Das Leben besteht aus Realität und Wundern

Das Leben besteht aus Realität und Wundern

Das Leben besteht aus Realität und Wundern

Das Leben besteht aus Realität und Wundern

„Der Gast“  (Foto: screenshot – Vimeo)
Vom ersten Augenblick an verzaubert er das Publikum. Sein junges, ebenmäßig geschnittenes Gesicht, sein dunkler 3-Tages-Bart, seine hohe, schlanke Gestalt und sein einnehmendes Lächeln – mit all diesen Vorzügen ausgestattet, zieht er die Menschen in seinen Bann. Nicht nur im Kinosaal.

Mehmet Sözer verkörpert im neuen Film von Houchang Allahyari einen geheimnisvollen Fremden. Obwohl er kein einziges Wort spricht, wird er zum Katalysator für ein atemberaubendes Geschehen in einer reichen, konservativen Familie, in der die Liebe verschwunden zu sein scheint.

Der im Iran geborene und seit Jahrzehnten in Wien lebende Filmemacher hat sich mit „Der Gast“ einen Traum erfüllt. Fan von Pier Paolo Pasolini, bot ihm dessen „Teorema“ aus dem Jahr 1968 ausreichend Inspiration. Gedreht in Schwarz-Weiß, siedelt Allahyari das Geschehen in Wien an und ergänzt den Hauptplot des italienischen Neo-Realismus-Streifens mit dramatischen Wendungen und aktuellen, sozialen Bezügen, wie der aktuellen Flüchtlingsthematik. Die Figuren sind mit Emotionen ausgestattet, die in an sich schon ein tragfähiges, dramatisches Gerüst für ein gelungenes Drehbuch ausmachen.

Heuchelei, Eifersucht, unerfüllte Liebe, Bigotterie aber auch Hass, religiöser Wahn und psychosomatische Beschwerden bis hin zur Tanzunfähigkeit einer Primaballerina – all das findet sich in dem unglaublich poetischen Film, der zwischen den Polen Realität und Fiktion pendelt. Karina Sarkissova, die in Österreich in den letzten Wochen vor allem durch ihre Auftritte als Jurorin bei Dancing-Stars häufig in den Medien vertreten war, verkörpert ätherisch-schön, zerbrechlich und gleichzeitig stark die Frau eines Staatssekretärs, der mit seiner Familie in einer feudalen Villa mit einem atemberaubend verwildertem Park wohnt. Auch ein Swimmingpool, das eher einem Naturteich ähnelt als einer Chlorschleuder, spielt darin eine nicht unwesentliche Rolle. Gregor Bloéb verkörpert aufregend authentisch den reichen Politiker, dessen Familienleben durch eine missglückte Operation an seinem Sohn völlig aus dem Ruder gelaufen ist.

Der querschnittgelähmte Michael Hanzlik hat es sich nicht nehmen lassen, diesen jungen Mann zu spielen, der ebenfalls auf den Rollstuhl angewiesen ist und ständige Betreuung braucht. „Warum musst du jemanden das spielen lassen?“, war seine Frage an Houchang Allahyari und gleichzeitig die Aufforderung, sich selbst für den Film zur Verfügung zu stellen.

So sehr Allahyari einzelne Szenen mit Realismus – bis hin zu Schockmomenten – durchtränkt, so sehr bietet er auch ein starkes Gegengewicht an. Nämlich jenes an unerklärlichen Wundern. Nicht nur, dass der Sohn, knapp an einem Erstickungsanfall dem Tod entkommen, aus dem Spitalsbett verschwindet und sich plötzlich zuhause in seinem Jugendzimmer befindet. Er weist auch einen völlig unerwarteten, gesundheitlichen Entwicklungsschritt auf. Auch der schmerzende Fuß, der die Ehefrau dazu zwang, ihren Beruf als Tänzerin aufzugeben, heilt plötzlich wieder. Wären diese Phänomene noch mit der Lösung psychischer Blockaden zu erklären, fehlt diese Logik bei jener Szene, in der die Tochter, die sich in den Gast verliebt hat, aus einem Fenster unter dem Dach schwebt. Roya Mousavi vergräbt sich in diesem Charakter in zerstörerische Eifersucht.

Zugeschrieben werden diese Wohltaten und Wunder dem Fremden, dem es nach und nach gelungen ist, mehr als nur die Sympathien der Menschen in der Villa für sich zu erobern. Dazu gehört auch die junge Angestellte Laura, die er in der Küche verführt. Einzig die Mutter des Politikers, gespielt von Erni Mangold, bleibt skeptisch und dem jungen Mann gegenüber abwehrend. Sie spürt sofort, dass er das Familiengefüge, das bis dahin überschaubar nach geregelten, konservativen Vorstellungen funktionierte, zerfällt. Ihre manipulierende Art, gepaart mit Boshaftigkeit und Freude an Destruktion, die immer wieder aufblitzt, steht im krassen Gegensatz zum Fremden. Er ist die Verkörperung von Liebe schlechthin. Einer Liebe, die weder zwischen Geschlechtern noch zwischen dem Stand der Menschen einen Unterschied macht.

