{"id":54974,"date":"2011-12-09T16:20:02","date_gmt":"2011-12-09T15:20:02","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/ich-habe-den-eindruck-dass-ich-ein-musikalischer-tafelbildmaler-bin\/54974\/"},"modified":"2011-12-09T16:20:02","modified_gmt":"2011-12-09T15:20:02","slug":"ich-habe-den-eindruck-dass-ich-ein-musikalischer-tafelbildmaler-bin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/ich-habe-den-eindruck-dass-ich-ein-musikalischer-tafelbildmaler-bin\/54974\/","title":{"rendered":"Ich habe den Eindruck, dass ich ein musikalischer Tafelbildmaler bin"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5192\" style=\"width: 624px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/textGeraldResch_c_WIEN-MODERN_LavinieHaala.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5192\" class=\"size-full wp-image-5192\" title=\"Gerald Resch (c) Wien Modern Lavinie Haala\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/textGeraldResch_c_WIEN-MODERN_LavinieHaala.jpg?resize=614%2C410&#038;ssl=1\" alt=\"Gerald Resch (c) Wien Modern Lavinie Haala\" width=\"614\" height=\"410\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/textGeraldResch_c_WIEN-MODERN_LavinieHaala.jpg?w=614&amp;ssl=1 614w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/textGeraldResch_c_WIEN-MODERN_LavinieHaala.jpg?resize=225%2C150&amp;ssl=1 225w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/textGeraldResch_c_WIEN-MODERN_LavinieHaala.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 614px) 100vw, 614px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5192\" class=\"wp-caption-text\">Gerald Resch (c) Wien Modern Lavinie Haala<\/p><\/div>\n<p><strong>Interview mit dem \u00f6sterreichischen Komponisten Gerald Resch anl\u00e4sslich des Festivals Wien Modern 2011.<\/strong><\/p>\n<p>Wie ist das f\u00fcr Sie, wenn Sie ein Werk von sich bei der Urauff\u00fchrung das erste Mal h\u00f6ren?<\/p>\n<p><em>Meine Vorstellung ist doch ziemlich genau, daher ist es nicht sehr \u00fcberraschend; ich wei\u00df ja, was ich geschrieben habe. Bei manchen Sachen, die ich mir anders vorgestellt habe \u2013 da geht es vor allem um Balance \u2013 wenn ich zum Beispiel h\u00f6re, was die H\u00f6rner spielen, wei\u00df ich, dass ich anstelle von Mezzopiano doch besser Mezzoforte notieren h\u00e4tte sollen. Das sehe ich dann als meinen Fehler an, den man aber leicht ausbessern kann.<\/em><\/p>\n<p>Kann man diese Ausbesserungsarbeiten mit jenen am Theater vergleichen, bei welchen man ja auch noch bem\u00fcht ist auf die Reaktionen des Publikums einzugehen?<\/p>\n<p><em>Nein, eigentlich nicht, denn ich arbeite ja nicht auf die Reaktionen des Publikums hin, sondern in Bezug auf meine eigene Vorstellung. Was ich aber schon mache, ist der Versuch, mit dem, was ich schreibe, spannend zu bleiben. In gewisser Weise bin ich mein erster H\u00f6rer. Aufgrund meiner Erfahrungen kann ich mir dann auch sagen, wenn mir jetzt fad ist, ist dem Publikum vielleicht auch schon fad. Aber vielleicht stimmt das auch nicht, denn Komponisten tendieren immer dazu, zu schnelle Tempi zu w\u00e4hlen. Man sitzt ja wochenlang \u00fcber einer bestimmten Stelle, die man dann ja irgendwann genau kennt und dann denkt man sich \u201eweiter, weiter, weiter\u201c. F\u00fcr jemanden, der das aber zum ersten Mal h\u00f6rt, ist es vielleicht zu rasch, wenn man mit ungewohnten Inhalten konfrontiert wird.<\/em><\/p>\n<p>Eines Ihrer Hauptcharakteristika ist f\u00fcr mich das \u00dcberraschungsmoment, das so gut wie in jedem Ihrer St\u00fccke vorkommt.