{"id":54982,"date":"2011-12-16T22:18:08","date_gmt":"2011-12-16T21:18:08","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/1001-bewegung\/54982\/"},"modified":"2011-12-16T22:18:08","modified_gmt":"2011-12-16T21:18:08","slug":"1001-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/1001-bewegung\/54982\/","title":{"rendered":"1001 Bewegung"},"content":{"rendered":"<p>Tanztheater \u2013 was ist das eigentlich? Wann wird Tanz zu einem Ereignis f\u00fcr das Publikum? Welche Rolle spielt die Musik? Was geschieht mit T\u00e4nzern, die gemeinsam auf der B\u00fchne agieren? Was ist eine Choreografie? Ist das gesprochene Wort st\u00e4rker wahrnehmbar als der bewegte K\u00f6rper? Lassen sich Texte auch mit Tanz in Einklang bringen?<\/p>\n<div id=\"attachment_5242\" style=\"width: 619px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/texttanzquartier_Chetouane_HadZ1_c_SebastianBolesch.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5242\" class=\"size-full wp-image-5242\" title=\"texttanzquartier_Chetouane_HadZ1_c_SebastianBolesch\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/texttanzquartier_Chetouane_HadZ1_c_SebastianBolesch.jpg?resize=609%2C405&#038;ssl=1\" alt=\"Tanzquartier Wien Hommage an das Zaudern (c) Sebastian Bolesch\" width=\"609\" height=\"405\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/texttanzquartier_Chetouane_HadZ1_c_SebastianBolesch.jpg?w=609&amp;ssl=1 609w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/texttanzquartier_Chetouane_HadZ1_c_SebastianBolesch.jpg?resize=226%2C150&amp;ssl=1 226w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/texttanzquartier_Chetouane_HadZ1_c_SebastianBolesch.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 609px) 100vw, 609px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5242\" class=\"wp-caption-text\">Hommage an das Zaudern (c) Sebastian Bolesch<\/p><\/div>\n<p>Laurent Ch\u00e9touane stellte mit seiner Produktion \u201eHommage an das Zaudern\u201c im <a title=\"Tanzquartier\" href=\"https:\/\/www.tqw.at\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Tanzquartier<\/a>\u00a0in Wien all diese Fragen und verlangte dabei vom Publikum die Bereitschaft, sich auf diese Hinterfragung auch einzulassen. Sein \u201eSt\u00fcck\u201c ist kein herk\u00f6mmliches, welches auf einer bestimmten Handlung basiert. Vielmehr konnte man an diesem Abend die einzelnen Bausteine n\u00e4her betrachten, die ein Tanzst\u00fcck erst zu einem solchen machen. Als da w\u00e4ren \u2013 allen voran \u2013 T\u00e4nzer. Joris Camelin und R\u00e9my H\u00e9ritier folgten, so hatte es den Anschein, ganz ihren eigenen Bewegungsmustern, die sie teilten, teilweise aber auch wie Rivalen gegeneinander ausspielten. Sie machten klar, dass es nicht nur die Arbeit am Tanz an sich ist, sondern auch die Darstellung der Pers\u00f6nlichkeit, ja die Behauptung der eigenen Pers\u00f6nlichkeit gegen\u00fcber dem anderen, die eines der R\u00e4dchen darstellt, mit denen eine Vorstellung erst zu einer solchen wird.<\/p>\n<p>Dann darf nicht vergessen werden \u2013 Tanz ben\u00f6tigt \u2013 zumindest meist \u2013 Musik. Hier unterst\u00fctzte Jan Burkhardt die beiden T\u00e4nzer auf sehr subtile Art und Weise. Er brillierte am Piano nicht mit waghalsigen St\u00fccken, sondern reduzierte die Melodien auf das allernotwendigste Ma\u00df. Anschl\u00e4ge, die lange Pausen nach sich zogen und der Stille breiten Raum gaben, machten umso deutlicher, welch starke Kraft von der Musik tats\u00e4chlich ausgeht. Ganz deutlich sichtbar wurde die Magie, welche sie auf T\u00e4nzer aus\u00fcbt, denn, egal in welcher Stimmungslage sie sich vor dem