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	<title>European Cultural News &#187; Tanz</title>
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		<title>Wenn Kunst richtig Spaß macht (2)</title>
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		<pubDate>Tue, 01 Jun 2010 16:21:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival Nouvelles]]></category>
		<category><![CDATA["festival nouvelles"]]></category>
		<category><![CDATA[Cie Somebody]]></category>
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		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Vincent Posty]]></category>
		<category><![CDATA[zeitgenössische Kunst]]></category>

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		<description><![CDATA[Unter dem Generalthema “Ein außergewöhnlicher Tag i [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unter dem Generalthema “Ein außergewöhnlicher Tag in Selestat” war das Festival nouvelles zu Gast im FRAC</strong></p>
<div id="attachment_3307" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/06/crash-roar-din.jpg"><img class="size-medium wp-image-3307" title="crash roar din" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/06/crash-roar-din-300x200.jpg" alt="" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">CIE Somebody (c) Jean-Philippe Senn</p></div>
<p>Teil 2</p>
<p>Der junge Mann am Bass hat´s drauf. Er gibt einen harten, stringenten Beat vor, nach dem die drei Tänzer – zwei Männer und eine Frau unbeschwert – im wahrsten Sinn des Wortes &#8211; den großen Raum „erobern“. Der große Raum ist ein Ausstellungsraum des FRAC, viele Meter lang und auch viele Meter hoch. Raum erobern heißt in diesem Fall, wiederum im wahrsten Sinn des Wortes, ihn nicht nur tänzerisch der Länge und Breite nach zu durchmessen. Raum erobern heißt auch, zur Überraschung des Publikums, einen Ständer der offenen Stahlkonstruktion behände nach oben zu klettern um von dort, angekommen an der Außenfront, die ganz aus Glas besteht, in vielen Metern Höhe wie eine Skulptur stehen zu bleiben und nach außen zu blicken. Den Zusehern bleibt kurz der Atem stehen. Die beiden am Boden Verbliebenen blicken nach oben, tanzen weiter und nehmen den Artisten, der kurz zuvor noch in schwindelnden Höhen wie ein übermütiger Affe an der Stahlkonstruktion baumelte,  anschließend wieder wie selbstverständlich in ihre Formation auf. Der Bassist wechselt zur E-Gitarre, einer der Tänzer produziert sich als Sänger, während alles ständig in Fluss bleibt, während die Tanzenden sich leiten lassen von den Improvisationen, zusammenfinden, wieder auseinanderdriften. Nachdem die Musik für kurze Zeit verstummt ist, geht der Tanz unvermindert weiter. Die Tänzer vereinigen sich abermals, reagieren auf ihre gegenseitigen Gesten und ihre Körpersprache und haben – und das macht die Besonderheit dieser Tanzperformance aus – offenkundig große Freude an ihrem Tun. Ihre Gesichter lachen während ihrer Begegnungen, bleiben entspannt, auch in anstrengenden Schritt- und Bewegungsfolgen, so, als sei dieser Ausdruck für sie so natürlich wie das Sitzen oder Gehen. Die rockige, trashige Musik, die Vincent Posty der Aktion unterlegt, bietet den Akteuren einen Grundraster an. Einen Teppich, dessen Farben sie kennen, dessen Formen sie aber je nach Eingebung immer neu erfinden können. „Crash Roar Din“ von CIE Somebody  erhält gerade im musealen Umfeld noch eine weitere Dimension. Die Körper im Raum, nicht auf der Bühne, teilweise ganz nah am Publikum, lassen gänzlich neue Erfahrungen zu.  In jenen Sequenzen, in denen die Tänzerin und die Tänzer ihre Bewegungen kurz einfrieren, mutieren sie zu Skulpturen, in der Kletteraktion zu Akrobaten, durch den Gesang zu Sängern. Marjorie Burger-Chassignet, Sébastien Dupré und Galaad Le Goaster halten die Zeit an. Mit ihren Bewegungen, ihren offenkundigen Selbstreflexionen aber auch Reaktionen auf die anderen gelingt ihnen in dieser Performance, das Publikum ganz für sich einzunehmen. Es für eine halbe Stunde mitzunehmen in ihre eigene Welt, die Gedanken nicht manipuliert, sondern vielmehr, wie ihre Choreografie, fließen lässt. Immer neu, immer anders, immer selbstbestimmt und immer freundlich. So könnte man sich das ideale Leben vorstellen.</p>
<div id="attachment_3308" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/06/Guillaume-Desanges.jpg"><img class="size-medium wp-image-3308" title="Guillaume Desanges" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/06/Guillaume-Desanges-300x199.jpg" alt="" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Guillaume Desanges (c) Frac Lorraine</p></div>
<p>Mit Guillaume Desanges und seiner „Geschichte der Performance in 20 Minuten“ schloss der Reigen der Kunstaktionen im FRAC in Selestat anlässlich des „festival nouvelles“. Desanges, der mit Frédéric Cherboeuf einen genialen Partner fand, erklärte in einer Lesung, dass sich die Geschichte der Performance in 10 Gesten einteilen lässt. Der Kunstkritiker und Ausstellungskurator schlüpfte bei dieser Aktion selbst in die Rolle des Akteurs – wenngleich auch nur des Lesers. Cherboeuf hingegen setzte das in Körpersprache um, wovon Desanges jeweils ein Bild zu geben versuchte. Ganz im Sinne der Postmoderne schickte er voraus, dass es nichts mehr gibt, was nicht schon gesagt oder gezeigt worden wäre und dennoch gelingt es ihm, diesem „alles schon Dagewesenem“ eine neue Dimension hinzuzufügen. Dabei geht es Schlag auf Schlag. Aktionen von Bruce Nauman, Niki de St.Phalle, Vito Acconci und vielen anderen, bis hin zu den Wiener Aktionisten mit Otto Mühl und Günther Brus lässt Desanges mit der körperlichen Umsetzung durch Gesten und Aktionen wie „gegen die Wand springen“ oder „sich über den Lesetisch legen“  illustrieren. Niki de St. Phalles Farbschießaktion wird in der Bewegung eingefroren, die man beim Abzug einer Flinte einnimmt, Otto Mühls Fäkalaktionen hingegen wurden durch jenes Hocken gekennzeichnet, das der Künstler ehemals vor der Kamera einnahm, die die Verrichtung seiner Notdurft festhielt. Guillaume Desanges Beitrag entspricht voll und ganz dem Zeitgeist, der sich in der Aufarbeitung der Vergangenheit mit neuen kreativen Mitteln ausdrückt.</p>