<\/p>\n<p><em>Es gibt viel zeitgen\u00f6ssische Musik, die sehr diskontinuierlich ist, in der sehr viele Br\u00fcche aufeinanderfolgen, sehr starke Kontraste in sehr kurzer Zeit eingesetzt werden. Das ist in meiner Musik nicht so. Bei mir geht es fast immer um recht logische, deutliche Prozesse die sich entwickeln. Wie das z.B. in meinem Violinkonzert Schlieren der Fall ist. Die Geige beginnt alleine, dann kommen die Schlagzeuger dazu, dann die Solobratsche und der Orchesterapparat schwingt sich wirklich erst peu \u00e0 peu ein \u2013 bis er irgendwann st\u00e4rker ist als der Solist, der dann fast in diesem Orchester-Klangbad ertrinkt. Aber das braucht alles seine Zeit, eine gewisse Tr\u00e4gheit, eben einen gewissen zeitlichen Verlauf. Diese Neigung zur Kontinuit\u00e4t ist f\u00fcr mich schon ein sehr gro\u00dfer Unterschied zu Komponisten wie dem fr\u00fchen Wolfgang Rihm zum Beispiel, bei dem oft sehr stark kontrastierende Elemente unmittelbar aufeinanderfolgen.<\/em><\/p>\n<p>Ist das ein Generationenunterschied, eine Anti-Haltung die bedeutet, ich gehe das anders an?<\/p>\n<p><em>Nein, das glaube ich eigentlich nicht. Die Pers\u00f6nlichkeiten sind einfach unterschiedlich gestrickt. Mir erscheint es interessanter, die H\u00f6rer in gewisser Weise an der Hand zu nehmen und in die Musik hineinzuziehen als Unterschiedliches einigerma\u00dfen wirr vorzuzeigen.<\/em><\/p>\n<p>Sie erz\u00e4hlen mit ihrer Musik eigentlich gerne, oder?<\/p>\n<p><em>Ja, ich vermute schon. Mir kommt auch vor, dass in den letzten Jahren das dramaturgische Denken wichtiger wird. Am Beginn einer Komposition habe ich meist eine Menge loser Ideen und denke mir dabei auch, dass ich als Schluss dieses oder jenes einsetzen k\u00f6nnte, aber ich wei\u00df noch nicht genau, wohin es mich im Verlauf der Komposition tragen wird. Die M\u00f6glichkeiten konkretisieren sich im Laufe der Arbeit und dann bin ich pl\u00f6tzlich an einer Stelle, an der sich das St\u00fcck soweit klar entwickelt hat, dass ich es als spannend empfinde, genau jetzt einen Bruch einzuf\u00fchren. Also ist dieses \u00dcberraschungsmoment von dem Sie sprechen, das es so gut wie in jedem St\u00fcck gibt, doch mit ziemlichem Bedacht eingesetzt. Das ist so wie bei einer Pointe, bei der m\u00fcssen Sie sich gut \u00fcberlegen, wo Sie sie setzen. Im Englischen hei\u00dft Pointe ja timing, was es genau trifft.<\/em><\/p>\n<p>Sie haben in den letzten 10 Jahren kontinuierlich 1-3 Kompositionsauftr\u00e4ge pro Jahr erhalten. Komponieren Sie eigentlich immer und sagen Sie dann \u201edas kann ich jetzt f\u00fcr diesen Auftrag verwenden\u201c oder l\u00e4uft das bei Ihnen anders ab?<\/p>\n<p><em>Nein, eigentlich ist es so, dass ich die Einschr\u00e4nkungen, die mit einem Auftrag oft verbunden sind, gerne habe. Das ist eine Charakterfrage. Es gibt den ber\u00fchmten Roman von Georges Perec \u201eLa disparition\u201c in dem er alle Buchstaben verwendet, bis auf den einen, der im Franz\u00f6sischen am H\u00e4ufigsten vorkommt, n\u00e4mlich das E. Dieser Roman ohne E ist eine Unglaublichkeit. Ein Roman von 300 Seiten der ohne diesen Buchstaben auskommt. Versuchen Sie nur einen Satz zu formulieren ohne E! Sie werden automatisch auf v\u00f6llig andere Dinge kommen, die Sie ausdr\u00fccken, wie wenn Sie ohne Einschr\u00e4nkung sagen k\u00f6nnten, was immer Sie wollen. Dieser Georges Perec bzw. das Oulipo, wie diese franz\u00f6sische Richtung aus den 70er Jahren genannt wird, also ouvroir de litterature potentielle, hat mich immer sehr begeistert. Also dieses \u201ewas mache ich aus einer Einschr\u00e4nkung\u201c. Bei mir beginnen sofort die Augen zu gl\u00fchen und das Hirn zu rattern, wenn ich wei\u00df, ich hab eine inspirierende Einschr\u00e4nkung. Bei Cantus firmus, dem St\u00fcck, das ich vergangenes Jahr f\u00fcr das