Mit der Figur der bigotten Pflegerin spricht Allahyari ein weiteres psychologisches Thema an. Doina Weber glänzt in dieser Rolle als gottesfürchtige Frau, die sich dem Dienst am Kranken verschrieben hat. Auch sie wird von der Anziehungskraft des Fremden derart verführt, dass sie schließlich außer Rand und Band gerät und sämtliche Hüllen und Hemmungen fallen lässt. Die Szene, in der sie mit Sözer um den Rollstuhl des gelähmten Sohnes tanzt, gehört zu den wunderbarsten des Streifens.

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„Der Gast“  (Foto: screenshot – Vimeo)
Häufig setzt der Regisseur seine Hauptcasts mit Nahaufnahmen beeindruckend in Szene und stattet das Geschehen nach und nach mit einem unglaublichen Sog aus. Dass das konservative Familien-Konstrukt, welches der Gast zerstört, letztlich unerbittlich zurückschlägt, ist systemisch folgerichtig. Dennoch endet der Film mit einer unerwarteten, kontrastierenden Wende, die jede Menge Interpretatinsspielraum bietet.

„Der Gast“ hält unserer Gesellschaft einen Spiegel vor, in dem sich die Gegensätze des Menschseins – Liebe und Hass – die Waage halten. Seine einnehmende Poesie wird nicht zuletzt durch ausgesucht schöne Kameraeinstellungen verstärkt. Darin präsentiert sich der Ort des Geschehens als ein verwunschener und aus der Zeit gefallener, an dem man sich nicht sattsehen kann. (Kamera Peter Roehsler) Trotz aller tragischen Vorkommnisse vermittelt der Film das wunderbare Gefühl, dass es sich lohnt, auf die Menschen zuzugehen und das Gute in ihnen zu wecken. Ein absolutes Highlight der österreichischen Filmproduktion, das unverständlicherweise ohne Förderung auskommen musste.

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Wie man authentisch lebt

Wie man authentisch lebt

Meistens stehen sie im Schatten ihrer berühmten Männer. Jene Frauen, deren Namen unweigerlich mit der Leistung ihres Gatten verbunden ist. So erging es auch Lina Loos. Ein aktueller Spielfilm stellt nun drei besondere Jahre dieser bemerkenswerten Frau in den Fokus und zeigt dabei ihre Entwicklung vom Backfisch hin zu einer selbstbestimmten Person.

Viele Köche verderben den Brei gilt nicht bei dieser Produktion

Dabei entführt das Drehbuch- und Regiekollektiv mit Walter Wehmeyer, Christine Wurm, W. Andreas Scherlofsky, Tino Ranftl und Brigitte Benesch am Anfang des Films ins Jahr 1902. Loos hatte als Architekt damals zwar schon einen Namen, aber noch keine Mittel. Bereits beim ersten Kennenlernen bat er die 18-jährige Schauspielerin Lina Obertimpfler, seine Frau zu werden. Die Szene wurde im Café Sperl aufgenommen und kommt, wie auch die späteren, in unterschiedlichen Locations historisch stimmig über die Leinwand.

Benjamin Muth.Sarah Born.Reben .1 Kopie

Foto: Peter Louis

Ob Wiener Caféhaus, adeliges Sommergut oder ein Bauernhaus in hügeliger Landschaft: Die Location-Scouts haben, bedenkt man die Low-budget-Produktion, beste Arbeit geleistet. Besonderes, zusätzliches Augenfutter lieferte Barbara Langbein mit den Kostümen, vornehmlich der Hauptdarstellerin. Die Bandbreite reicht vom züchtigen, rüschenbesetzten, bodenlangen, weißen Kleid, das sie gleich in der ersten Einstellung trägt, bis hin zu einer an Klimt angelehnten Reformgarderobe und ist damit zugleich als Ausdruck eines erstarkten Selbstbildnisses von Lina zu sehen.

Ein Affäre mit letalem Ausgang

Doch hinter all dem Atmosphärischen steht die Geschichte dieser selbstbestimmten, jungen Frau, ihrem Mann und ihrem Liebhaber Heinz Lang. Der Schüler, der eine Affäre mit ihr hatte, erschießt sich bei einem Aufenthalt in England, als er erfährt, dass Lina Loos nicht zu ihm kommen wird. Lina hat mit dieser Absage aber nicht zwischen zwei Männern gewählt. Vielmehr hat sie sich zu einem eigenen, unabhängigen Leben entschlossen. Wie schwer ihr diese Entscheidung gefallen ist, wird in diesem Streifen klar. Entgegen jeglicher gesellschaftlicher Konvention wählt sie ein Leben ohne finanzielle Sicherheit, das sich ganz auf ihre eigene Kraft stützt. Die Bilder dazu – ein Spaziergang, barfuß in einem Bach, das Schrubben eines Holzbodens, Feuermachen am offenen Herd – sie vermitteln das Gefühl absoluter Freiheit, auch wenn diese nicht einfach zu leben ist.

