{"id":55008,"date":"2012-03-29T08:23:14","date_gmt":"2012-03-29T06:23:14","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/sollen-wir-jetzt-menschsein-spielen\/55008\/"},"modified":"2012-03-29T08:23:14","modified_gmt":"2012-03-29T07:23:14","slug":"sollen-wir-jetzt-menschsein-spielen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/sollen-wir-jetzt-menschsein-spielen\/55008\/","title":{"rendered":"Sollen wir jetzt Menschsein spielen?"},"content":{"rendered":"<p>Mitte M\u00e4rz gastierte eine Produktion des \u201eTh\u00e9\u00e2tres de la ville des Luxembourg\u201c im TAG in der Gumpendorfer Stra\u00dfe. Unter dem Titel \u201eW\u00e4r ich doch fr\u00fcher jung gewesen\u201c erlebte das Wiener Publikum eine einf\u00fchlsame und geistreiche Hommage an den d\u00e4nischen Schriftsteller Hans Christian Andersen.<\/p>\n<div id=\"attachment_5495\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/04_Waerichdochfrueherjunggewesen_c_Christophe_Olinger.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5495\" class=\"size-full wp-image-5495\" title=\"Waere_ich_doch_frueher_jung_gewesen_c_Christophe_Olinger\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/04_Waerichdochfrueherjunggewesen_c_Christophe_Olinger.jpg?resize=340%2C510&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"340\" height=\"510\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/04_Waerichdochfrueherjunggewesen_c_Christophe_Olinger.jpg?w=340&amp;ssl=1 340w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/04_Waerichdochfrueherjunggewesen_c_Christophe_Olinger.jpg?resize=100%2C150&amp;ssl=1 100w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2012\/03\/04_Waerichdochfrueherjunggewesen_c_Christophe_Olinger.jpg?resize=200%2C300&amp;ssl=1 200w\" sizes=\"(max-width: 340px) 100vw, 340px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5495\" class=\"wp-caption-text\">W\u00e4re ich doch fr\u00fcher jung gewesen - Foto: (c) Christophe Olinger<\/p><\/div>\n<p>Es gibt viele Rezepte, um gutes Theater zu machen, aber auch wenn man diese befolgt, ist das Ergebnis nicht immer exzellent. Manches Mal ist es das Ensemble, das Schw\u00e4chen zeigt, manches Mal die Inszenierung selbst, manches Mal das Licht, das einfallslos gehandhabt wird und manches Mal eine zu schr\u00e4ge oder unauff\u00e4llige Musik. Kurzum \u2013 die vielen Bausteine, die einen guten Abend ausmachen und sich gegenseitig bedingen, sind auch besonders leicht st\u00f6ranf\u00e4llig. Abende, die Lob rundum verdienen, sind schon alleine deshalb nicht besonders h\u00e4ufig. Umso erstaunlicher ist es, wenn man in ein und demselben Haus hintereinander gleich 2 Inszenierungen erlebt, die rundum gegl\u00fcckt sind.<\/p>\n<p>Im <a href=\"https:\/\/www.dastag.at\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">TAG <\/a>\u2013 das vor Kurzem erst mit einer herausragenden <a title=\"Ein K\u00f6nigreich f\u00fcr einen guten Pressesprecher\" href=\"https:\/\/www.european-cultural-news.com\/ein-konigreich-fur-einen-guten-pressesprecher\/5430\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hamlet-Neuinterpretation<\/a> mit gro\u00dfer Besetzung brillierte \u2013 konnte man nun einen intimen, reizvollen und bezaubernden Abend erleben. Die Rolle des d\u00e4nischen Schriftstellers verk\u00f6rperte <a title=\"Luc Feit\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Luc_Feit\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Luc Feit<\/a>, am Cello begleitet von <a title=\"Andr\u00e9 Mergenthaler\" href=\"https:\/\/lb.wikipedia.org\/wiki\/Andr%25C3%25A9_Mergenthaler\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Andr\u00e9 Mergenthaler<\/a>, der daf\u00fcr sorgte, das Publikum in ganz unterschiedliche Klanglandschaften eintauchen zu