Festspielhaus St. P\u00f6lten geschrieben habe, wusste ich, dass bei der Auff\u00fchrung danach die 2. Symphonie von Mendelssohn, Lobgesang, aufgef\u00fchrt werden w\u00fcrde. Ein gro\u00dfes St\u00fcck f\u00fcr Chor und Orchester und Texten aus der Heiligen Schrift, eine richtig affirmative Gotteslobmusik. Und ich sollte das St\u00fcck f\u00fcr die erste Konzerth\u00e4lfte schreiben. Das war eigentlich eine unglaubliche B\u00fcrde, etwas zu finden, was von dem Mendelssohn nicht erdr\u00fcckt wird, ihn auf eine sinnvolle Art und Weise kommentiert und trotzdem meine Musik ist. So etwas mag ich sehr und finde ich hochspannend. Deswegen habe ich mich \u00fcber diesen Auftrag auch sehr gefreut.<\/em><\/p>\n<p>War es f\u00fcr Sie immer schon klar, dass Sie mit der Musik etwas zu tun haben werden oder h\u00e4tten Sie genauso gut in andere K\u00fcnste abgleiten k\u00f6nnen?<\/p>\n<p><em>Ich selber hatte als Jugendlicher den Eindruck ich k\u00f6nnte alles M\u00f6gliche werden, aber meine damaligen Lehrer meinen r\u00fcckblickend, dass es f\u00fcr sie klar gewesen sei, dass ich Musiker werden w\u00fcrde. Ich hatte damals wohl eine sehr verkl\u00e4rende Selbstsicht.<\/em><\/p>\n<p>Sind Sie diesbez\u00fcglich erblich vorbelastet?<\/p>\n<p><em>Nicht wirklich. Meine Eltern sind beide Lehrer, mein Gro\u00dfvater war ein tschechischer Kellner und da geh\u00f6rte es nat\u00fcrlich auch dazu, dass man Geige spielte, damit die Leute im Gasthaus mehr Schnaps tranken. Wobei schon irgendein Gen ausgebrochen sein d\u00fcrfte, das ein paar Generationen \u00fcbersprungen hat, da mein Bruder auch Musiker ist und an einem Gymnasium Musik unterrichtet.<\/em><\/p>\n<p>Gibt es f\u00fcr Sie Parallelen in anderen K\u00fcnsten, wie der bildenden Kunst, der Literatur, im Theater die das widerspiegeln, was Sie in Ihren Kompositionen machen?<\/p>\n<p><em>Ich empfinde pers\u00f6nlich in der bildenden Kunst speziell der letzten 30 Jahre eine ganz starke Zweigleisigkeit. Einerseits das Aufbrechen in die Intermedialit\u00e4t, reziprok dazu aber das Festhalten am Tafelbild. Bei K\u00fcnstlern wie Gerhard Richter zum Beispiel, der sowohl konkret als auch abstrakt arbeitet, ist diese ganze Bandbreite vorhanden und das ist mir vielleicht ein wenig verwandt. Ich habe den Eindruck, dass ich ein musikalischer Tafelbildmaler bin, dass ich gerne diesen viereckigen Rahmen habe, der bei mir in erster Linie instrumentale Konstellationen bedeutet und dass ich aber innerhalb dieses Rahmens auch zwischen konkret und abstrakt wechseln kann. Das mach ich dann situationsbedingt. Manchmal ist es wichtig, sehr konkret zu sein, manchmal ist es viel spannender, zu abstrahieren. Ich habe vor einigen Tagen mit einer befreundeten Komponistin, Leah Muir, gesprochen. Ihr Freund besch\u00e4ftigt sich mit Gehirnforschung und wir unterhielten uns dar\u00fcber, dass ein Gehirn bei Kippbildern, wenn das Gehirn permanent \u00fcberlegen muss \u201eist das jetzt nur ein Muster, oder sehe ich da eine konkrete Form drinnen?\u00a0\u00bb wohl am alleraktivsten ist. Viel aktiver, als wenn Sie einfach nur konkret Figuren sehen und auch viel aktiver als w\u00fcrden Sie erkennen, dass das eine abstrakte Figuration ist. Genau dieser Zwischenbereich, in dem man nicht wei\u00df, ob das schon konkret ist oder nicht, ist auch so etwas wie eine \u00e4sthetische Erfahrung.