Johannes Schüchner.Sarah Born.Zug Kopie

Foto: Wolfram Wuinovic

Lina Loos war eine unerschrockene Frau, die sich während des November-Pogroms 1938 an den niedergebrannten jüdischen Tempeln mit ihrer Ansage „Ich bin Zeuge“ selbst in Lebensgefahr brachte. Ein Teil ihrer feuilletonistischen Artikel, die sie für verschiedene Wiener Zeitungen schrieb, wurde in ihrem „Buch ohne Titel“ zusammengefasst und beeindruckten nicht nur Kerstin Strindberg, Tochter von August Strindberg, mit welcher sie bis zu ihrem Tod in regelmäßigem Briefverkehr stand. Peter Altenberg, Egon Friedell und Franz Theodor Csokor waren ihr treue Freunde. Davon erzählt der Film nichts, aber er macht Lust, mehr über Lina zu erfahren.

Lina – ein aktuelles Rollenvorbild

Mit Sarah Born und Johannes Schüchner in den Hauptrollen wurden zwei junge Nachwuchstalente direkt von ihrer Ausbildung (Schauspielschule Krauss und MUK) gecastet. Mit ihnen darf man nicht nur Einblick nehmen in eine Beziehung, die von der Männerseite her noch im Rollenbild des 19. Jahrhunderts verhaftet war. Vielmehr weist Lina mit ihrer Unabhängigkeitsbestrebung und ihrem Mut bis weit in unsere Zeit, in der es nach wie vor nicht selbstverständlich ist, seiner eigenen Bestimmung zu folgen und authentisch zu leben.

Gerhard Rühmkorf.Sarah Born.Schloß Hagenberg Kopie

Foto: Peter Louis

Die ruhige Bildsprache (Kamera Wolfram Wuinovic), die auch mit Überblendungen und Flashbacks arbeitet und die Grenze zwischen Realität, Traum, Gegenwart und Vergangenheit öfters verschwimmen lässt, verleiht dem Film zusätzlich eine große Portion Poesie und unterstreicht damit sehr subtil die seelische Entwicklung der Hauptfiguren.

In weiteren Rollen: Benjamin Muth als Gymnasiast Heinz Lang, Gerhard Rühmkorf als väterlicher Freund und Verehrer Peter Altenberg und Michaela Ehrenstein als Sofie von Waldegg, einer fiktiven Figur, die für alle jene Frauen steht, die Lina Loos beeinflussten.

Ein Bahnhof als Sinnbild Europas

Ein Bahnhof als Sinnbild Europas

Am Ende des Crossing Europe Filmfestivals konnte Direktorin Christine Dollhofer eine erfreuliche Festivalbilanz ziehen. Die Besucherzahlen haben sich inzwischen bei ca. 20.000 Filminteressierten eingependelt. Diese Zahl umfasst nicht nur das Publikum in den Kinosälen, sondern auch jenes der Rahmenveranstaltungen und der abendlichen Konzerte im Rahmen der Nightline. Aus feuerpolizeilichen Gründen war die Kapazität der Nightline deutlich geringer als in den letzten Jahren. Das heißt im Umkehrschluss, dass heuer vor allem die Filme und Filmtalks außerordentlich gut besucht waren, was sich mit den subjektiven Eindrücken vor Ort deckt. Bei jedem besuchten Film, der hier rezensiert wurde, waren die Kinosäle voll. Das ist die beste Auszeichnung von Publikumsseite, die einem Filmfestival und seiner Programmierung widerfahren kann.
Bereits am Dienstagabend wurden die Preise vergeben. Im Europe Award teilten sich mit „Les Apaches/ Apaches“ (FR 2013) von Thierry de Peretti und „Family Tour“ (ES 2013) von Liliana Torres gleich zwei Filme das Preisgeld von 10.000,- €, was als Zeichen der dichten Qualität in diesem Programm gewertet werden kann.

Eine blonde Frau und ein junger Mann im Film "Géographie Humaine" - Crossing Europe

„Géographie Humaine“ – Crossing Europe (Foto: crossing europe)

