{"id":55047,"date":"2012-06-11T09:19:19","date_gmt":"2012-06-11T07:19:19","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/liebe-macht-blind-und-dumm\/55047\/"},"modified":"2012-06-11T09:19:19","modified_gmt":"2012-06-11T09:19:19","slug":"liebe-macht-blind-und-dumm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/liebe-macht-blind-und-dumm\/55047\/","title":{"rendered":"Liebe macht blind \u2013 und dumm"},"content":{"rendered":"<h4>Amour fou \u2013 der Titel verk\u00fcndet bereits, worum es im St\u00fcck des Wiener Maskentheaterensembles Scaramouche geht: Um eine verr\u00fcckte Liebe.<\/h4>\n<div id=\"attachment_6043\" style=\"width: 370px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/text_amourfou01_cPatriciaWeisskirchner.jpg?ssl=1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-6043\" class=\"size-full wp-image-6043   \" style=\"margin-left: 5px; margin-right: 5px;\" title=\"text_amourfou01_(c)PatriciaWeisskirchner\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/text_amourfou01_cPatriciaWeisskirchner.jpg?resize=360%2C546&#038;ssl=1\" alt=\"amour fou - Kosmostheater Wien - \" width=\"360\" height=\"546\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/text_amourfou01_cPatriciaWeisskirchner.jpg?w=360&amp;ssl=1 360w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/text_amourfou01_cPatriciaWeisskirchner.jpg?resize=99%2C150&amp;ssl=1 99w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/06\/text_amourfou01_cPatriciaWeisskirchner.jpg?resize=198%2C300&amp;ssl=1 198w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-6043\" class=\"wp-caption-text\">Scaramouche mit Amour fou im Kosmostheater Wien (Foto: (c)Patricia Weisskirchner)<\/p><\/div>\n<p>Abseits der gro\u00dfen Produktionen, welche anl\u00e4sslich der Wiener Festwochen stattfinden, bietet das KosmosTheater noch bis zum 16.6. eine intime Inszenierung eines 4-Personenst\u00fcckes an. Darin wird dem Publikum &#8211; wie einst in den Kom\u00f6dien von Moli\u00e8re &#8211; allzu Menschliches pr\u00e4sentiert, das durch das Gef\u00fchl von Liebe bei drei \u00e4lteren Herren ausgel\u00f6st wird.<\/p>\n<p>Die Namen- jedoch keineswegs Charakterlosen, die sich schon nach wenigen Minuten als Pedant, Chaot und Sch\u00f6ngeist zu erkennen geben, werden wie durch die Zauberkraft eines verhexten Teppiches von ihrer neuen B\u00fcrokollegin in den Bann gezogen und machen ihr, nach anf\u00e4nglichen Eingew\u00f6hnungsschwierigkeiten, allerhand Avancen. Nur mit gr\u00f6\u00dfter M\u00fche und Standhaftigkeit kann sie sich der Drollereien der liebestoll Gewordenen erwehren. Bis sie jedoch zum Schluss das B\u00fcro \u00fcbernimmt, hat sie allerhand Verhaltensweisen ihrer Kollegen zu ertragen, die ihr unerkl\u00e4rlich erscheinen. Schon bald sind sich die ehemaligen, wohlgesonnenen Kollegen spinnefeind und versuchen sich gegenseitig nicht nur bei ihren Ann\u00e4herungsversuchen zu behindern, sondern scheuen auch nicht davor zur\u00fcck, handgreiflich zu werden.<\/p>\n<p>Dass das Geschehen ohne gesprochenen Text auskommt, verdankt die Inszenierung den treffenden Masken von Martin Schwanda, der auch f\u00fcr die Idee und stimmige Regie verantwortlich zeichnet. Die drei B\u00fcrokollegen, die gemeinsam am Ende jedes Arbeitstages ihre noch zu verbleibenden Tage vor ihrer Pensionierung aus dem Kalender streichen, erleben eine Hochschaubahn der Gef\u00fchle. Das Zerplatzen ihrer Liebestr\u00e4ume verkraften sie schlie\u00dflich gemeinsam und verlassen das Geschehen zwar ver\u00e4ndert \u2013 aber ohne erkennbare Bitterkeit.<\/p>\n<p>Das Publikum wird Zeuge, wie die drei bis dahin ruhigen Herren aufgrund ihrer hormonellen Liebesst\u00f6\u00dfe einen zweiten Fr\u00fchling erleben in welchem zwar ihr Herz weit, der Verstand aber ganz klein wird. Und so darf man \u00fcber die Verwandlung des Gesundheitsschlapfentr\u00e4gers in einen Nike-Konsumenten lachen, sich auf die Schenkel klopfen, wenn der Western-Freak davon tr\u00e4umt, mit seiner jungen Frau \u00fcber die Prairie zu voltigieren und der akkurate Schreibmaschinenschreiber beim Anblick seiner Kollegin au\u00dfer Rand und Band ger\u00e4t und in erotische Tr\u00e4ume eintaucht.<\/p>\n<p>Die nonverbale Kommunikation wird durch die Musik von Klaus Karlbauer unterst\u00fctzt, der alle Register zieht, um das seelische Geschehen der Beteiligten ad\u00e4quat akustisch zu verdeutlichen. Ein wenig Commedia dell\u00b4arte, ein wenig Pantomime, gew\u00fcrzt mit einer Prise Slapstick \u2013 das ist das Erfolgsrezept dieser Inszenierung. Die unter den Masken Agierenden &#8211; Florentina Kubizek, Anne Wiederhold, Peter Bocek sowie Martin Schwanda zeichnen f\u00fcr einen Theaterabend verantwortlich, in dem aufmerksames Zusehen gefordert ist. Eine wohltuende Theaterentschleunigung, die ohne aufsehenerregende technische Hilfsmittel auskommt \u2013 und dennoch bestens funktioniert.<\/p>\n<p>Dass die junge Frau am Ende aufgrund ihres fachlichen Wissens und der Beherrschung eines Computers gleich alle drei Kollegen ersetzt, kann als wohltuender Fingerzeig gewertet werden. Als Hinweis, dass Frauen in ihrem Arbeitsumfeld nicht als Ausl\u00f6serinnen hormoneller Entgleisungen angesehen, sondern als Menschen gesch\u00e4tzt werden m\u00f6chten, die ihren Beruf aufgrund ihrer Kenntnisse und F\u00e4higkeiten aus\u00fcben.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/4Mv3TIMDqgo\" frameborder=\"0\" width=\"560\" height=\"315\"><\/iframe><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Amour fou \u2013 der Titel verk\u00fcndet bereits, worum es im St\u00fcck des Wiener Maskentheaterensembles Scaramouche geht: Um eine verr\u00fcckte Liebe.<\/p>\n<p>Abseits der gro\u00dfen Produktionen, welche anl\u00e4sslich der Wiener Festwochen stattfinden, bietet das KosmosTheater noch bis zum 16.6. eine intime Inszenierung eines 4-Personenst\u00fcckes an. 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