{"id":55067,"date":"2013-06-12T15:00:39","date_gmt":"2013-06-12T13:00:39","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/tradition-feiert-man-richtig-mit-innovation\/55067\/"},"modified":"2013-06-12T15:00:39","modified_gmt":"2013-06-12T13:00:39","slug":"tradition-feiert-man-richtig-mit-innovation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/tradition-feiert-man-richtig-mit-innovation\/55067\/","title":{"rendered":"Tradition feiert man richtig mit Innovation"},"content":{"rendered":"<p>100 Jahre \u00d6sterreichischer Komponistenbund. Er\u00f6ffnungskonzert im Radiokulturhaus<\/p>\n<div id=\"attachment_7481\" style=\"width: 630px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7481\" class=\"size-full wp-image-7481\" alt=\"Onur D\u00fclger &#038; Liina Leijala bei der Auff\u00fchrung von \u201ecelloacoustic\u201c im Radiokulturhaus mit dem Webern Ensemble. 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(Foto: Markus Sepperer)<\/p><\/div>\n<p>Mit einem Konzert am Montag dem 10.6. er\u00f6ffnete der \u00d6sterreichische Komponistenbund (\u00d6KB) seine einw\u00f6chigen Feiern anl\u00e4sslich des 100j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums. Im gro\u00dfen Sendesaal des Radiokulturhauses war an diesem speziellen Abend der Blick aber ganz und gar nicht nach r\u00fcckw\u00e4rts, sondern weit in die Zukunft gerichtet. Kamen doch insgesamt f\u00fcnf Werke von jungen Komponisten zur Auff\u00fchrung, die derzeit alle noch ihre Kompositionsstudien in \u00d6sterreich absolvieren. Den Auftakt machte Alexander Kaiser mit seinem Werk \u201eInterferenzen\u201c. Daf\u00fcr stand ihm ein abstraktes Werk von Gerhard Richter aus den 80er Jahren als Ausgangsmaterial f\u00fcr seine kompositorischen Ideen Pate. Um die Seh- bzw. H\u00f6rgewohnheiten auf den Kopf zu stellen, setzte Kaiser die musikalische Umsetzung des fertigen Bildes an den Beginn der Komposition, um danach Schritt f\u00fcr Schritt an den Anfang seiner Entstehung, die er in einer Dokumentation gesehen hatte, zur\u00fcckzugelangen. Zwischen dem kraftvollen Beginn und dem hauchfeinen Ausklang des St\u00fcckes lag eine klar nachvollziehbare Klangstruktur, aus welcher man unterschiedliche \u201eArbeitsschritte\u201c gut heraush\u00f6ren konnte. Ein Ensemble des Konservatorium Wien Privatuniversit\u00e4t unter Giuseppe Montesano interpretierte \u2013 wie auch alle anderen jungen Klangk\u00f6rper an diesem Abend \u2013 ausgesprochen professionell. Besonders gefordert war der Schlagwerker \u2013 man h\u00e4tte ihm zwei zus\u00e4tzliche Arme gew\u00fcnscht.<\/p>\n<p>Mit \u201eSp\u00e4te Faust\u201c \/Material f\u00fcr einen Scelsi-Kommentar spielte ein Ensemble f\u00fcr Neue Musik der Universit\u00e4t Mozarteum Salzburg unter Marino Formenti ein Werk des jungen Deutschen Hendrik Rungelrath. Die Komplexit\u00e4t der Arbeit erl\u00e4uterte der Dirigent mit dem Entdecken von immer neuen Facetten w\u00e4hrend der verschiedenen Auff\u00fchrungen, die das Ensemble schon gespielt h\u00e4tte. Hauchd\u00fcnne Streicherf\u00e4den wechselten mit kr\u00e4ftigen Tutti, getupfte Bl\u00e4serkl\u00e4nge standen dunkel zusammengebrauten Klangwolken gegen\u00fcber. Kr\u00e4ftige Klavierakkorde wiederum kontrastierten mit feinsten Hauch- und Flirrmotiven der anderen Instrumente. Das \u00fcberraschende Ende im Pianissimo verlieh dem St\u00fcck einen Notizcharakter. Rungelrath brach mit diesem Werk auch eine Lanze f\u00fcr den au\u00dfergew\u00f6hnlichen italienischen Komponisten Giacinto Scelsi, der bislang keine gro\u00dfe Bekanntheit erringen konnte.