„Géographie humaine/ Human Geography“ von Claire Simon erhielt den FEDEORA Award für den besten Dokumentarfilm, einen Film, den auch ich ausgezeichnet hätte. Die 1955 in London geborene Filmemacherin hat Ethnologie mit einem Fokus auf Nordafrika studiert und ist in ihrer filmischen Arbeit eine reine Autodidaktin. Sie arbeitet ebenso als Kamerafrau und Cutterin. War bereits in meinem ersten Text von einem Kino der Orte die Rede, so ist „Géographie humaine/ Human Geography“ wieder ein explizites Beispiel dafür. Schauplatz ist der Pariser Gare du Nord, Europas größter Bahnhof, an dem vom internationalen Schnellzug über die Lokalbahn bis zur Metro unzählige Verkehrslinien zusammenlaufen. Claire Simon interviewt darin in Begleitung des Freundes Simon Mérabet Reisende, Flaneure und Obdachlose. Ebenso Jugendliche, die ihre Freizeit dort verbringen, sowie Menschen, die im Bahnhof ihren Lebensunterhalt verdienen. Sei es als Sicherheitsmänner oder VerkäuferInnen in den diversen Geschäften und Lokalen. Die hohe Qualität der Interviews ist maßgeblich durch Mérabet gewährleistet. Dieser versteht sich nicht als Fragensteller, sondern als Gesprächspartner, der oft seine eigene Geschichte und (algerisch-französische) Herkunft in die Unterhaltungen mit einbezieht. In den Gesprächen, die das Leben kurz anreißen, dabei aber alles andere als beliebig sind, wird ein buntes Panorama quer durch die Gesellschaft gezeichnet. Ein kongolesischer Bahnhofs-Security, der einmal Politikberater in seiner Heimat war, zwei Franzosen, die mangels Jobalternativen zum Arbeiten nach Schottland gingen, ein schwules Paar für das der Bahnhof einmal in der Woche „von einander Abschied nehmen“ bedeutet oder ein Iraner aus gutem Haus, der ein kleines Schuhgeschäft im Gare du Nord betreibt.

Gare du Nord"war beim Filmfestival "Crossing Europe" in Linz zu sehen

„Gare du Nord“war beim Filmfestival „Crossing Europe“ in Linz zu sehen. (Foto: crossing europe)

Vielen dieser Geschichten und Charaktere begegnet man ein zweites Mal in „Gare du Nord“ (FR/CA 2013). Das ist sozusagen der Spielfilmzwilling, ebenfalls von Claire Simon. Rund um die ProtagonistInnen Ismael, Mathilde, Sascha und Joan entspinnt sie viele kleine episodische Geschichten, die sich immer wieder überlagern und gegenseitig vorantreiben. Ismael betreibt soziologische Studien für seine Doktorarbeit und macht nebenbei Kundenbefragungen, um Geld zu verdienen. In Mathilde, einer krebskranken Professorin für Geschichte, weckt er während einer dieser Befragungen das Interesse am „Gare du Nord“ und seiner eigenen wissenschaftlichen Arbeit. Joan, eine ehemalige Studentin von Mathilde, arbeitet nun als Immobilienmaklerin und trifft am Bahnhof viele Kunden aus England während Sascha – ein bekannter Fernsehkomiker – nach seiner verschwundenen Tochter und seinem verloren gegangenen Humor sucht. Ismael führt Mathilde – auch mit amourösen Hintergedanken – durch die vielen Ebenen des Bahnhofs und erklärt ihr dessen Mikrokosmos. Die Biographien der Ladenbesitzer und Angestellten decken sich oft mit den realen Geschichten des Dokumentarfilms, oder sind ganz deutlich daraus abgeleitet. In deutlicher Abgrenzung zu „Géographie humaine“ baut Simon in „Gare du Nord“ immer wieder kleinere fantastische Momente ein, um – wie sie sagt – den Bahnhof auch als mythischen oder rituellen Ort zu zeigen.

Am Festival wurden die Filme nicht in einem Doppelprogamm gezeigt, sondern getrennt voneinander in den Programmschienen panorama documentary und panorama fiction. Wie Simon beim Publikumsgespräch erwähnte, wurde „Géographie humaine/ Human Geography“ vom Verleih leider nur für Festivals freigegeben und soll jenseits dieser nicht gezeigt werden. Was sehr schade ist. Nicht nur, dass es ein spannender Versuch wäre, die beiden Filme in einer Art „Double Feature“ zu vermarkten. Die Filme ergänzen einander komplementär, ja sie bedingen einander. Durch die weitaus stärkeren Möglichkeiten der Inszenierung und der Montage im Spielfilm schafft es „Gare du Nord“, ein vielschichtiges Abbild des Bahnhofs als Gebäude und als Ort zu konstruieren. Dieser erstreckt sich über unzählige Stockwerke. Viel stärker als in „Géographie humaine“ wechselt die Kamera zwischen den einzelnen Ebenen hin und her und macht die Vielschichtigkeit erlebbar. Der Fokus auf persönliche Geschichten und die unglaubliche Fülle unterschiedlicher subjektiver Blickwinkel der Interviewten in „Géographie humaine“ ergänzen den Spielfilm wiederum um eine tiefere gesellschaftspolitische Dimension.

