeare – Adaptionen am Dschungel Wien. Das Stück ist für Publikum ab sechs Jahren konzipiert. Schauspielerisch bewegt sie sich auf hohem Niveau. Spielerisch werden die Rollen getauscht. Beliebigkeit entsteht dennoch nicht. Heinrich ist naiv und bleibt liebenswert, ohne dass man seine Grausamkeit einfach hinnimmt. Auch der französische König ist Figur und nicht nur Gegenspieler. Regiert wird die Inszenierung jedoch von den drei Frauen, die sich die Rollen von Prinzessin Catherine und den Erzählerinnen teilen.

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