<p>Wie schon Prinz Gholam oder Nicolas Boulard zuvor, zeigte er, dass es auch in dieser Phase der Kunstgeschichtsproduktion, um es ganz lapidar darzustellen, Momente und Ansätze gibt, in welchen die Künstler nicht in reine Eklektizismen verfallen, sondern dass mit ihnen ganz bewusst umgegangen wird und sie dadurch sehr wohl mit neuen, kreativen Ideen aufgeladen werden können. Die Künstler waren bei diesen Aktionen alle imstande, trotz des hohen, intellektuellen Niveaus, auf dem sich diese Kunstproduktionen bewegten, das Publikum anzusprechen. Und dazu trägt maßgeblich die ironische Komponente bei, die allen drei Kunstproduktionen– wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß &#8211;  inne wohnten.<br />
Ein gelungener Nachmittag mit wohl überlegten und gut aufeinander abgestimmten Aktionen der Appetit machte auf mehr zeitgenössische Kunst.</p>
<p>Fast hätte ich´s vergessen: was das „Bring“ anlangte – bei dem alle Teilnehmer etwas zu essen mitbrachten, das dann zu einem Buffet aufgebaut wurde – das war der volle Erfolg und kann getrost weiter empfohlen werden;  gerade in Zeiten von allgemeinen kulturellen Sparmaßnahmen!</p>
<p>Teil 1 finden Sie hier: <a href="http://european-cultural-news.com/wenn-kunst-richtig-spas-macht/3277/" target="_self">Wenn Kunst richtig Spaß macht Teil 1</a></p>


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		<title>Black Swan – wie es sich anfühlt, ein Kind zu sein</title>
		<link>http://european-cultural-news.com/black-swan-%e2%80%93-wie-es-sich-anfuhlt-ein-kind-zu-sein/3254/</link>
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		<pubDate>Sun, 30 May 2010 20:15:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival Nouvelles]]></category>
		<category><![CDATA[Theater | Tanz]]></category>
		<category><![CDATA["festival nouvelles"]]></category>
		<category><![CDATA[Black Swan]]></category>
		<category><![CDATA[Gilles Jobin]]></category>
		<category><![CDATA[Pole Sud Straßburg]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Tanztheater]]></category>

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		<description><![CDATA[
Ein Abend – rein dem Tanz gewidmet – so wurde sin [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_3253" class="wp-caption alignleft" style="width: 437px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/Gilles-Jobign1-2.jpg"><img src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/Gilles-Jobign1-2.jpg" alt="" title="Gilles Jobign1 (2)" width="427" height="640" class="size-full wp-image-3253" /></a><p class="wp-caption-text">Black Swan von Gilles Jobin (c) Thierry Burlot</p></div><br />
Ein Abend – rein dem Tanz gewidmet – so wurde sinngemäß die Choreografie von Gilles Jobin für sein Stück „Black Swan“ angekündigt. Er gastierte mit seiner Gruppe anlässlich des „festival nouvelles“ im Pôle-Sud in Straßburg. Was auch den Ankündigungsunterlagen zu entnehmen war  &#8211; dass sich der Titel „Black Swan“ also „Schwarzer Schwan“ auf die Falsifizierungstheorie Sir Karl Poppers bezieht, ist zwar eine Zusatzinformation die zu philosophischen Ansätzen verleitet, um das Stück an sich zu beschreiben, ist sie jedoch wenig erhellend. „Reiner Tanz“, also Tanz, der nichts will, als auf sich selbst referenziert zu bleiben, so wie man in der Musik gerne auch von „absoluter“ Musik spricht, der kein Programm hinterlegt ist, „reiner Tanz“ wurde an diesem Abend jedoch definitiv nicht geboten. Gilles Jobin mag dies zwar vorgeben. Wenn man aber diese Vorgabe beiseite schiebt und sich auf die logische Abfolge seines Stückes unvoreingenommen einlässt, um sich danach einen Reim daraus zu machen, dann fällt auf, dass er uns subtil tief zurückführt in unsere eigene Kindheit. </p>
<p>Er führt uns zurück in jene Zeit, in der wir erstmals begannen, uns selbst zu entdecken. Die langen, fließenden Passagen der beiden Tänzerinnen ganz zu Beginn, in denen sie sich nur mit sich selbst beschäftigten und danach den dazugetretenen Tänzer nur als Stützhilfe benutzten, kann in diese Richtung hin interpretiert werden. Jobin transferierte uns, wenn auch unterschwellig, in jene Zeit, als wir mit Plüschtieren und Puppen  spielten, uns in sie hineinversetzten, um ganz in ihre Rollen zu schlüpfen. <div id="attachment_3255" class="wp-caption alignright" style="width: 437px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/BS4ThierryBurlot-2.jpg"><img src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/BS4ThierryBurlot-2.jpg" alt="" title="BS4ThierryBurlot (2)" width="427" height="640" class="size-full wp-image-3255" /></a><p class="wp-caption-text">Black Swan von Gilles Jobin (c) Thierry Burlot</p></div>Die Freude, die wir darin empfanden, die ausgelassenen Sprünge, das Eintauchen in die Welt eines imaginierten Wesens zeigte er wiederum in jener Szene, in der er mit einem zweiten Tänzer ausgelassen über die Bühne hüpfte – die Hände in Plüschpuppen steckend, die graue Hasen mit langen Ohren verkörperten. Nach der Beschäftigung und der Entdeckungsreise in uns selbst folgte jene, in der wir mit anderen zu spielen begannen. In der wir uns gegenseitig nachliefen, versteckten, balgten und nicht mehr wussten, wo in der