{"id":55064,"date":"2013-06-10T09:28:52","date_gmt":"2013-06-10T07:28:52","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/ein-abend-prall-gefuellt-mit-geschichten\/55064\/"},"modified":"2013-06-10T09:28:52","modified_gmt":"2013-06-10T07:28:52","slug":"ein-abend-prall-gefuellt-mit-geschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/ein-abend-prall-gefuellt-mit-geschichten\/55064\/","title":{"rendered":"Ein Abend prall gef\u00fcllt mit Geschichten"},"content":{"rendered":"<p>Am zweiten Festivalabend von Fifoo kam das Publikum in jeder Hinsicht voll auf seine Kosten. Prall gef\u00fcllt mit f\u00fcnf getanzten Geschichten, eine wie die andere sehenswert, gestalteten sich die Produktionen nicht nur spannend, sondern auch kurzweilig.<\/p>\n<div id=\"attachment_7470\" style=\"width: 586px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.european-cultural-news.com\/ein-abend-prall-gefullt-mit-geschichten\/7468\/moonsukchoi\/\" target=\"_blank\" rel=\"attachment wp-att-7470 noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-7470\" class=\" wp-image-7470 \" alt=\"Fifoo Tanzfestival\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/moonsukchoi.jpg?resize=576%2C384&#038;ssl=1\" width=\"576\" height=\"384\" title=\"\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/moonsukchoi.jpg?w=640&amp;ssl=1 640w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/moonsukchoi.jpg?resize=225%2C150&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/moonsukchoi.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 576px) 100vw, 576px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-7470\" class=\"wp-caption-text\">Moon Suk Choi mit furioser K\u00f6rperarbeit beim Fifoo Tanzfestival in Wien (c) Wolfgang Probst f\u00fcr 3art3 Company<\/p><\/div>\n<p>Der Studiengang Zeitgen\u00f6ssischer und Klassischer Tanz vom Konservatorium Wien Privatuniversit\u00e4t \u00fcberraschte mit zwei hoch qualitativen, jedoch g\u00e4nzlich unterschiedlichen St\u00fccken. In einer SOB STORY mit dem Untertitel \u201eYou are not alone\u201c gelang Ren\u00e9 Friesacher, Rino Indrawan Indiono, Sayed Labib, Future Sibanda, Seraphim Schuchter und Martin Wax eine umwerfende, mit Testosteron geschw\u00e4ngerte Interpretation einer Choreografie von Sophia H\u00f6rmann. Die sechs jungen M\u00e4nner exerzierten in einer beinahe schon martialischen K\u00f6rpersprache erzwungen Gemeinsames als auch unfreiwillig Einsames bis hin zu einer kitschig-witzigen Karaoke-Version von Michael Jacksons \u201eYou are not alone\u201c. In ihr wurde schlie\u00dflich auf bizarre Art klar, dass diese zuckerlrosa Hitpille nicht wirkt und am Ende doch jeder alleine bleibt, Kommiss- und Bandengetue hin oder her. Jeder ist sich selbst der N\u00e4chste oder, wie die jungen T\u00e4nzer klar machten &#8211; des anderen Feind. Das Gef\u00fchl, dass diese Vorstellung auch drei Mal so lang h\u00e4tte sein k\u00f6nnen, ohne einen Augenblick Langeweile zu evozieren, macht wohl mehr als deutlich, wie gut sie war.