<\/em><br \/>\n<em> Bei meinem St\u00fcck Grounds beispielsweise gehe ich von einer Gambenfantasie von Henry Purcell aus, die 1680 komponiert wurde. In diesem St\u00fcck leite ich das ganze musikalische Material aus einem Cantus firmus ab, der der Purcell-Fantasie zugrunde liegt. Das ist ein kompliziertes Verfahren, in welchem ich mit genetischen Generationen arbeite, sodass beispielsweise die Akkorde, die ich verwende, in irgendeiner entfernten Art und Weise auch aus dieser Purcell-Grundlage herauskommen. Die Dramaturgie dieses St\u00fcckes, das 5 S\u00e4tze hat, ist die, dass ich sozusagen mit einem normalen Resch-St\u00fcck beginne und immer mehr in die Purcell-Region gehe, bis ich dann im 4. Satz diese originale Fantasie von Purcell tats\u00e4chlich zitiere und mich schlie\u00dflich im 5. Satz davon wieder in meine eigene Musik hinein entferne. Das bedeutet ein Spiel zwischen N\u00e4he und Distanz, bei der auch etwas von der Abstraktion ins Konkrete \u00fcbergeht und sich dann auch wieder ins Abstrakte zur\u00fcckzieht.<\/em><\/p>\n<p>Haben Sie je auch mit Elektronik in Ihren St\u00fccken eingesetzt?<\/p>\n<p><em>Ich habe ja Komposition einerseits und Musikwissenschaft andererseits studiert und hatte dann den Eindruck, dass mir etwas ziemlich Essentielles fehlt. Etwas Spontaneres, Unakademischeres, was ich in einem Lehrgang f\u00fcr Elektroakustik nachholen wollte. Ich begann das zu studieren, konnte dies aber nur ein Jahr lang tun. Dann kam meine Tochter auf die Welt und damit war klar, dass ich Geld verdienen musste. Bis heute habe ich gro\u00dfes Interesse an der Elektroakustik, aber ich f\u00fchle mich darin als Dilettant. Ich glaube, dass da ganz ma\u00dfgebliche Dinge passieren, die ich auch versuche zu erleben, aber ich wei\u00df noch nicht, ob ich das selbst jemals lernen und f\u00fcr mein eigenes Komponieren verwenden werde.<\/em><\/p>\n<p>Feiert bei Ihnen die Postmoderne fr\u00f6hliche Urst\u00e4nde, weil Sie einen historischen Klangapparat bem\u00fchen?<\/p>\n<p><em>Darin bin ich noch nicht postmodern. Das machen viele andere Kollegen ja auch. Das Orchester ist einfach auch ein Apparat, der in seiner Standardkonfiguration gewisserma\u00dfen ein Maximum an M\u00f6glichkeiten birgt. Ich nenne da nur das St\u00fcck von Clemens Gadenst\u00e4tter \u201eFluchten\/Agorasonie, das auch f\u00fcr Standardorchester geschrieben ist, mit Integration ganz weniger Zusatzinstrumente. Aber im Grunde ist das ein Orchesterst\u00fcck f\u00fcr dreifaches Holz und Blech, weil man da einfach so gut wie alles machen kann. Ich glaube nicht, dass die Verwendung eines Orchesters in seiner Standardaufstellung, wie bei einer Tschaikowsky-Symphonie, bereits so etwas ist wie \u201eSich-verbunden-f\u00fchlen\u201c mit einer Tradition. Trotz seiner langen Geschichte bietet dieser \u201eApparat\u201c \u2013 das Orchester \u2013 einfach ein F\u00fcllhorn an akustischen M\u00f6glichkeiten. Stellen Sie sich vor, Sie lassen alle Geigen auf dem tiefsten Ton spielen und alle Celli auf dem allerh\u00f6chsten. So etwas werden Sie in einem Orchester noch nie geh\u00f6rt haben. Das ist nur ein ganz banales Beispiel. Es gibt einfach Millionen von M\u00f6glichkeiten. Insofern sehe ich pers\u00f6nlich auch keine Notwendigkeit, ein Orchester durch Verwendung einer Tonbandschicht zu sprengen. Ich kann mir gut vorstellen, dass man das, was in der Tonbandspur geschieht, auch einfach ins Orchester hineininstrumentiert.<\/em><\/p>\n<p>Man hat gerade w\u00e4hrend des Festivals Wien Modern die M\u00f6glichkeit, viele zeitgen\u00f6ssische Positionen hintereinander zu h\u00f6ren. Inwieweit bildet das f\u00fcr Sie eine Beeinflussung?<\/p>\n<p><em>Das ist schon sehr wichtig. Ich finde es am Beruf des Komponisten auch sehr sch\u00f6n, dass man \u00fcber die Kollegen gut Bescheid wei\u00df. Komponist sein ist ja etwas recht Ungew\u00f6hnliches, es gibt in \u00d6sterreich nur ein paar Hundert davon und irgendwann kennt man die ja auch. Jetzt hatte ich die Freude, Kollegen aus England kennenzulernen, wie Emily Howard, mit der ich mich auch ein bisschen befreundet habe und es ist einfach spannend, Werkstattgespr\u00e4che zu f\u00fchren. Zu fragen \u201ewie machst Du das?