{"id":54970,"date":"2011-11-23T16:56:52","date_gmt":"2011-11-23T15:56:52","guid":{"rendered":"https:\/\/european-cultural-news.com\/great-britain-meets-austria\/54970\/"},"modified":"2011-11-23T16:56:52","modified_gmt":"2011-11-23T15:56:52","slug":"great-britain-meets-austria","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/european-cultural-news.com\/fr\/great-britain-meets-austria\/54970\/","title":{"rendered":"Great Britain meets Austria"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_5147\" style=\"width: 430px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/text_Emiliy-Howard-c-Mathew-Seed.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-5147\" class=\"size-full wp-image-5147 \" title=\"Emiliy-Howard-(c)-Mathew-Seed\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/text_Emiliy-Howard-c-Mathew-Seed.jpg?resize=420%2C420&#038;ssl=1\" alt=\"Emiliy Howard (c) Mathew Seed\" width=\"420\" height=\"420\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/text_Emiliy-Howard-c-Mathew-Seed.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/text_Emiliy-Howard-c-Mathew-Seed.jpg?resize=150%2C150&amp;ssl=1 150w, https:\/\/i0.wp.com\/european-cultural-news.com\/wp-content\/uploads\/2011\/11\/text_Emiliy-Howard-c-Mathew-Seed.jpg?resize=300%2C300&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"(max-width: 420px) 100vw, 420px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-5147\" class=\"wp-caption-text\">Emiliy Howard (c) Mathew Seed<\/p><\/div>\n<p><em><strong>Am Sonntag, dem 20.11., trafen im gro\u00dfen Saal des Konzerthauses britische und \u00f6sterreichische Kompositionen aufeinander. So standen den beiden Landesaltmeistern Harrison Birtwistle und Friedrich Cerha auch zwei junge Positionen gegen\u00fcber. Emily Howard und Gerald Resch waren ebenso mit Kompositionen vertreten, die das RSO unter James MacMillan zum Klingen brachte.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>Erstaunlich war, wie beim Festival Wien Modern 2011 \u00f6fter schon festgestellt werden konnte, die Homogenit\u00e4t des gesamten Konzertes. Die Auswahl der St\u00fccke, die zumindest in Teilen untereinander verwandt, oder zumindest befreundet schienen.<\/p>\n<p>Spannend verlief der Abend deswegen, weil sich zeigte, dass Leises, Verhaltenes so atemberaubend wirken kann, sodass schon ein einziger Nieser aus dem Publikum an einer Stelle gen\u00fcgte, um diese konzentrierte Stimmung zumindest f\u00fcr einige Momente zu kippen.<\/p>\n<p>Birtwistles \u201eAn imaginary landscape\u201c, geschrieben f\u00fcr ein gro\u00dfes Blechbl\u00e4seraufgebot, Kontrab\u00e4sse und Percussion beeindruckte vor allem durch die Verhaltenheit in der Dynamik, die man bei dieser Besetzung \u00fcberhaupt nicht erwartet h\u00e4tte. St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck beschreibt der Komponist darin eine Landschaft, die sich verdichtet und wieder lockert. Man k\u00f6nnte die Komposition auch mit der Kartografierung einer wei\u00dfen Landkarte vergleichen, in der Punkt f\u00fcr Punkt nacheinander eingezeichnet wird und so die Landschaft nach und nach zu einer Beschreibung gelangt. Die sph\u00e4rische Aufl\u00f6sung am Schluss leitete wunderbar zu Emily Howards \u201eSolar\u201c \u00fcber. Eine Beschreibung unserer Sonne, die sie fast wie in einer Gro\u00dfaufnahme, in der man die Protuberanzen sehen kann, zeichnete. Einer farbigen Einleitung folgte der Aufbau einer gro\u00dfen Klangmasse, die sich schwer und fast tr\u00e4ge weiterentwickelte, ohne jedoch je zu explodieren.<\/p>\n<p>\u201eSchlieren f\u00fcr Violine und Orchester\u201c von Gerald Resch, war das darauffolgende St\u00fcck betitelt, das nicht nur vom Publikum, sondern vor allem vom Solisten eine gro\u00dfe Portion Aufmerksamkeit erforderte. Benjamin Schmid an der Violine zeigte mit unglaublicher Gelassenheit, dass man auch schwierige Passagen so spielen kann, als w\u00fcrden sie wie selbstverst\u00e4ndlich \u00fcber die Violinseiten wachsen. Wie symphonische Miniaturen hintereinander gereiht, setzt Resch diese wie auf eine Perlenschnur und \u00fcbertitelt sie mit flie\u00dfend, pochend und verspielt. Ganz wunderbar, wie er zu Beginn aus einem fast flirrenden Schwebezustand des gesamten Klangapparates die Geige sich langsam in den Vordergrund