Die hier vorgestellten Arbeiten können natürlich nur einen kleinen Bruchteil aus dem großen Angebot an Filmen abbilden, die dieses Jahr bei Crossing Europe zu sehen waren. „Eastern Boys“ (FR 2013) nimmt seinen Ausgangspunkt ebenfalls am Gare du Nord, in welchem der zurückhaltende Daniel ein Auge auf den jungen Marek geworfen hat. Mareks Besuch bei ihm entwickelt sich ganz anders als erwartet, wie auch der Rest des Films. „Shemtkhveviti Paemnbi/ Blind Dates“ (GE 2013) erzählt von der humorig-skurrilen Partnersuche unter Erwachsenen in Georgien. „Hayatboyu/ Lifelong“ (TR, DE, NL 2013) von Asli Özge und „Exhibition“ (GB 2013) von Joanna Hogg werfen auf sehr unterschiedliche Art einen Blick auf sehr ähnliche Geschichten. Gut situierte, bürgerliche Paare in ihren 50ern, deren Beziehungskrisen eine symbolische Inszenierung in ihren jeweiligen Wohnhäusern in Istanbul bzw. London finden. In „Violet“ (BE, NL 2014) muss Jesse mit ansehen, wie sein Freund in einer leeren Einkaufpassage erstochen wird. Was folgt, ist eine unglaubliche Kommunikationsleere in der Jesse mit seinen (Schuld-)Gefühlen alleine zurückbleibt.
In der Horrorfilm-Schiene versucht sich Horror-Altmeister Dario Argento in „Dracula 3D“ (IT, FR, ES 2012) an Bram Stokers Klassiker, während in „Død Snø 2/ Dead Snow: Red vs. Dead” (NO 2014) wieder einmal Nazi-Zombies auferstehen und in einer Art Reenactment mit Rotarmisten-Zombies kämpfen. Die visuell und musikalisch reiche Tradition des „Giallo“ der 1970er Jahre wird nach „Amer“ in „L’étrange couleur des larmes de ton corps/ The Strange Colour of Your Body’s Tears“ (BE, FR, LU 2013) zum zweiten Mal zur Basis eines formal strengen, halluzinatorischen Films von Bruno Forzani und Hélène Cattet.
Die Langzeitdoku „Vojta Lavička: Nahoru a Dolů/ Vojta Lavička: Ups and Downs“ (CZ 2013) begleitet den Musiker und Rom Vojta Lavička für 16 Jahre episodisch durch sein Leben. In seiner klaren-direkten Art gibt er einen Einblick in die zwiespältige Selbsteinschätzung seiner Rolle als prominenter Rom in der tschechischen Gesellschaft. Gonçalo Tocha begibt sich in „A Mãe e o Mar/ The Mother and the Sea“ (PT 2013) auf die Spuren der Fischerfrauen von Vila Cha, kann jedoch leider nicht mehr allzu viel von dieser Vergangenheit einfangen.

„Crossing Europe“ hat auch dieses Jahr wieder eine klare Handschrift in der Programmierung gezeigt. Das eine oder andere Mal äußert sich die zwar in allzu ähnlichen Mach- und Ausdrucksarten der Filme, die man geradezu als typische „Crossing Europe“-Filme bezeichnen könnte. Doch alles in allem besticht das Programm durch eine große Breite und Vielfalt, die dennoch einen klaren Zusammenhang hat und immer wieder die Möglichkeiten zum Querdenken eröffnet. Daher darf man sich freuen, wenn „Crossing Europe“ im April 2015 europäische AutorInnen-Filme wieder so kompakt in die Linzer Kinos bringt.

Links:

Preise und Gewinner

Crossing Europe: Ein Kino der Orte

Crossing Europe: Ein Kino der Orte

Nach den ersten drei Tagen hat sich in meinem Kopf unter anderem ein Grundthema festgesetzt, dass sich, grob gesagt, in zwei Richtungen weiterführen lässt. Generell geht es um den Einfluss von Orten auf Geschichten und Erzählungen. Einerseits darum, wie Orte diese erst bedingen und hervorbringen, andererseits wie sie diese behindern. Von Zweitem berichten die zwei Dokumentarfilme: „L’escale / Stop-Over“ (CH/ FR 2013) von Kaveh Bakhtiari und „Second Class“ (SE/ LT 2012) von Marta Dauliūtė und Elisabeth Marjanović Cronvall.

L´escale/Stop-over ist beim Filmfestival Crossing Europe zu sehen. (Foto: Crossing Europe)

L´Escale/Stop.Over ist beim Filmfestival Crossing Europe zu sehen. (Foto: Crossing Europe)