Hitze des Spielgefechtes unser eigener Körper aufhörte und der unseres Freundes begann. Gilles Jobin fand dafür ein anschauliches Bild: Ein menschliches Knäuel von 4 Personen, die sich mit einigen Stoffpferden als eine Gemengenlage  quer über die Bühne rollten oder besser übereinanderschoben, ohne dass man die einzelnen Körper überhaupt noch als einzelne Körper wahrnehmen konnte. Ein Bild, das gerne in der zeitgenössischen Choreografie eingebaut wird – bei Jobin durch das Mitaufnehmen der Stofftiere jedoch noch einmal einen ganz persönlichen Ausdruck findet. Jobin zeichnet anhand von vier verschiedenen Szenerien die kindliche Entwicklung nach, die sich, nach der Bewusstwerdung des Ichs zum Austausch mit den anderen wendet um – ganz zum Schluss – fast schon in Macchiavelli´scher Art und Weise die Freunde im strategischen Spiel dorthin zu bewegen, wo wir sie gerne gehabt hätten. Die mehrere Meter langen Stäbe, die den Tänzern als Verlängerung ihrer eigenen Arme in die Hand gegeben wurden, zeigten, dass die Lust am Entdecken der Möglichkeiten dieses unbekannten Werkzeuges bei der Erarbeitung Choreografie im Vordergrund gestanden sein muss. Das Wischen über den Boden damit, das sich ineinander Verschränken und dennoch nicht Verhaken bot Anschauungsmaterial genug, um Parallelen zur ehemals eigenen kindlichen Entdeckerfreude bei neuem Spielzeug zu finden. Das Verschieben von gut einem Dutzend Plüschpferden, mit denselben Stäben im nächsten Bild wiederum, leitete jene Phase ein, die im realen Leben gemeinhin als Erwachsenwerden bezeichnet wird. Ein Stadium, mit dem die Choreografie Jobins jedoch endete. </p>
<p>Mag sein, dass Jobins Ideen und Vorstellungen von einem anderen inneren Drehbuch als meinem bestimmt waren. Mag sein, dass einige im Publikum das Stück tatsächlich als „reines“ Tanzstück wahrnahmen. Ich für mich bin froh, durch „Black Swan“ zum Nachdenken und Nachspüren angeregt worden zu sein, wie schön es sich einst anfühlte, die Welt zu entdecken. Und auch zu erkennen, dass es mithilfe der Kunst auch heute noch Mittel und Wege gibt, sich daran intensiv zu erinnern.</p>


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		<title>Ein Buch ist eine Idee ist ein Buch</title>
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		<pubDate>Sat, 29 May 2010 12:05:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Festival Nouvelles]]></category>
		<category><![CDATA["festival nouvelles"]]></category>
		<category><![CDATA["festival nouvelles" Straßburg]]></category>
		<category><![CDATA[George Appaix]]></category>
		<category><![CDATA[Pole Sud]]></category>
		<category><![CDATA[Pôle Sud Strasbourg]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[Georges Appaix CIE La Liseuse mit dem „Bewegten Sexte [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><strong>Georges Appaix CIE La Liseuse mit dem „Bewegten Sextett im Lesesaal“</strong></em></p>
<div id="attachment_3236" class="wp-caption alignleft" style="width: 346px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/Appaix-888bis.jpg"><img class="size-full wp-image-3236" title="Appaix-888bis" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/Appaix-888bis.jpg" alt="" width="336" height="448" /></a><p class="wp-caption-text">Cie la liseues - (photo: Georges Appaix)</p></div>
<p>Anlässlich des „festival nouvelles“ in Straßburg organisierte das Veranstaltungszentrum Pôle-Sud in der Mediathek André Malraux eine Performance von und mit Georges Appaix und seiner Truppe. Eigens für den Lesesaal – der in diesem Gebäude elsässisch  als „Stammtisch“ ausgeschrieben ist, kreierte er ein Stück rund um, mittendrin, über und unter Büchern. Und das kann man ruhig wörtlich nehmen. Das Publikum saß an den langen Bibliothekstischen und wurde umspült von Worten und Gesten, von geklatschtem und gesprochenem Rhythmus, von Tanz und Akrobatik. Momente der Komik – wie zum Beispiel jene, in denen die Akteure in einem anscheinend wirren Austausch, dem doch ein genauer Plan zugrunde liegt, sich ein Buch nach dem anderen in die Hand drücken, um kurz zu kommentieren, dass sie das nicht gesucht hätten, oder dem Suchen nach Büchern, die zwar alphabetisch eingeordnet scheinen, dann aber doch einer anderen alphabetischen Logik als der Herkömmlichen in einer Bibliothek folgen, kommen am laufenden Band vor.</p>
<div id="attachment_3237" class="wp-caption alignright" style="width: 423px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/Appaix-914bis.jpg"><img class="size-full wp-image-3237" title="Appaix-914bis" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/Appaix-914bis.jpg" alt="" width="413" height="236" /></a><p class="wp-caption-text">copyright : Georges Appaix</p></div>
<p>Unterbrochen werden diese &#8211; von allen wahrnehmbaren Aktionen &#8211; dann aber doch auch von ganz intimen. Dazu nahm sich jeder der Akteure ein Buch und stellte sich ganz nah an zwei, drei Menschen aus dem Publikum, sodass er ihnen mit leiser Stimme vorlesen konnte. Eine schöne Lektion, wie sehr das Wort fesseln kann, wie sehr es alle Aufmerksamkeit auf sich zieht und wie magisch diese Anziehungskraft wirkt. Die rhythmisch geprägten Einlagen, die durch das Verwenden von Büchern als Schlaginstrumente erzeugt wurden, begleiteten jene tänzerischen Partien, in welchen Partnerschaftskämpfe genauso ihren Ausdruck fanden, wie gruppendynamische Prozesse oder auch gymnastische Übungen, in denen anstelle von Bällen eben Bücher verwendet wurden. Große Bücherständer, auf denen Bücher zu skulpturalen Gebilden vereinigt waren, aber auch ein überdimensionales Buch, in welchem die einzige Frau der Companie anfangs stehend Platz fand, um, selbst in einem Buch lesend, manches Mal belehrend durch ihre überdimensionale Brille in das Publikum zu blicken, ergänzten das Geschehen und gaben dem Raum eine zusätzliche theatralisch-museale Aussage. Sprachspiele mit hoch komplexen und philosophischen Aussagen standen jenen gegenüber, die kleine Kinder in der Grundschule üben, wenn es zum Beispiel darum geht, eine Satzkette zu bilden. Kurzum, kein Wort blieb auf dem anderen. George Appaix ist ein Künstler, dem es zugleich gelingt, dem Buch als eines der höchsten Kulturgüter gleichzeitig seinen intellektuellen Nimbus zu rauben, um ihn an anderer Stelle ganz unerwartet wieder hoch aufzubauen.</p>