Erklingen der Melodien befunden hatten, ob nun in sich gekehrt oder rivalisierend: Mit dem Erklingen der ersten T\u00f6ne begannen sich beide sofort zu bewegen, zu tanzen, sich dem Rhythmus hinzugeben. Diese schlichte Visualisierung machte schlagartig klar, was es auch hei\u00dft, von etwas besessen zu sein. Sich einer Sache beinahe schon ausgeliefert hingeben zu m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aber auch der Spracheinsatz auf einer B\u00fchne wurde n\u00e4her betrachtet. Beide Protagonisten hatten jeweils einen kurzen Text vorzutragen. Der Inhalt spielte dabei nicht wirklich eine Rolle. Vielmehr war es der Vortragsstil an sich \u2013 einmal statisch und rein narrativ, das andere Mal durch Bewegungen begleitet, der unterschiedliche performative Qualit\u00e4ten verdeutlichte. \u201eGewinner\u201c gab es keinen bei diesem Vergleich.<\/p>\n<p>Interessant war, dass gleich zu Beginn der Vorstellung beide T\u00e4nzer sich mit kurzen Sequenzen einer klassischen Choreografie vorstellten, um jeweils nach diesen Sequenzen in sich zusammenzusacken und auf dem Boden liegen zu bleiben. Klassischer Tanz erm\u00fcdet und raubt die eigene Pers\u00f6nlichkeit, war die Botschaft, die beim Publikum ankam. Wer dies nicht will, der steigt um auf modernes Tanztheater und bem\u00fcht die Fantasie der Zuseherinnen und Zuseher. Ganz \u00e4hnlich wie Prinz Gholam, das K\u00fcnstlerduo Wolfgang Prinz und Michel Gholam, froren auch Camelin und H\u00e9ritier ihre Postionen ein, zeigen im \u201eStandbild\u201c was sonst nur im Bruchteil der Zeit als Bewegung wahrgenommen werden kann und machten so klar, dass gerade die choreografische Arbeit im Kleinen, an jeder einzelnen Position, schlie\u00dflich eine Summe ergibt, in welcher diese Aufbauarbeit eine andere Dimension erh\u00e4lt.<\/p>\n<p>In Ch\u00e9touanes Choreografie geben die Arme den Bewegungsmodus und die Richtung vor. Ihren zu Beginn zackigen Bewegungen scheinen die T\u00e4nzer zu folgen und nicht umgekehrt. Es ist nicht leicht, den Titel der Vorstellung \u201eHommage an das Zaudern\u201c als solchen mit dem Geschehen auf der B\u00fchne in Zusammenhang zu bringen \u2013 au\u00dfer, man nimmt all das, was man sieht, als M\u00f6glichkeit, als Versuch, sich ein St\u00fcck zu erarbeiten; und dazu geh\u00f6rt wohl auch oftmaliges Innehalten, \u00dcberlegen, Abw\u00e4gen, Zaudern. Der Weg ist das Ziel \u2013 dieses Konfuzius zugeschriebene Zitat, \u00fcber dessen Richtigkeit gerne diskutiert wird \u2013 w\u00fcrde diese Performance wohl etwas besser charakterisieren. Eingebettet war die Vorstellung in den Zyklus \u201eScores N\u00b0 4: under protest, in welchem 6 verschiedene Produktionen sich in unterschiedlicher Art und Weise mit dem gesellschaftspolitischen Moment von K\u00f6rper und Bewegung auseinandersetzten.<\/p>\n<p>Laurent Ch\u00e9touane blieb dabei ganz in dem ihm vertrauten Umfeld der B\u00fchne. Sie ist aber wiederum zugleich nichts anderes als ein Stellvertreter jener Realit\u00e4t, mit der wir tagt\u00e4chlich konfrontiert sind. Gegen\u00fcber dieser hat aber gerade die B\u00fchne den gro\u00dfen Vorteil, dass uns dort Strukturen besser klar werden k\u00f6nnen, wie an diesem Abend exemplarisch vorgezeigt wurde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tanztheater \u2013 was ist das eigentlich? Wann wird Tanz zu einem Ereignis f\u00fcr das Publikum? Welche Rolle spielt die Musik? Was geschieht mit T\u00e4nzern, die gemeinsam auf der B\u00fchne agieren? Was ist eine Choreografie? Ist das gesprochene Wort st\u00e4rker wahrnehmbar als der bewegte K\u00f6rper? 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