\u201c oder \u201ewie ist die Situation der Ensembles in Deinem Land?\u201c oder was auch immer.<\/em><\/p>\n<p>Sind Sie selbst einem Ensemble besonders verbunden?<\/p>\n<p><em>Von Studentenzeiten her dem Ensemble \u201ePhace\u201c, das meine St\u00fccke aufgef\u00fchrt hat und mich begleitete. Ansonsten mit dem Ensemble Kontrapunkte, bei dem ich mich freue, dass sich sein Dirigent Peter Keuschnig seit vielen Jahren f\u00fcr meine Kompositionen interessiert. Das ist besonders sch\u00f6n, weil sich in einer kontinuierlichen Zusammenarbeit viel reifere Fr\u00fcchte ernten lassen. Dann hatte ich dieses Jahr Premiere, da mich der erste gro\u00dfe Klangforum-Auftrag ereilt hat. Das Klangforum ist ja ein absolutes Spitzenensemble f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musik. Das St\u00fcck, das ich da geschrieben habe, war aufgrund der r\u00e4umlichen Gegebenheiten ohne Dirigent zu realisieren. Es war f\u00fcr das Foyer des Konzerthauses komponiert worden und das h\u00e4tte f\u00fcr Ensembles, die weniger eingespielt sind, schon gro\u00dfe Schwierigkeiten mit sich bringen k\u00f6nnen. Es war toll zu sehen, wie das Klangforum damit \u00fcberhaupt kein Problem hatte. Mir fiel auch bei den Proben ein Stein von Herzen, als absehbar war, dass die Akustik funktionierte, was ja bei diesem gro\u00dfen Raum nicht sicher war.<\/em><\/p>\n<p>Wie lange brauchen Sie im Durchschnitt f\u00fcr eine Komposition?<\/p>\n<p><em>Ich schreibe im Durchschnitt 2-3 St\u00fccke im Jahr. Es ist immer die Frage, ab wann ich zu rechnen beginne. Bei jeder Komposition gibt es ziemlich umfangreiche Vorarbeiten: Materialsammlungen, Referenzst\u00fccke kennenlernen und analysieren, Klangverl\u00e4ufe ausprobieren usw. Bei Collection Serti, dem St\u00fcck f\u00fcr das Klangforum wusste ich 2009, dass ich einen Auftrag bekommen w\u00fcrde. Ds begann ich einmal ganz vage Ideen zu sammeln. Im Laufe des Jahres 2010 ist Sven Hartberger (Anm: jetziger Intendant des Klangforums) mit dem Oskar Serti-Projekt an mich herangetreten. Seine Frage war, ob ich mir vorstellen k\u00f6nnte, f\u00fcr die sehr spezifische Situation im Foyer, eben r\u00e4umlich verteilt, ohne Dirigent, das \u201eErste Bank\u201c Preisst\u00fcck zu widmen. Und so habe ich ein St\u00fcck f\u00fcr einen speziellen Anlass und f\u00fcr einen speziellen Raum komponiert.<\/em><em> Man wagt schon etwas Besonderes, wenn man sich f\u00fcr ein halbes Jahr hinsetzt, um eine Viertel Stunde Musik zu schreiben, die dann auch f\u00fcr eine ganz bestimmte Idealsituation ma\u00dfgeschneidert sein soll.<\/em><\/p>\n<p>Lothar Knessl sagte in seiner Er\u00f6ffnungsrede dieses Jahr bei Wien Modern, dass Komponisten komponieren m\u00fcssten, egal, ob sie daf\u00fcr etwas bek\u00e4men oder nicht. Stimmen Sie dem zu?<\/p>\n<p><em>Im Prinzip schon. Aber es ist die gro\u00dfe Frage, von welchem Standpunkt man das sieht. Nat\u00fcrlich will man als Komponist in erster Linie St\u00fccke schreiben, und mitunter schreibt man auch gern etwas f\u00fcr diesen oder jenen Freund \u2013 ohne Geld. Aber diese grunds\u00e4tzliche Bereitschaft nehmen Veranstalter auch ganz gerne als Vorwand, sich aus der Pflicht zu stehlen, die Entstehung einer neuen Komposition mitzufinanzieren. Ein Veranstalter k\u00e4me zwar niemals auf die Idee einen Musiker zu engagieren, ohne etwas zu bezahlen. Bei Komponisten ist das aber etwas anderes. Da geht man mitunter leider davon aus, dass es eine Ehre sei, ein St\u00fcck erstmals z.B. im Musikverein zu Geh\u00f6r bringen zu d\u00fcrfen und man als Komponist doch daf\u00fcr dankbar sein m\u00fcsse. Dieser Meinung bin ich aber definitiv nicht. Das sehe ich auch als Verpflichtung meiner Berufsgruppe gegen\u00fcber. Wenn jeder Komponist sagen w\u00fcrde, \u201egerne, ich schreibe etwas gratis wegen der Ehre\u201c, dann h\u00e4tten wir ein unglaubliches Preisdumping und die Szene w\u00fcrde ausgehungert und innerhalb kurzer Zeit k\u00f6nnte dann niemand mehr in irgendeiner Art und Weise vom und f\u00fcr das Komponieren leben.