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		<title>Gestriges und (fast) Heutiges</title>
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		<pubDate>Mon, 17 May 2010 20:47:12 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater | Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Johan Inger]]></category>
		<category><![CDATA[Kiri kylian]]></category>
		<category><![CDATA[Opera national du rhin]]></category>
		<category><![CDATA[Overgrown Path]]></category>
		<category><![CDATA[Sinfonietta]]></category>
		<category><![CDATA[Strasbourg]]></category>
		<category><![CDATA[Straßburg]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Walking Mad]]></category>
		<category><![CDATA[zeitgenössischer Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[
beim Tanzabend Kylián/Inger an der Opéra national d [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><div id="attachment_3168" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/sinfonietta-de-jiri-kylian-ballet-du-rhin-photo-jl-tanghe.-100423_dr_100912.jpg"><img src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/sinfonietta-de-jiri-kylian-ballet-du-rhin-photo-jl-tanghe.-100423_dr_100912-300x200.jpg" alt="" title="sinfonietta-de-jiri-kylian---ballet-du-rhin---photo-jl-tanghe.-100423_dr_100912" width="300" height="200" class="size-medium wp-image-3168" /></a><p class="wp-caption-text">Sinfonietta von Jiri Kylian (c) jl-tanghe</p></div><br />
<strong>beim Tanzabend Kylián/Inger an der Opéra national du Rhin</strong></p>
<p>Mit Jiří Kyliáns beiden Choreographien Sinfonietta und Overgrown Path und Johan Ingers Walking Mad brachte das Ballett der Opéra national du Rhin in Straßburg drei – bzw. vier Werke auf die Bühne, die fast so etwas wie einen Stempel der Jahreszahl ihrer Entstehung tragen.</p>
<p>Kylián, der über 70 Choreografien für das Nederlands Dans Theater erarbeitete und dieses bis 1999 als künstlerischer Direktor leitete und weltberühmt machte,  schuf beide Arbeiten nach der Musik seines tschechischen Landsmannes Leoš Janáček, wobei die Sinfonietta vom Band eingespielt wurde und das Werk „Auf verwachsenem Pfade“ in der Originalfassung für Klavier von Maxime Georges live interpretiert wurde. Die Entstehungszeit der Arbeiten – 1978 für die Sinfonietta sowie 1980 für Overgrown Path liegen – für die heutige, schnelllebige Kunstlandschaft – Ewigkeiten zurück. Und man sieht es ihnen auch an. </p>
<p>Die folkloristisch-pathetisch angehauchte musikalische Erzählung Janáčeks findet in Kyliáns tänzerischer Interpretation einen ebenbürtigen Widerpart. In den langen Sprung- und Hebefigurpartien zelebrierte der Choreograf Historisches – nur wenige zeitgenössische Hinweise machten klar, dass er sich am Beginn einer neuen Ära befand. War die Sinfonietta sein künstlerischer Durchbruch, mit dem er in den Choreografenhimmel aufstieg, so ist Overgrown Path dennoch schon Meilen weiter in die Zukunft gedacht und getanzt. Jeder Satz wurde mit einer veränderten Besetzung versehen, wobei vor allem die Figuren, die Kylián aus drei Personen zusammensetzte, von einer Ästhetik geprägt sind, die trotz ihres ständigen Wechsels eine feine, zarte Geschmeidigkeit zeigen, die den Tanz in seiner schönsten Form zelebriert. Die Stelle, in der das Liebespaar sich gegenseitig, aber auch selbst zärtlich den Kopf hält, berührt und offenbart zugleich, wie groß Jiří Kyliáns Gespür für jede einzelne Klangfarbe des Werkes war und wie koherent er dies umsetzen konnte. Der bedrückende Schluss, das Verlassenwerden und das Abschiednehmen, wird noch lange nach dem Verklingen der letzten Note getanzt, lange, nachdem der Pianist sein Klavier verlassen hat.<br />
<div id="attachment_3167" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/walking-mad-de-johan-inger-ballet-du-rhin-erika-bouvard-alex-van-hoorde-et-miao-zong-photo-jl-tanghe.-100423_dr_101210.jpg"><img src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/05/walking-mad-de-johan-inger-ballet-du-rhin-erika-bouvard-alex-van-hoorde-et-miao-zong-photo-jl-tanghe.-100423_dr_101210-300x200.jpg" alt="" title="walking-mad-de-johan-inger---ballet-du-rhin-erika-bouvard-alex-van-hoorde-et-miao-zong---photo-jl-tanghe.-100423_dr_101210" width="300" height="200" class="size-medium wp-image-3167" /></a><p class="wp-caption-text">Walking mad von Johan Inger (c) jl-tanghe</p></div><br />