In „L’escale/Stop-Over“ dokumentiert Bakhtiari das Leben seine Cousins Amir in einer Wohngemeinschaft illegaler Einwanderer in Athen. Sieben Männer aus dem Iran und eine Frau aus Armenien leben dort. Für alle ist Griechenland nur eine Zwischenstation. Ihre Sehnsuchtsorte heißen unter anderen Norwegen und Deutschland, sie wollen weiter nach Westen. Ihr alltägliches Leben besteht aus Warten und der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. Das hat Amir bereits einmal hinter sich, genauso wie eine daraus resultierende viermonatige Haftstrafe. Als Sinnbild dieses Versteckspiels blickt Bakhtiaris Kamera immer wieder auf den wehenden Vorhang der Souterrainwohnung, in der sich der Großteil des Films abspielt. Der Vorhang soll die Blicke von außen fernhalten. Gewartet wird auf eine Möglichkeit, aus dem lähmenden Status quo zu entfliehen. Diesen Ort hinter sich zu lassen, an dem die Geschichte vom neuen Leben in Europa ins Stocken geraten ist. An dem aber auch die Vergangenheit ihren Erzählwert verloren hat. Denn alle Bewohner dieser Wohngemeinschaft haben für sich entschieden, dass ihr bisheriges Leben in ihrem Hier und Jetzt keine Rolle mehr spielt. Vielmehr noch, dass es niemanden etwas angeht. Sobald sich eine Möglichkeit ergibt, sei es durch gefälschte Dokumente oder mit Hilfe von Schleppern, ergreift jeder seine Chance. Nach und nach löst sich die Gemeinschaft auf. Zwei begraben ihren Traum vom Leben im Westen und kehren in den Iran zurück, unter ihnen auch Amir.

Bakhtiari nimmt in seinem ersten Langdokumentarfilm eine Mittlerrolle ein. Aufgrund der gemeinsamen Sprache ist er ein Teil dieser Gruppe und doch immer auf der anderen Seite. Ein europäischer Staatsbürger mit Schweizer Pass. Ein Umstand, den der Film auch strukturell verdeutlicht. Bakthiari beansprucht in keiner Weise die Position des objektiven Beobachters. Er tritt zwar nie vor die Kamera, genau so wenig wie seine Stimme zu hören ist. Dennoch merkt man bei jedem Bild, bei jeder Aufnahme die Person, die hinter den Bildern ist. Für ein Jahr hat er mit den Männern gewohnt und hat sich in ihr aktuelles Leben eingefühlt. Aus unzähligen Stunden Material hat er einen Film gemacht, der Einblick gewährt, ohne seine Protagonisten zur Schau zu stellen. Diese Sensibilität mit der Bakhtiari beobachtet und die unglaubliche Nähe, die er zu erzeugen vermag, machen diesen Film so eindringlich.

Der Film "Second Class" des

Der Film „Second Class“ des Litauisch-Schwedischen Regisseurinnengespann Dauliūtė und Cronvall ist bei Crossing Europe zu sehen. (Foto: Crossing Europe)

Das Verhältnis von BeobachterIn und Beobachteten rückt in „Second Class“ vom Litauisch-Schwedischen Regisseurinnengespann noch stärker in den Vordergrund. Der Film läuft im Rahmen der Programmschiene „Arbeitswelten“. Diese beschäftigt sich im Speziellen mit ökonomischen Lebenssituationen, wobei dieses Thema quer durch alle Programmsektionen eine starke Präsenz zeigt.
Marta Dauliūtė und Elisabeth Marjanović Cronvall haben für ihre Dokumentation unzählige litauische Arbeitsmigranten gefilmt, die ihr Geld als Saisonarbeiter in Schweden verdienen. Beim Publikumsgespräch erzählen die beiden, dass sie ursprünglich nur auf den Fähren zwischen Litauen und Schweden filmen wollten, wo sie ihr Projekt starteten und die „Protagonisten“ ihres Films kennenlernten.

Im Laufe der ersten Recherche und Dreharbeiten beschlossen sie sich auf das Porträt vier junger Männer zu beschränken. Diese begleiten sie dann ebenso bei ihrer Forstarbeit und beim feierabendlichen Totschlagen der Zeit. Die Männer sind sich des Blicks, der auf ihnen ruht, jederzeit bewusst und suchen in den meisten Gesprächen einen Umgang damit. Meistens beantworten sie die Fragen mit einer Gegenfrage. Sie wollen wissen, welche Antwort denn von ihnen erwartet wird. Oft dringen Machtrelationen hervor, welche die Männer beschäftigen. Zwischen sich selbst und den Filmemacherinnen. Zwei gut ausgebildete Frauen und Männer, die „nur“ einen Pflichtschulabschluss haben. Jenseits dieses sehr bewussten Agierens vor der Kamera kommt jedoch immer wieder ein Blick hinter die Fassade zustande. Wie die Saisonarbeiter über Lohngefälle und die ihnen zugeschriebene Rolle der billigen, „zweitklassigen“ Arbeitskraft denken. Aber auch, was ihre Pläne und Absichten betrifft, die sich auf die Zukunft richten – ihr eigentliches Leben in Litauen. Denn gerade die Aufnahmen der vier Männer in ihrer schwedischen Unterkunft zeigt sie an einem Ort, der nur ein Übergangszustand ist, hauptsächlich ausgefüllt durch Arbeiten und Biertrinken.

Dokumentarfilme, die sich zusätzlich zu ihrem eigentlichen Thema selbstreflexiv mit der eigenen Arbeitsweise beschäftigen, drohen sich oft in dieser ambitionierten Aufgabe zu verlieren und total zu verflachen. Umso angenehmer ist die Lockerheit, mit der die beiden Regisseurinnen in diesem Fall so geschickt die unterschiedlichen Ebenen ineinander verweben.