<\/p>\n<p>Auch Lisa Buderla gelang mit ihrer Choreografie \u201eAnimo\u201c dasselbe Kunstst\u00fcck. Rino Indrawan Indiono hatte darin neben Carina Herbst und Katharina Senk seinen zweiten gro\u00dfen Auftritt und belegte damit, wie gro\u00df die Bandbreite seines t\u00e4nzerischen Ausdrucks jetzt schon ist. In einer sehr gelungenen Soundkompilierung, in welcher der \u201eSommer\u201c von Vivaldi das Geschehen auf der B\u00fchne zu einem emotionalen aber vor allem \u00e4sthetischen H\u00f6hepunkt trieb, verwandelten sich die drei T\u00e4nzerInnen in Tiere. Deren Bewegungsmuster imitierten sie mit einer derartigen Leichtigkeit und vor allem Sch\u00f6nheit, dass man des Sehens nicht m\u00fcde wurde. Das herrliche Farbenspiel der Kost\u00fcme in unterschiedlichen kr\u00e4ftigen Rott\u00f6nen und eine perfekte Lichtregie taten ein \u00dcbriges, um die Darbietung als meisterhaft charakterisieren zu k\u00f6nnen. \u201eAnimo\u201c kann als Paradebeispiel eines gelungenen zeitgen\u00f6ssischen Tanzst\u00fcckes bezeichnet werden, in welchem es vor allem auch auf die Synchronizit\u00e4t der T\u00e4nzerInnen ankam. Ein Stilmittel, an dem sogar viele alteingespielte Tanzkompanien scheitern, nicht aber die drei InterpretInnen an diesem Abend. Mit dementsprechenden finanziellen Mitteln ausgestattet, k\u00f6nnte diese Choreografie sicherlich auch mit gr\u00f6\u00dferem Ensemble abendf\u00fcllend ein gro\u00dfes Publikum begeistern.<\/p>\n<p>In einem Duett von Matan Levkowich aus Israel und Luan Manfredi aus Brasilien exerzierten die beiden in kr\u00e4fteraubender Art und Weise, wie schwer die Kommunikation zwischen zwei Menschen ist \u2013 ja eigentlich, wie unm\u00f6glich sie sich zwischen zwei M\u00e4nnern gestalten kann. \u201eBoys don\u00b4t cry\u201c, so der Titel ihrer Produktion, lebt von einer rasanten K\u00f6rpershow, die mit vielen Sprungelementen, aber vor allem auch Druck- und Zugbewegungen ausgestattet ist. Die immer wieder offerierte Hilfestellung des einen beeinflusst den anderen nur wenig. Die Bem\u00fchungen, stets jener zu sein, der in diesem Zweiergespann vorangeht, machen so manchen Versuch zunichte, sich auf einen kleinen gemeinsamen Kommunikationsnenner zu einigen. Kaum scheint Ruhe eingekehrt zu sein \u2013 und sei es durch eine Siegerpose, in welcher der Untergebene am Boden liegend den Fu\u00df seines Unterwerfers auf der Brust versp\u00fcren muss, erfasst ein neuer Aggressionsschub die beiden M\u00e4nner. Sie verausgaben sich beinahe bis zur v\u00f6lligen Ersch\u00f6pfung und unterhalten die ZuseherInnen auch mit grotesken Sprungkaskaden, in welchen sich akrobatisches K\u00f6nnen mit \u00e4sthetischer Sprungkraft vereint. Eine locker-l\u00e4ssige Choreografie, in der die turnerischen Elemente den Ton angeben und wahrscheinlich gerade deswegen diesen zwei jungen M\u00e4nnern auf den Leib geschrieben scheinen.<\/p>\n<p>Der zweite Teil des Abends widmete sich gleich mit zwei Produktionen menschlichen Zust\u00e4nden, die nur zu gerne von der Gesellschaft ignoriert werden. Das Anders-Sein, das sich meist im Wegsperren der Menschen in psychiatrischen Kliniken \u00e4u\u00dfert, brachte der aus Korea stammende Moon Suk Choi mit furioser K\u00f6rperarbeit zum Ausdruck. \u201e (Going below) work in progress nannte der seine Arbeit, in der er sich mit dem tragischen Ph\u00e4nomen der Amnesie auseinandersetzte. Das Vergessen nahm bei ihm die ungewohntesten Z\u00fcge an, die man sich