Im krassen Gegensatz dazu stand der zweite Teil des Abends – Johan Ingers Arbeit „Walking Mad“ aus dem Jahr 2001, die aus dem Bolero von Ravel und Arvo Pärts „Für Aline“ zusammengesetzt ist. Obwohl nun auch schon beinahe 10 Jahre alt, besticht die Choreografie Ingers, der von Kylián einst ans Nederlands Dans Theater gerufen worden war und später intensiv mit dem Cullberg Ballett zusammenarbeitete, nach wie vor durch ihren Witz, ihre Frische und ihre Überraschungselemente im Bühnenbild. Eine lange Bretterwand, die sich wie in alten Slapstickfilmen oder auch Komödien durch mehrere auf- und zugehende Türen belebt, wird neben den Tänzerinnen und Tänzern zum Hauptdarsteller. Als einer der Tänzer an der Wand hochspringt und diese nach hinten umkippt, um sofort auf dem Boden liegend wieder zum Tanzboden zu werden, hält das Publikum kurz den Atem an. Ingers Bolero erweist sich als Hintergrundmusik zu einem Geschlechterkampf, der teilweise brutal offen ausgetragen wird. In den Partien, in denen ein Paar entlang der nun in der Mitte zusammengeknickten Wand sich gegenseitig gegen diese drückt, sich gewaltsam auf den Boden schleudert oder fallen lässt, gerät die Choreografie beinahe schon zu einer Stuntregie. Die mit roten Kappen versehenen Zwergenmänner, die einer Frau wie von Sinnen hinterher laufen und dabei in ihren Bewegungen davon sprechen, wie unbeschwert und fröhlich das Leben doch sein kann, stehen dazu im krassen Gegensatz. Aber Gegensätze ziehen sich an – zumindest funktioniert es auf der Bühne bei Inger wunderbar. Dass bei zeitgenössischem Tanz wie diesem hier auch gelacht werden darf, kommt so selten vor, und tut doch so unendlich gut, dass er dafür noch nachträglich einen Orden verliehen bekommen müsste. </p>
<p>„Für Aline“ zeigt im Abschluss noch einmal den tragischen Versuch eines Mannes, eine Frau zu erobern, die doch ihre vorangegangene Liebe nicht vergessen kann. Anziehung und Abstoßung sind auch hier die tragenden Elemente, wenngleich die Poesie der Bewegungen hier viel stärker zum Tragen kommt. Der unversöhnliche Schluss verschränkt sich mit jenem zuvor gesehenen von Kylián und kann so fast wie das Anschlussglied zu einem Perpetuum mobile eines Tanzabends gesehen werden. </p>
<p>Die Stücke von Kylián/Inger verweisen auf die jüngste und etwas länger zurückliegende Geschichte des zeitgenössischen Tanzes und schärfen in dieser Kombination ganz besonders den Blick für die Entwicklung bis heute. Dem Straßburger Tanzensemble wird durch die große Bandbreite der Stücke nicht wenig zugemutet. Einige Tänzer standen sowohl in der Sinfonietta als auch in Walking Mad auf der Bühne, was ein blitzschnelles Wechseln in völlig andere Bewegungsmuster bedeutet. Dass hier so manche Präzision der Synchronizität  – vor allem in dem am klassischen Ballett orientierten Werk der Sinfonietta – ein wenig auf der Strecke bleiben musste, ergibt sich fast zwangsläufig. Der von allen Tänzerinnen und Tänzern meisterlich interpretierte Bolero mit seiner daran anschließenden Aline wurde zum Publikum zu Recht enthusiastisch beklatscht. </p>


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		<title>Immer nach Mitternacht</title>
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		<pubDate>Sun, 11 Apr 2010 19:39:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Theater | Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Brigitte Seth und jean-Baptiste Veyret-Logerias]]></category>
		<category><![CDATA[CIE Toujours après minuit]]></category>
		<category><![CDATA[Dery Fazio]]></category>
		<category><![CDATA[genre oblique]]></category>
		<category><![CDATA[Geoffroy Tamisier]]></category>
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		<category><![CDATA[Jordi Ros]]></category>
		<category><![CDATA[Pole Sud]]></category>
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		<category><![CDATA[Roser Montlló Guberna]]></category>
		<category><![CDATA[Tanz]]></category>

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		<description><![CDATA[

Zeitgenössisches Tanztheater in historischer Dekor [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_2795" class="wp-caption alignleft" style="width: 650px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/04/genre-oblique.jpg"><img class="size-full wp-image-2795" title="genre oblique" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2010/04/genre-oblique.jpg" alt="" width="640" height="350" /></a><p class="wp-caption-text">CIE Toujours après minuit &quot;Genre oblique&quot; (c) Brigitte Eymann</p></div>
<p>Zeitgenössisches Tanztheater in historischer Dekoration – das funktioniert? Ja, es funktioniert, zumindest bei der Companie „Toujours après minuit“, die mit ihrer Inszenierung „genre oblique“ im Pôle-Sud in Straßburg zu Gast war.</p>
<p>„Genre oblique“, zu Deutsch &#8220;ganz schön schräg&#8221; -  zeitgenössisches Tanz-Theater im wahrsten Sinne des Wortes &#8211; basiert auf der seelischen Erforschung der historischen Figur Johanna I. , Königin von Kastilien und Aragon, auch „Johanna die Wahnsinnige“ genannt. Diese tragische Figur war zeitlebens in Machtkämpfe innerhalb ihrer eigenen Familie verwickelt und verbrachte 46 Jahre in Gefangenschaft. Roser Montlló Guberna und Brigitte Seth nahmen sich des Stoffes an und schufen einen Abend, der hinterfragt, ob Wahnsinn und Anderssein Phänomene sind, die sich nur in wechselseitiger Wirkung mit der Gesellschaft artikulieren können. Und die untersuchen, ob es gelingt, sich gegen gesellschaftliche Konventionen zu stemmen, ohne zum Außenseiter zu werden.  Eins gleich vorweg: Individuum und Gesellschaft bedingen einander, beeinflussen einander, zum Guten wie auch zum Schlechten. Die kurzen Textpassagen, die Johanna aber auch anderen Protagonisten und Tänzerinnen und Tänzern in den Mund gelegt werden kreisen um das Thema Liebe, Familie, Konventionen, Selbstdarstellung und Freiheit eines Einzelnen. „Freundschaft ist schwer – Freundschaft kostet am meisten“ so umschreibt Johanna die Last, die auf ihr liegt und sie verrückt werden lässt. In immer wiederkehrenden zarten Laufschritten entlang ihrer dicken Kerkermauern zeigt sie, dass Einsamkeit und Verstoßenheit zwar verrückt machen können, aber auch Momente des Glücks und des Witzes beinhalten.</p>