<\/em><\/p>\n<p>Empfinden Sie, dass es in \u00d6sterreich eine Ballung an Musikinteresse gibt, welches sich au\u00dferhalb des Landes, speziell au\u00dferhalb Europas sehr schnell verd\u00fcnnt?<\/p>\n<p><em>Ich kann sagen, dass ich in \u00d6sterreich mittlerweile zu jenen Komponisten geh\u00f6re, die sehr gut wahrgenommen werden, aber au\u00dferhalb von \u00d6sterreich so gut wie gar nicht. Ich habe w\u00e4hrend des Festivals Wien Modern mit einem K\u00f6lner Journalisten gesprochen, der mir sagte, dass die dortige Szene viel st\u00e4rker auf Stockhausen und andere regionale K\u00fcnstler konzentriert ist, als hier bei uns. Und dass eine breite Internationalit\u00e4t, wie sie heuer Wien Modern gezeigt hat, oder auch das Klangforum vertritt, dort gar nicht m\u00f6glich sei.<\/em><\/p>\n<p>Wenn man sich nun aber die Kunstlandschaft ansieht, so ist es doch speziell die Musik, die derart \u201enational\u201c unter sich bleibt. \u201eNational\u201c nicht im Sinne von Gesinnung, sondern nur im Sinne von r\u00e4umlichem Zusammenleben und Arbeiten in einer bestimmten Nation. Die bildende Kunst hingegen \u00fcberspringt die Grenzen doch viel schneller.<\/p>\n<p><em>Ich denke, das liegt daran, dass bildende Kunst immer auch einen Marktwert hat. Sie k\u00f6nnen heute das Bild eines aufstrebenden chinesischen K\u00fcnstlers kaufen. Wenn Sie ein gutes Gesp\u00fcr haben, ist dieses Bild in 10 Jahren das 5-fache wert. Das ist bei Musik nicht der Fall. Das ist einerseits ein Dilemma. Andererseits ist es aber etwas unglaublich Poetisches zu sagen, dass Musik eigentlich ja nichts wert ist. Wenn Sie sich heute eine Partitur von mir kaufen ist die gar nichts wert, sie klingt ja nicht. Selbst in dem Augenblick, in dem sie klingt, ist sie noch immer nichts wert, weil sie ja einfach nur Luft ist, die sich bewegt und Ihr Ohr erreicht. Sie k\u00f6nnen sich das nicht an die Wand h\u00e4ngen oder sich damit schm\u00fccken, dass Sie reich sind, weil Sie meine Partitur besitzen. Sie sind es nicht.<\/em><\/p>\n<p>Sie befinden sich damit ja komplett au\u00dferhalb des kapitalistischen Wertesystems.<\/p>\n<p><em>So empfinde ich das tats\u00e4chlich.<\/em><\/p>\n<p>Macht Ihnen das Freude oder tut Ihnen das leid?<\/p>\n<p><em>Ich sehe es als einen legitimen, anderen Blick auf dieses Dilemma. Man jammert im Allgemeinen dar\u00fcber, dass es f\u00fcr die zeitgen\u00f6ssische Musik so wenig Publikum g\u00e4be, dass man sich in einer Nische bef\u00e4nde. Man fragt sich nach der gesellschaftlichen Relevanz des eigenen kompositorischen Tuns. Ich denke aber, dass es auf der anderen Seite auch ein gro\u00dfer Freiraum ist zu sagen, dass es \u2013 gerade weil die zeitgen\u00f6ssische Musik au\u00dferhalb des kapitalistischen Wertesystems steht \u2013 ja doch ein Publikum gibt. Bei Oskart Serti waren an zwei Abenden jeweils 600 Leute, die als eine gro\u00dfe Gemeinschaft inmitten \u201emeiner\u201c Musiker teilweise mit geschlossenen Augen standen und dieses St\u00fcck intensiv erlebten. Das ist ja nicht Nichts!