Hungry Man beim Filmfestival Crossing Europe (Foto: Crossing Europe)

Hungry Man beim Filmfestival Crossing Europe (Foto: Crossing Europe)

In „Hungry Man“ (FR/ RO 2013) bestimmt ein Ort im rumänischen Donaudelta den Film. Der französische Regisseur Philip Martin hielt sich dort im Zuge einer Recherchereise für einen Dokumentarfilm auf. Er beschloss, etwas später, jedoch noch im selben Sommer, zurückzukehren und aus diesem Ort heraus einen Spielfilm zu entwickeln. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Grenzen zum Dokumentarischen manchmal verschwimmen. Die Geschichte ist kurz erzählt. Die Kamera beobachtet eine Gruppe Kinder beim Spielen und Zeitvertreib während eines heißen Sommers. Irgendwann entdeckt eines der Kinder einen bewusstlosen, verletzten Mann und versteckt ihn. Zwischen ihm und den Kindern baut sich langsam eine sehr stille, gleichzeitig einfache aber kraftvolle Beziehung auf. Gesprochen wird in diesem Film kaum. Die wenigen Dialoge sind nicht untertitelt und wären für das Verständnis des Films wahrscheinlich eher störend. Die Instruktionen des Regisseurs an seine Darsteller waren sehr gering. Das Spiel der Kinder, dem die Kamera folgt, ist das ihres täglichen Lebens.

„Hungry Man“ ist ausgesprochen kontemplativ. Jede Einstellung ist eine Momentaufnahme und jede dieser Momentaufnahmen ist gleichwertig. Kamerabewegungen finden so gut wie nicht statt. Die Montage von Claire Atherton wechselt nicht in der Geschwindigkeit, wodurch sich ein entschleunigter Rhythmus ergibt, der ein ganz spezielles Zeitgefühl hervorruft. Jenes, bei dem man nicht mehr entscheiden kann, ob man alle Zeit der Welt hat, oder die Zeit komplett abwesend ist. Immer wieder schweben die Gedanken über den ausgesprochen gut fotografierten Bildern assoziativ hinweg. Bei einem weiteren Schnitt trauert man kurz dem Moment hinterher, den man vielleicht gerade verpasst hat, um gleich zu verstehen, dass man ihn doch – und sei es nur unbewusst – in sich aufgesogen hat. So zählt der Film zu den wunderbaren Beispielen, deren Bilder und dessen Geschichte nach und nach wieder an die Oberfläche der Erinnerung kommen und aus dem Nichts unglaublich präsent sind. Ein Film, in dem man sich auf wunderschöne Weise selbst verlieren kann.

Links:

L´Escale/Stop-Over
Second class
Hungry Man

Ein filmisches Kaleidoskop Europas

Ein filmisches Kaleidoskop Europas

Crossing Europe, das unglaublich sympathische Filmfestival in Linz, findet heuer zum elften Mal statt. Es wurde 2004 von Wolfgang Steininger, dem Betreiber des Moviemento- und City-Kino in Linz, und Christine Dollhofer, der vormaligen Leiterin der Diagonale in Graz, ins Leben gerufen. Dies geschah unter anderem in Hinsicht auf die Bewerbung der Stadt Linz als Europäische Kulturhauptstadt. Die wichtigsten öffentlichen Fördergeber sind die Stadt Linz, das Land Oberösterreich und der Bund. Zu den langjährigen Sponsoren zählen die Hypo OÖ und die Linz AG. Seit 2006 wird das Festival ebenso durch das Media-Programm der EU unterstützt und in den Jahren 2007 bis 2009 wurde Crossing Europe als wichtige Teilveranstaltung von Linz09 aus dem Budget der Kulturhauptstadt mitfinanziert. Erfreulich ist, dass sich das Festival über die Marke 2009 hinaus etablieren konnte. Es ist zu einem wichtigen kulturellen Faktor in Linz, in Österreich und der gesamteuropäischen Filmfestivallandschaft geworden. Dazu hat beigetragen, dass dieses Festival seit Beginn eine gut durchdachte Programmstruktur hat, in der sich die einzelnen Schienen gut ergänzen. Ebenso wichtig war die von Anfang an forcierte kluge Vernetzung mit lokalen wie auch europäischen Kulturinitiativen und -institutionen. Wer sich näher für die detaillierte Geschichte des Festivals interessiert ist findet hier alle Informationen.