<p>Das Kleidchen-Wechsle-Dich-Spiel, in dem er roséfarbige Unterrock Johannas kurz hintereinander auch noch andere Tänzer und Tänzerinnen kleidet, ist nur der Auftakt zu einer ständigen Verwischung der Grenzen von Individuum und Masse. Die militärischen Manteluniformen, die dennoch Männer in Frauenstiefeln und auch umgekehrt kleiden, versinnbildlichen eine straff organisierte Masse. Eine gelenkte Macht, an die es dennoch leichter ist sich anzuschließen, als gegen ihren Druck aufzutreten. Aber gerade die kleinen den einzelnen Geschlechtern „falsch“ zugeordneten Attribute wie die Frauenstiefeln an den Männerbeinen deuten an, dass auch hinter jedem noch so uniformierten Menschen ein Individuum steckt.</p>
<p>Die solistischen Tanzeinlagen abseits von den martialischen, gleichgeschalteten Schrittfolgen der gesamten Truppe, sind es, die berühren, und in die Poesie des  Einzelnen  blicken lassen. Dery Fazio, Rodolphe Fouillot, Roser Montlló Guberna, Jordi Ros, Brigitte Seth und jean-Baptiste Veyret-Logerias wechseln zwischen Tanz- und Sprachdarbietungen, zwischen Gruppenchoreographien und Einzelperformances. Immer wieder ist es die Familie, die Rolle in der Familie, die hinterfragt wird. „Ich möchte aufstehen, wann ich möchte, schlafen gehen, wann ich möchte, essen was ich möchte“ – schon in diesen so einfachen und logischen Sätzen verbirgt sich die Tragik des gesellschaftlich normierten Lebens, das wir beinahe alle – meist nicht weiter hinterfragt – leben. Jean-Pierre Drouet, der die Trommeln bedient und der Trompeter Geoffroy Tamisier – auch sie schlüpfen in unterschiedliche Rollen, die sie durch ihre Musik wunderbar ausdrücken. Ob Marschrhythmen oder jazzige Improviation, ob Schläge in der Vorbereitung zum Gericht oder als musikalische Stimulanz eines persönlichen Körperausdrucks – die beiden Musiker sind ebenso eingespannt in die Ambivalenz, die das Leben uns allen immer wieder aufzeigt.</p>
<p>Das Zusammenfinden in Liebe – aus dem Gefühl der Einsamkeit – auch dieses Thema wird behandelt, aber nur als notwendiger Teilaspekt eines größeren Ganzen verstanden. Die Familie, die Macht, die Gesellschaft besitzt andere Qualitäten als der einzelne Mensch, seine Nöte, seine Gefühle und seine Wünsche. „Genre oblique“ – auf den ersten Blick historisch – stellt Fragen, die in ihrer Aktualität brennender nicht sein könnten.</p>


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		<pubDate>Wed, 18 Nov 2009 15:58:39 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Oper]]></category>
		<category><![CDATA[Theater | Tanz]]></category>
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		<category><![CDATA[Huey Benjamin]]></category>
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		<description><![CDATA[Mit dem Rameau-Richter-Project eröffnete das Ballet de [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em>Mit dem Rameau-Richter-Project eröffnete das Ballet der <a title="hp Opera nationa du rhin / Tanz" href="http://www.operanationaldurhin.eu/danse-2009-2010.html" target="_blank">Opera National du Rhin</a> in Straßburg die Tanzsaison 09/10. Mit drei unterschiedlichen Stücken und drei unterschiedlichen choreographischen Handschriften zeigten die Tänzerinnen und Tänzer, wie zeitgenössische aber auch klassische Musik heute von einem Ballet auf die Bühne gebracht werden kann.</em></p>
<p>Das Projekt selbst trägt seinen Namen nach den Komponisten der Stücke, <a title="hp Max Richter" href="http://www.maxrichter.com/" target="_blank">Max Richter</a> und <a title="Rameau - Wikipedia" href="http://de.wikipedia.org/wiki/Jean-Philippe_Rameau" target="_blank">Jean-Phillippe-Rameau</a>, wobei <a title="Info über Huey Benjamin" href="http://www.brb.org.uk/masque/index.htm?act=Person&amp;urn=15885" target="_self">Huey Benjamin</a> keine Erwähnung fand, der auch ein Stück dazu beitrug, welches er unter dem Eindruck der Musik von Rameau komponierte.</p>
<div id="attachment_1156" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/songs-for-before_photo-jl-tanghe81.jpg"><img class="size-medium wp-image-1156" title="songs-for-before_photo-jl-tanghe8" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/songs-for-before_photo-jl-tanghe81-300x200.jpg" alt="Lucinda Childs - Songs for before (Foto: Jl Tanghe)" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Lucinda Childs - Songs for before (Foto: Jl Tanghe)</p></div>
<p>Mit <a title="hp Lucinda Childs" href="http://www.lucindachilds.com/" target="_blank">Lucinda Childs</a> konnte eine Choreographin gewonnen werden, die das Ensemble in Straßburg schon gut kennt. Sie erarbeitete mit den Künstlerinnen und Künstlern das Stück „Songs from Before“ nach der elektronischen und dennoch elegischen Musik von Max Richter. Das einfache, aber effektvolle Bühnenbild, aus drei Lamellenvorhängen bestehend, die sich während der Aufführung vom rechten an den linken Bühnenrand und wieder zurückverschieben, lässt spiegelnde Reflexe zu, welche das Gefühl von Ferne und Nähe, von Gegenwart und Vergangenheit zum Ausdruck bringen. Childs Choreographie arbeitet mit bekannten Figuren aus dem klassischen Ballettrepertoire und besticht vor allem in den ausgedehnten und präzisen Sprungpartien, die wie in einer Kaskade hintereinander und nebeneinander vom gesamten Ensemble absolviert werden. Eine nicht enden wollende, tänzerische Ode, die unsere normale, erdhafte Verbundenheit für Augenblicke vergessen lässt und das Publikum in eine andere ästhetische Welt trägt. Die Choreographin thematisiert das ewige Spiel der Liebe und des Alleineseins, der innigsten Zuneigung und des wildesten Hasses durch das Aufeinandertreffen und wieder Trennen von einzelnen Paaren, die in wenigen Figuren ihr eigenes Beziehungsuniversum ausdrücken. Ein wahrhaft bezauberndes Stück mit einer Musik, von der man gerne mehr hören möchte.</p>