<\/em><\/p>\n<p><em>Ist es nicht so, dass sich die Demokratie an ihren Minderheiten beweist? Und nur dann, wenn Minderheiten frei das ausleben k\u00f6nnen, was sie m\u00f6chten, leben wir in einem freien demokratischen Land? Der andere Gesichtspunkt ist, dass sich eine Gesellschaft \u2013 egal ob Demokratie oder nicht \u2013 ja vor allem auch durch ihren Rand definiert. Wenn man nun das Zentrum als Ballung von Menschen sieht, dann hat man nat\u00fcrlich nach au\u00dfen hin diese Ausd\u00fcnnung zu den Minderheiten. Man fragt sich immer was bringt das, was kostet das, wer hat was davon, dieser viele Aufwand f\u00fcr die wenigen Leute! Aber es fragt sich eigentlich niemand: Was w\u00fcrden alle diese Menschen machen, denen das gef\u00e4llt, die gerade daf\u00fcr ein Auge, ein Ohr, ein Sensorium haben, wenn wir diese Projekte nicht am Leben erhalten w\u00fcrden.<\/em><\/p>\n<p><em>Oder wollten wir in einer Gesellschaft leben, die so etwas nicht mehr erm\u00f6glicht? Ich w\u00fcrde mich unweigerlich fragen, ob Wien dann noch die Stadt w\u00e4re, in der ich gerne und freiwillig lebe. Ich bin auch davon \u00fcberzeugt, dass der Umgang mit den Interessen von Minderheiten ein unmittelbarer Indikator f\u00fcr die Reife und die Toleranz einer Gesellschaft ist.<\/em><\/p>\n<p>Minderheit bedeutet in Ihrem Fall ja auch Verteidigung der zeitgen\u00f6ssischen Kunstpositionen.<\/p>\n<p><em>Ja, obwohl das jetzt doch ein bisschen zu k\u00e4mpferisch klingt. Es gibt auch viel sichtbarere Minderheiten, zum Beispiel die Minderheit der Bettler. Wie geht eine Gesellschaft damit um, dass vor jedem Billa jemand steht, der eine Zeitung verkaufen m\u00f6chte? Schafft es eine Gesellschaft zu akzeptieren, dass es diese Menschen auch gibt, oder dreht man sich emp\u00f6rt weg und findet das unm\u00f6glich, weil es diese Menschen fr\u00fcher nicht so sichtbar gab? Das ist tats\u00e4chlich eine Frage von Reife. Ich erinnere an dieser Stelle nur daran, dass im Islam der Bettler eine Bereicherung f\u00fcr die Gesellschaft ist, weil er Ihren Mitgliedern die M\u00f6glichkeit gibt, Gutes zu tun.<\/em><\/p>\n<p>Weil Sie es selbst angesprochen haben: K\u00f6nnten Sie auch in einer anderen Stadt als Wien leben?<\/p>\n<p><em>Ich kenne durch mein Studium nat\u00fcrlich einige europ\u00e4ische St\u00e4dte, aber ich glaube, dass gerade f\u00fcr meinen eigenen musikalischen Ton Wien die richtige Stadt f\u00fcr mich ist. Ich habe gestern bei einem Konzert von Francis Burt und Friedrich Cerha eine ganz sch\u00f6ne Formulierung gefunden. Burt sprach in dem Programmheft von dem \u201elatenten espressivo\u201c dass es in Wien g\u00e4be, was ihn auch in den 50er Jahren dazu gebracht h\u00e4tte, bewusst von London nach Wien zu ziehen. Diese Einsch\u00e4tzung teile ich. Dieses \u201elatente espressivo\u201c als Hintergrundrauschen dieser Stadt ist etwas, womit ich gut kann.<\/em><\/p>\n<p>Beziehen Sie sich damit auf die Gruppe jener Menschen, die Musik machen bzw. sich in diesem Umfeld bewegen?<\/p>\n<p><em>Nicht unbedingt. Zweifelsohne ist die musikalische Infrastruktur in Wien eine hervorragende im Vergleich zu vielen anderen St\u00e4dten dieser Gr\u00f6\u00dfe. Aber ich mag vor allem auch die Art, in der in Wien im Alltag Dinge m\u00f6glich sind. Es ist dem Stra\u00dfenbahnfahrer streng untersagt, dass er Ihnen mit einem Kinderwagen in die Stra\u00dfenbahn hilft und er tut es aber trotzdem. Es ist dieses slawische Temperament, das Wien so bereichert. Dieses \u201ees geht doch irgendwie\u201c. Ich bin ja auch ein Zugereister, nicht hier geboren, obwohl ich schon seit 20 Jahren in Wien lebe. Ich lebe sehr gerne in der Brigittenau. Sch\u00e4tze es immer, wenn ich \u00fcber den Fluss, den Donaukanal muss. Ich mag das sehr, dass man da etwas hinter sich l\u00e4sst, die Seite wechselt und wie auf einer kleinen Insel lebt.