denken kann \u2013 ja wohl den Albtraum eines jeden T\u00e4nzers und einer jeden T\u00e4nzerin. Wie es denn wohl sein mag, wenn das Vergessen so lange fortgeschritten ist, dass der Mensch nicht mehr imstande ist, seinen Bewegungsapparat unter Kontrolle zu halten und nicht mehr wei\u00df, wozu man seine eigenen Beine ben\u00f6tigt, f\u00fchrte der Meister der undenkbaren Bewegungen eindrucksvoll vor. Der junge T\u00e4nzer zeigte dabei unz\u00e4hlige Arten des Nicht-Gehen-K\u00f6nnens, eine Aneinanderreihung von Bewegungsabl\u00e4ufen, denen nur eines gemein war: Die Verhinderung jener Bewegungen, die notwendig sind, um einen Schritt vor den anderen zu setzen. Die unglaubliche Kreativit\u00e4t, die Moon Suk Choi dabei an den Tag legte, war mehr als beeindruckend. Das Kippen seiner Choreografie weg von einem zappelnden und unkoordinierten Wesen, hin zu einem Menschen, der seinen K\u00f6rper und seine Bewegungen kontrollieren kann, setzte er dramaturgisch gekonnt an den Schluss. Mit einem auf einem Stapel B\u00fcchern sitzenden Mann, der leise vor sich hin singt, und mit dieser Aktion auf eine der h\u00f6chsten menschlichen F\u00e4higkeiten verweist, endet sein beeindruckendes St\u00fcck vers\u00f6hnlich.<\/p>\n<p>Mit \u201egone to get milk\u201c der britischen Choreografin Ieva Kuniskis kn\u00fcpfte das Geschehen direkt an jenes von Moon Suk Choi an. Ieva Kuniskis, Helen Aschauer und Charles Cooper Ford performten dabei drei Menschen im psychischen Ausnahmezustand. Eingebettet in einen genialen Soundtreck, der auditive Erlebnisse von Bach bis hin zu Goran Bregovic offerierte, zeigten die Drei, wie sehr ein mentales Handicap auch emotional beeintr\u00e4chtigt. N\u00e4he und Distanz \u2013 zwischen diesen Polen wogte sowohl das \u00e4u\u00dfere als auch das innere Geschehen der ProtagonistInnen hin und her. Die Anziehungskraft zwischen den Geschlechtern findet bei diesen Menschen oft dann ihr Ende, wenn die eigenen Obsessionen und Zwangshandlungen ihre Emotionen kappen und sie von einer Sekunde auf die andere das Interesse an einer innigeren Beziehung verlieren. Halt gibt ihnen nur der geregelte Tagesablauf \u2013 oder der geregelte Ablauf ihrer k\u00f6rperlichen Handlungen. Unkontrollierte Geb\u00e4rden, zuckende Gliedma\u00dfen, bis zur Ersch\u00f6pfung sich wiederholende Bewegungen \u2013 all das gibt trotz ihrer Anstrengungen das Gef\u00fchl von Sicherheit, sind sie doch das Einzige, was im Leben dieser Menschen verl\u00e4sslich ist.<\/p>\n<p>Mit der zweiten Auflage von Fifoo legte das Team rund um Kanako Sako die Latte f\u00fcr Kommendes sehr hoch. Im Herbst soll die dritte Auflage folgen. Wir freuen uns darauf!<\/p>\n<p>Links: <a title=\"Wo Fifoo drauf steht, ist spannender junger Tanz drin\" href=\"https:\/\/www.european-cultural-news.com\/wo-fifoo-drauf-steht-ist-spannender-junger-tanz-drin\/7443\/\">Artikel zum ersten Abend<\/a><br \/>\n<a title=\"Webseite des Fifoo Festivals\" href=\"https:\/\/www.fifoo.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Fifoo Tanzfestival<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am zweiten Festivalabend von Fifoo kam das Publikum in jeder Hinsicht voll auf seine Kosten. 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