<p><a title="hp Jo Stromgren" href="http://jostromgren.com/eng/pages/52-6th_production_with_ballet_de_lopera_national_du_rhin" target="_blank"></a></p>
<div id="attachment_1151" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/suite_photo-jl-tanghe2.jpg"><img class="size-medium wp-image-1151" title="suite_photo-jl-tanghe2" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/suite_photo-jl-tanghe2-300x200.jpg" alt="Jo Stromgren - Suite (Foto: Jl Tanghe)" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Jo Stromgren - Suite (Foto: Jl Tanghe)</p></div>
<p>Jo Strømgren steuerte mit seiner Arbeit „Suite“ ein mehr als kurzweiliges Kaleidoskop von Paarbeziehungen bei, das sich in modernem Ausdruckstanz mit vielen neuen Bildern und Bewegungsabläufen erstaunlich gut an die barocke Musik Rameaus anschmiegte. Alles dreht sich um den Bühnenmittelpunkt, einen schwarzen Flügel, auf dem der Pianist, Maxime George, eine Suite von Rameau spielt. Sein Spiel wirkt auf die Tänzerinnen hypnotisierend, was ihren Partnern wenig gefällt. Sie versuchen mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf sich aufmerksam zu machen, die Frauen völlig in Beschlag zu nehmen, sie zu umgarnen oder auch mit Gewalt vom Kunstgenuss fern zu halten – vergeblich. Keine der Beziehungen hält. Strømgren arbeitet mit einer gehörigen Portion Humor, lässt die Tänzerinnen sich so am Klavier festhalten, dass es ihren Partnern nur schwer gelingt, sie wieder davon fortzureißen. Ein nicht nur lustiger Einfall, sondern auch besonders kunstvoll ausgetanzt. Dies ergibt ein Bild mit hohem Wiedererkennungswert. Jo Strømgren schuf mit „Suite“ eine Tanzperformance auf höchstem künstlerischem Niveau, die mit einer großen Portion Humor in perfektem Verhältnis abgemischt ist. Komplexer kann man sich zeitgenössischen Tanz nicht vorstellen. Und dies zu den Klängen barocker Musik. Meisterlich. Obwohl der Choreograph das Stück für seine eigene Truppe in Norwegen schuf, zeigte sich das Straßburger Ensemble hier als Idealbesetzung.</p>
<div id="attachment_1152" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/un-black-de-garry-stewart.-ballet-du-rhin-.-photo-jl.-tanghe.-091022_dr_89373.jpg"><img class="size-medium wp-image-1152" title="un-black-de-garry-stewart.-ballet-du-rhin-.-photo-jl.-tanghe.-091022_dr_89373" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/un-black-de-garry-stewart.-ballet-du-rhin-.-photo-jl.-tanghe.-091022_dr_89373-300x200.jpg" alt="Garry Stewart - Un Black (Foto: Jl. Tanghe)" width="300" height="200" /></a><p class="wp-caption-text">Garry Stewart - Un Black (Foto: Jl. Tanghe)</p></div>
<p>Die dritte Aufführung des Abends, Un-Black, choreographiert vom Australier <a title="Australiean dancing - Garry Stewart" href="http://www.australiadancing.org/subjects/1961.html" target="_blank">Garry Stewart</a>, wirkte als starker Kontrapunkt zu den beiden vorangegangenen Arbeiten. Nicht die scheinbare Leichtigkeit des Tanzes und durchsichtige, brillante Ästhetik steht bei ihm im Mittelpunkt, sondern eine utopische, beinahe Angst einflößende Zukunftsvision von roboterähnlichen Arbeitsmenschen. Aus dem Dunkel der Bühne treten sie nacheinander in blaugrauen Arbeitsuniformen hervor, zu starken Percussionklängen von Huey Benjamin, der die exakte Rhythmik von Rameau als Grundlage dieser Komposition verwendete. Ganz einem minimalistischen Kompositionsschema verpflichtet, bleibt die Musik das ganze Stück über in nur wenigen Tönen angelegt, wenngleich es eine Steigerung und Zunahme von Dynamik aufweist. Sie wird von Stewart dazu verwendet, die Tänzer in einen Rausch von schnellen Bewegungsabläufen zu versetzen, die mit Richtungswechseln den Zusehern keine Möglichkeit einer Vorausschau des Geschehens anbietet. Er verwendet Stilmittel aus dem Technotanz genauso wie Bewegungsabläufe aus dem Yoga, dem Tai-Chi oder dem klassischen und zeitgenössischen Tanz und erreicht dadurch ein spezielles Bewegungsbild. Seine Idee vom Menschen erscheint entseelt. Bei ihm sind sie willenlos höheren Mächten ausgeliefert, die nur Interesse an funktionierenden Produktionsmaschinen zu haben scheinen. Die größte Herausforderung für die Truppe besteht bei dieser Choreographie in der Synchronizität angelegter Bewegungsabläufe, die gerade wegen der Rasanz nicht immer exakt einzuhalten sind. Das Bühnenbild mit technischen Versatzstücken verstärkt den Eindruck einer technologisierten Arbeitswelt, die auf den Menschen nicht mehr Rücksicht nimmt. Folgerichtig enden diese in einem kollektiven Zusammenbruch.</p>
<p>Ein Ballettabend, der mit drei unterschiedlichen Positionen das Spektrum des zeitgenössischen Tanzgeschehens wunderbar beleuchtet und Lust auf die weiteren Vorstellungen dieser Saison macht.</p>


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		<title>Eine Brandschrift wider Kürzungen in den Kulturbudgets</title>
		<link>http://european-cultural-news.com/eine-brandschrift-wider-kurzungen-in-den-kulturbudgets/936/</link>
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		<pubDate>Wed, 04 Nov 2009 21:53:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michaela Preiner</dc:creator>
				<category><![CDATA[Melange]]></category>
		<category><![CDATA[Ausstellung | Künstler]]></category>
		<category><![CDATA[Fotografie]]></category>
		<category><![CDATA[Gizella Hartmann]]></category>
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		<category><![CDATA[Theater | Tanz]]></category>
		<category><![CDATA[Wiener Philharmoniker]]></category>

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		<description><![CDATA[Kennen Sie den nachhaltigsten Rohstoff Europas?