<\/em><\/p>\n<p>Jede Stadt hat ja auch ihr eigenes Tempo. Schl\u00e4gt sich das bei Ihnen auch beim Komponieren nieder?<\/p>\n<p><em>Das Komponieren ist per se eine unfassbar langsame T\u00e4tigkeit. Um hier die Relationen deutlich zu machen: Um 15 Minuten Musik zu schreiben, brauche ich zumindest 400 Stunden. Das ist eine unglaublich luxuri\u00f6se Situation. Total un\u00f6konomisch. Aber Sie brauchen auch lang um im besten Fall etwas zu machen, was dann auch wirklich sch\u00f6n ist. Man hat auch nicht weniger lang an Heiligenstatuen geschnitzt oder an einem Wasserspeier, der vom Stephansdom herunter guckt. Das ist alles \u00dcberfluss an Zeit und Lebensenergie, die da hineingesteckt wurde. F\u00fcr einen Menschen, der komponiert, dehnt sich die Zeit extrem. Die 15 Minuten St\u00fcckdauer werden gedehnt auf 400 Stunden Arbeit. Eine Stadt wie Wien, die sicherlich ein langsameres Tempo hat als z.B. London, wo ich in den letzten Jahren regelm\u00e4\u00dfig war, ist so einer langsamen T\u00e4tigkeit wie dem Komponieren m\u00f6glicherweise tats\u00e4chlich f\u00f6rderlich. In Wien kann ich 4 Stunden am Vormittag sitzen und komponieren und habe das Gef\u00fchl, w\u00e4hrenddessen nichts Wesentliches vers\u00e4umt zu haben. Auf diese Weise kommt man kompositorisch gut voran.<\/em><\/p>\n<p>Haben Sie mittelfristige Pl\u00e4ne?<\/p>\n<p><em>Ich habe viele Pl\u00e4ne, aber ich warte auf Angebote. Ich hatte bei Wien Moderne sch\u00f6ne Auff\u00fchrungen und durfte damit wunderbare Erfolge feiern, aber ich verfolge im Augenblick keinen gr\u00f6\u00dferen konkreten Auftrag.<\/em><\/p>\n<p>Wenn man jetzt an Sie herank\u00e4me, h\u00e4tten Sie dann Ideen oder w\u00fcrden Sie sich eher freuen, wie Sie eingangs sagten, Begrenzungen zu erfahren?<\/p>\n<p><em>Ich denke, das w\u00fcrde ich dann in einem reziproken Diskurs sicher kl\u00e4ren!<\/em><\/p>\n<p>Michaela Preiner f\u00fchrte das Interview mit Gerald Resch im Caf\u00e9 Vindobona am 7.11. 2011<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Interview mit dem \u00f6sterreichischen Komponisten Gerald Resch anl\u00e4sslich des Festivals Wien Modern 2011. Meine Vorstellung ist doch ziemlich genau, daher ist es nicht sehr \u00fcberraschend; ich wei\u00df ja, was ich geschrieben habe. Bei manchen Sachen, die ich mir anders vorgestellt habe \u2013 da geht es vor allem um Balance \u2013 wenn ich zum Beispiel h\u00f6re, was die H\u00f6rner spielen, wei\u00df ich, dass ich anstelle von Mezzopiano doch besser Mezzoforte notieren h\u00e4tte sollen.<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":18569,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":""},"categories":[14,4062,1360,4060],"tags":[],"class_list":["post-54974","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-melange","category-begegnungen-2","category-wien_modern","category-wien-modern-2"],"jetpack_featured_media_url":"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/slider_GeraldResch_c_WIEN-MODERN_LavinieHaala.jpg?fit=640%2C360&ssl=1","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack-related-posts":[],"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2NpeJ-eiG","_links":{"self":[{"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54974","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=54974"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/54974\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media\/18569"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=54974"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=54974"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=54974"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}