Plakat Crossing Europea

Crossing Europe – Filmfestival Linz (c) Designwerk Linz/Foto: Gerhard Wasserbauer

Dieses Jahr werden von 25. bis 30. April werden 184 Filme aus 37 unterschiedlichen Ländern gezeigt. Ergänzt wird die sehr dichte Zusammenstellung an Filmen von unterschiedlichen Rahmenveranstaltungen. Der Name des Festivals ist seit dem ersten Jahrgang Programm. Als Wagnis bezeichnet die Festivaldirektorin Christine Dollhofer das Konzept, ein Filmfestival inhaltlich ganz auf Europa auszurichten. Doch genau diese präzise Fokussierung auf unabhängiges, exzentrisches AutorInnen-Kino ist die ungemeine Stärke des Festivals. Zwischen den Filmen entsteht so eine Vielzahl von Verknüpfungspunkten und oft verschmelzen die diversen Filme zu einem großen kaleidoskopischen Bild, dessen Facetten sich im Laufe der Festivalwoche immer wieder verschieben und verändern. Ganz so, wie es mit unserer alltäglichen Sicht auf Europa geschieht. Crossing Europe versucht jedoch nicht nur einen introspektiven Blick auf Europa zu werfen. So betont Christine Dollhofer, dass es in einigen Filmen des Festivals auch um die Vorstellungen jener geht, die ‚draußen’ sind und Europa als uneinnehmbare Festung oder als idealisierten Sehnsuchtort sehen.

Eine solche Außensicht bietet der Film „L’escale/Stop over“ von Kaveh Bakhtiari aus der Programmschiene European Panorama Documentary. Dies ist auch einer der sechs Eröffnungsfilme mit dem das Festival startet. Bakhtiari, ein in der Schweiz lebende Regisseur mit iranischen Wurzeln, dokumentierte über die Laufzeit eines Jahres das Leben seines Cousins in Athen. Dieser ist dort ohne Aufenthaltsgenehmigung und ohne gültige Papiere gestrandet und sein Leben besteht großteils aus einer ungewissen Zukunft und Warten.

Auf andere Weise nähert sich die oberösterreichische Regisseurin Ella Raidel in „Double happiness“ der Sicht von Innen und Außen. Ihr Film dokumentiert den Nachbau des Ortes Hallstatt in China und untersucht die Motivation und Hintergründe für dieses Projekt. Mit der eigenen (Linzer) Kulturszene beschäftigt sich „Texta in & out“ von Dieter Strauch, der die Hip-Hop-Formation Texta über das vergangene Jahr begleitet und filmisch porträtiert hat. Beide Filme laufen neben der Eröffnung in der Local Artists Reihe. Diese bildet das vielfältige und lebhafte Filmschaffen in Oberösterreich ab und zeigt, dass eine regionale Verankerung notwendig ist, um den Blick umherschweifen zu lassen.

Die Nachtsicht wiederum widmet sich dem europäischen Genre-Kino, oder genauer gesagt dem fantastischen Kino. Am Freitag kann man sich bei Álex de la Iglesias „Las brujas de zugrramurdi/witchting and bitching“ ein erstes Bild davon machen. Mit „Under the skin“ von Jonathan Glazer und „Un chateau en intalie/Ein Schloss in Italien“ von Valeria Bruni Tedeschi ist das European Panorama Fiction am Eröffnungsabend vertreten. In dieser Programmschiene laufen herausragende Arbeiten des eigenwilligen europäischen AutorInnen-Kinos, die keinen Platz im Wettbewerb haben. Denn dieser hat die klare, wie spannende Einschränkung nur Erstlings- oder Zweitlingswerke zu zeigen. So lassen sich im Wettbewerb immer wieder neue RegisseurInnen entdecken, während das Panorama die Kontinuität und Entwicklung vieler dieser FilmemacherInnen weiterschreibt. Ebenso könnte man die Programmschiene Tribute beschreiben. Diese ist heuer der britischen Filmemacherin Joanna Hogg gewidmet, die bereits zum dritten Mal in Linz zu Gast ist. Im Zuge dessen werden die beiden Filme „Unrelated“ und „Archpelago“ (2008 bzw. 2011 im Wettbewerb) noch einmal in Linz zu sehen sein. Komplettiert wird das Programm von ihrem neuen Langspielfilm „Exihibition“, sowie 3 Kurzfilmprogrammen. In einem ist ihr Studienabschlussfilm „Caprice“ zu sehen, in der Hauptrolle die junge Tilda Swinton. Ein umfassender Blick auf das diesjährige Programm findet sich hier.

Crossing Europe wird 2014 ca. 650 Film-, Presse- und Branchengäste zu Besuch haben. Dennoch versteht sich das Festival genauso stark als Publikumsfestival und ist sich dieser Rolle sehr bewusst. Die kompakte Größe des Festivals schafft eine Durchlässigkeit, die jederzeit Berührungs- und Austauschmöglichkeiten zwischen Publikum und Gästen ermöglicht. Bei den unterschiedlichen Rahmenprogrammen, wie bei den täglichen Partys auf der Nightline kommt man sehr schnell ins Gespräch. Diese spezielle Stimmung wird es hoffentlich auch dieses Jahr wieder geben. Gerade als Publikumsfestival hat Crossing Europe eine große Relevanz, weil es Filme, die leider allzu oft keinen Verleih mehr finden, dort hinbringt, wo sie hingehören: in einen Kinosaal.