lassen. Eines vorweg \u2013 die beiden Protagonisten sind ein harmonisches, sich gegenseitig nicht nur respektierendes, sondern exzellent erg\u00e4nzendes Paar. Mergenthaler \u00fcbernimmt sogar &#8211; wenn er alleine auf der B\u00fchne ist \u2013 das theatralische Geschehen, indem er die Musik durch seine eigene Mimik noch unterst\u00fctzt und ausschm\u00fcckt. Luc Feit besticht rundum. Es hat den Anschein, als ob es kein schauspielerisches Register g\u00e4be, das er nicht imstande ist zu ziehen. Ein Kom\u00f6diant vom Scheitel bis zur Sohle, zeigte er in diesem St\u00fcck, dass jedes noch so kleine Textfragment dazu geeignet ist, sich zu Gro\u00dfem aufzuschwingen, wenn dies von einem K\u00f6nner der Schauspielkunst in die Hand genommen wird.<\/p>\n<p>Der Abend besteht aus einer Aneinanderreihung von Andersen-Gedichten und M\u00e4rchen \u2013 bekannten und weniger bekannten, aber auch kleinen Literaturfitzelchen wie jenem, in welchem Feit eine alte, wie es hei\u00dft \u201esehr geizige\u201c Frau mimt, die jede Nacht lautes Katzenmiauen imitiert, um sich als Tierbesitzerin zu pr\u00e4sentieren. Im hinteren, linken B\u00fchneneck von einem scharfen Lichtkegel angestrahlt, miaut er mit gro\u00dfer Grimasse so herzzerrei\u00dfend und komisch zugleich, dass Andersens skurrile Idee, die Motivation der verwirrten Dame auf deren Geiz zur\u00fcckzuf\u00fchren, in diesem kurzen Augenblick so verdichtet wird, dass es keine Steigerung der Anschaulichkeit mehr gibt.<\/p>\n<p>Die Regie von <a title=\"Johannes Zametzer\" href=\"https:\/\/jzametzer.twoday.net\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Johannes Zametzer<\/a>\u00a0spr\u00fcht nur so von kleinen, witzigen Einf\u00e4llen, die sich auch in der speziellen Inszenierung der Requisiten zeigt. Ob es ein ganzes Heer von kleinen Blechfr\u00f6schen ist, die munter zu springen beginnen, ein mit Trockeneis auf die B\u00fchne gerollter Aluminium-Reisekoffer, der dabei kurzfristig zum Star avancieren darf, oder ein mit Helium gef\u00fcllter, gro\u00dfer Ballon, an dem ein leerer Kleiderhaken h\u00e4ngt, gedacht als Aufbewahrungsort f\u00fcr des Kaisers neue Kleider \u2013 immer ist es ein gewisses Augenzwinkern, welches die Dinge und ihren Einsatz auf der B\u00fchne begleitet und dadurch das Geschehen so sympathisch unterst\u00fctzt. Erreicht wird dadurch ein besonderer Zauber, der den ganzen Abend \u00fcber anh\u00e4lt. Dabei darf man nicht nur tief in die kreative Gedankenwelt von Hans Christian Andersen eintauchen, sondern auch noch mitf\u00fchlen, wie er selbst von Zahnschmerzen und Depressionen geplagt wird. Mit einem schauspielerischen Parforceritt der Sonderklasse klang der Abend aus. Dabei schl\u00fcpfte Luc Feit in die Rolle eines Sparschweines und einer Puppe, zweier Sofakissen, einer Uhr, einer Reitgerte und eines Schaukelpferdes und entlie\u00df die Zuseherinnen und Zuseher nach diesem Bravourakt nicht nur bester Laune, sondern auch ein ganz kleines bisschen wehm\u00fctig, denn es d\u00fcrfte wohl niemanden gegeben haben, bei dem sich keine pers\u00f6nlichen Kindheitserinnerungen eingestellt hatten. Kein Wunder, dass dieser Schauspieler nicht nur auf der B\u00fchne, sondern vor allem auch in vielen Kino- und Fernsehfilmen bisher re\u00fcssierte.<\/p>\n<p>Der einzige Wermutstropfen, der das Gastspiel in Wien begleitete war, dass leider nur zwei Vorstellungen am Programm standen. Zu wenig, um vielen Menschen die M\u00f6glichkeit dieses zauberhaften Theatererlebnisses zu genie\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitte M\u00e4rz gastierte eine Produktion des \u201eTh\u00e9\u00e2tres de la ville des Luxembourg\u201c im TAG in der Gumpendorfer Stra\u00dfe. 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