<\/p>\n<p>Der aus Korea stammende SukJu Na pr\u00e4sentierte ein Werk, dessen Titel im Programmheft lediglich mit zwei Klammern &lt;> angegeben war. Sie stehen f\u00fcr ihn symbolisch f\u00fcr unseren Begriff von Wellen und genau dieses Ph\u00e4nomen untersuchte er in seiner Arbeit, die ein Ensemble der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Graz unter der Einstudierung von Andreas Eberle zur Auff\u00fchrung brachte. \u201eIch bin tagt\u00e4glich von Klangwellen umgeben, die sich \u00fcberschneiden, erg\u00e4nzen oder auch f\u00fcr sich alleine stehen und wollte aus diesen Impressionen eine Komposition machen\u201c, erkl\u00e4rte er seine kompositorische Inspiration anschaulich vor der Wiedergabe. Mit einem Quintett, in welchem jedem Instrument wellenartige Tonr\u00e4ume zugeschrieben waren und vor allem die Fl\u00f6te eine herausragende Rolle spielte, gelang ihm diese Herausforderung. Sowohl von den Klangfarben her als auch von der Dynamik zeichnete er Bewegungen nach, die der Betitelung gerecht wurden.<\/p>\n<p>Ein ganz anderes Szenario wurde im St\u00fcck von Onur D\u00fclger aufgebaut. Der aus Istanbul Stammende beeindruckte mit \u201ecelloacoustic\u201c nicht nur ob des spannenden Cellokonzertes, das von Liina Leijala mit dem Webern Ensemble unter der Pultf\u00fchrung von Jean-Bernard Matter intensivst gespielt wurde. Vielmehr waren es seine elektroakustisch erg\u00e4nzenden Einspielungen, die das Werk zu einem sofort Wiedererkennbaren werden lie\u00dfen. Die Celloverfremdungen schufen neue Klangerlebnisse, die mit einer gro\u00dfen Farbenpracht ausgestattet waren. Die M\u00f6glichkeit wiederum, \u00fcber die im Raum bis zur letzten Reihe angeordneten Lautsprecher Klangstr\u00f6me flie\u00dfen zu lassen, war schlichtweg grandios. Eine beachtliche Komposition, noch dazu, wo der Komponist, selbst am Pc und am Mischpult agierend, anf\u00e4nglich Schwierigkeiten mit der Technik hatte.<\/p>\n<p>Als Abschluss pr\u00e4sentierte ein Ensemble der Anton Bruckner Universit\u00e4t Linz unter Alexander H. Quasnicka Daniel Hochreiters \u201eVeins III\u201c. Dies ist der letzte Teil eines Zyklus, in welchem Hochreiter auf das komplexe Gebilde von Venen Bezug nimmt. Dabei gelingt ihm trotz der Differenzierung der einzelnen Stimmen der Eindruck eines stetigen Flusses, einer stetigen Bewegung. Immer wieder blitzen aus dem Klangvolumen kurze, harmonische Versatzst\u00fccke von einzelnen Stimmen auf, werden einzelne Motive von anderen Instrumenten aufgenommen.<\/p>\n<p>Der erste Abend pr\u00e4sentierte nicht nur junge Nachwuchskomponisten, sondern vereinte auch erstmals von allen f\u00fcnf Musikhochschulen unseres Landes Ensembles, die sich mit zeitgen\u00f6ssischer Musik auseinandersetzen. Ein kr\u00e4ftiges Lebenszeichen aus allen produktiven Musikrichtungen \u2013 schade nur, dass sich das Publikumsinteresse in Grenzen hielt.<\/p>\n<p><strong>Links:<\/strong><br \/>\n<a title=\"\u00d6KB Wien\" href=\"https:\/\/www.komponistenbund.at\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u00d6sterreichischer Komponistenbund<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der erste Abend pr\u00e4sentierte nicht nur junge Nachwuchskomponisten, sondern vereinte auch erstmals von allen f\u00fcnf Musikhochschulen unseres Landes Ensembles, die sich mit zeitgen\u00f6ssischer Musik auseinandersetzen. 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