schieben l\u00e4sst, bis sie solistisch stehen bleibt. Die verhaltene Spannung, die sich daraufhin bildete, \u00e4hnelte sehr jenem Zustand, mit dem zuvor Birtwistle schon beeindruckte \u2013 unter anderem jedoch mit dem Unterschied, dass Schmid mit einem Solo am Ende des 2. Satzes brillieren durfte, das zus\u00e4tzlich durch Paukenschl\u00e4ge rhythmisiert worden war. Fast \u00fcbergangslos lie\u00df Resch die Musik in einen Tanzrhythmus gleiten, um schlie\u00dflich eine kleine jazzige Gel\u00e4ufigkeits\u00fcbung im Soloinstrument anzuschlie\u00dfen. Bald schon stellte sich aber heraus, dass diese Sequenz nur die Aufw\u00e4rmphase f\u00fcr die schwierige, abschlie\u00dfende Solopassage darstellte. Reschs Werk charakterisiert sich durch den Einsatz hoher musikalischer Intelligenz, die jedoch \u2013 wie bei ihm so oft &#8211; mit einer kompositorischen Augenzwinkerei versehen wird. Gerade diese Kombination macht die Arbeiten des jungen Komponisten so spannend, so sympathisch und herzerfrischend zugleich. Seine Musik ist eben nicht nur f\u00fcr den Kopf gemacht, aber weit davon entfernt, aus dem Bauch geboren worden zu sein.<br \/>\nEmily Howard, die an diesem Abend gleich mit zwei Arbeiten vertreten war, legte mit \u201eCalculus oft he Nervous System\u201c ein Werk vor, in welchem sie sich von Ana Lovelace, der Tochter von Lord Byron, beeinflussen lie\u00df, die als herausragende Mathematikerin galt. Auf eine \u00fcberaus zarte Einf\u00fchrung \u2013 in der mehrere Generalpausen das St\u00fcck in die Schwebe erheben \u2013 kippt ihr Werk dramatisch, um kurz danach mit scharfen Einschnitten aufzuwarten. Diese f\u00fcr die Komposition so charakteristische duale Haltung endet nicht abrupt, wie man erwarten m\u00f6chte, sondern in einer Art Endlosschleife von allerletzten T\u00f6nen und wiederum allerletzten T\u00f6nen und wiederum allerletzten T\u00f6nen\u2026 . Ein Werk, das man wegen seiner unglaublichen Einpr\u00e4gsamkeit beim zweiten Mal H\u00f6ren sicher sofort wieder erkennen wird.<\/p>\n<p>Der letzte Programmpunkt war Friedrich Cerhas \u201eWie eine Tragikom\u00f6die\u201c vorbehalten und wie immer bei seinen Kompositionen f\u00fcr gro\u00dfes Orchester, kommt das Publikum dabei klanglich voll auf seine Kosten. Durch dichte, hochdramatische Streicherkl\u00e4nge, die von Trommeln und Pauken unterst\u00fctzt werden, sch\u00e4lt sich eine aufsteigende Melodie heraus, die schlie\u00dflich im Paukenwirbel kulminiert. Ihnen folgt die melodi\u00f6se Bratsche, die in Zwiesprache mit der gezupften Harfe tritt und alsbald von der Oboe abgel\u00f6st wird. Glockenschl\u00e4ge, wie von Ferne tauchen auf und begleiten das St\u00fcck, das sich schlie\u00dflich in absteigenden Tonfolgen wieder in eine nerv\u00f6se, dunkle Grundhaltung zur\u00fcckman\u00f6vriert. Cerhas Kunst, ein Thema durch den gesamten Klangapparat laufen zu lassen, ohne dass auch nur einen Augenblick Langeweile aufkommt, ist aber noch von wesentlich st\u00e4rkeren kompositorischen Elementen gepr\u00e4gt. So k\u00f6nnte man den Ablauf mit der Idee vergleichen, die Musik wie in eine gro\u00dfe Reimform zu setzen. Was hier vielleicht abstrakt klingen mag, kann sinnlich \u2013 h\u00f6rbar erfahren werden, wenngleich man f\u00fcr die tiefe Erkenntnis nicht ohne Partiturstudium auskommt.<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend sei noch bemerkt, dass dieses Konzert, wie eingangs schon erw\u00e4hnt, wie auch so manch andere w\u00e4hrend des Festivals Wien Modern, von einer ganz besonderen Sensibilit\u00e4t in der Zusammenstellung gepr\u00e4gt war. Diese kommt nur durch Kennerschaft der Werke zustande oder zumindest durch ein untr\u00fcgliches Gef\u00fchl f\u00fcr Verwandtschaften und Gegens\u00e4tze. Matthias Losek sei an dieser Stelle vor den Vorhang geholt!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am Sonntag, dem 20.11., trafen im gro\u00dfen Saal des Konzerthauses britische und \u00f6sterreichische Kompositionen aufeinander. So standen den beiden Landesaltmeistern Harrison Birtwistle und Friedrich Cerha auch zwei junge Positionen gegen\u00fcber. Emily Howard und Gerald Resch waren ebenso mit Kompositionen vertreten, die das RSO unter James MacMillan zum Klingen brachte. 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