Die  [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kennen Sie den nachhaltigsten Rohstoff Europas?</strong></p>
<p>Die aktuelle Finanzkrise lässt, interpretiert man die Zeichen richtig, den Schluss zu, dass in den Kulturbudgets der europäischen Länder bereits in den nächsten Monaten der Rotstift angesetzt werden wird. Das erste Opfer, das durch die Medien ging, ist das Wuppertaler Theater, das ganz geschlossen werden soll. Auch Hamburg und Stuttgart sehen drastische Einsparungen &#8211; sprich <a title="Artikel in &quot;Die Zeit&quot;" href="http://www.zeit.de/2009/45/Kulturetats?commentstart=9#comments" target="_blank">Kürzungen in ihren Kulturbudgets</a> vor. Weitere werden folgen. In der freien, unsubventionierten Privatwirtschaft ist die Krise im Kunst- und Kulturbereich bereits angekommen. Sponsoren werden zurückhaltender mit Geldern, private Sammler agieren nur mehr vorsichtig bei Ankäufen und Kulturveranstalter reduzieren die Kosten für ihr Personal auf das absolut notwendige Minimum, um sich den neuen, wirtschaftlichen Gegebenheiten  anzupassen. Ich erlebe auch persönlich, wie groß die Zurückhaltung derzeit ist in Projekte zu investieren, die sich mit Kunst beschäftigen. Vieles wird auf Eis gelegt und verschoben, wann der Zeitpunkt gekommen sein wird, diese Projekte tatsächlich abzuarbeiten, ist ungewiss. Mit einigem Nachdenken wird deutlich, dass eigentlich jede und jeder, die oder der sich im Kulturbetrieb engagiert, im Moment sämtliche Alarmglocken läuten hören muss, die da verkünden: die Zeiten werden noch härter, das Geld wird noch spärlicher fließen. Mir, als Einzelkämpferin, bleibt nichts anderes übrig, als auf dieses bedrohliche Phänomen aufmerksam zu machen und mich zumindest mit Worten vehement gegen diese drohende Entwicklung zu stemmen und Gegenargumente aufzuzeigen. In der allerleisesten Hoffnung, irgendwo Gehör zu finden und einen Denkprozess in Gang zu setzen, der in Aktionen mündet, die sich für und nicht gegen die finanzielle Unterstützung von Kunstprojekten aussprechen.</p>
<p><em>Kunst als natürliche Ressource</em></p>
<p>Europa besitzt eine unübertroffene Ressource, die nicht nur nachhaltig ist, sich ständig erneuert und noch dazu jede Umweltverträglichkeitsprüfung mit Bravour besteht. Es handelt sich dabei um eine Ressource, die, je mehr man sie fördert, umso üppiger nachwächst, je mehr man in sie investiert, eine umso höhere Umwegrentabilität zeigt und je länger man sie vor Ort hegt und pflegt, umso nachhaltiger auf die kommenden Generationen wirkt. Die Ressource, über die an dieser Stelle nachgedacht wird, ist – wie sollte es hier auch sonst sein – nichts anderes als der „Rohstoff“ Kunst.</p>
<p>Um die Ressource Kunst  anzubohren, muss man nicht irgendwo Rohstoffe plündern, man braucht keine Kriege um diese Ressource zu führen, man wird in Zukunft keine giftigen Rückstände entsorgen müssen oder darüber nachzudenken haben, wie unsere Kinder und Kindeskinder mit einer dadurch aufgelasteten Hypothek einst fertig werden können. Die Beschäftigung mit dem Rohstoff Kunst fördert das Demokratieverständnis und hebt die Lust an der Kommunikation. Sie bringt Menschen und ganze Völker zueinander, die ohne sie nicht zueinander gefunden hätten und produziert weiteren Rohstoff, für den dasselbe wie bisher Gesagte gilt.</p>
<p>Kunst wird bislang nicht als Rohstoff gesehen, weil die Produktion von Kunst, speziell in den deutschsprachigen Ländern, oft noch im Geruch des Exotischen, Bohemistischen oder überhaupt abstrus Undurchschaubaren bleibt und für den Großteil der Bevölkerung als völlig irrelevant für ihr eigenes Leben betrachtet wird. Würden die Menschen jedoch erkennen, dass dies ein falscher Denkansatz ist und unsere Gesellschaft nicht weniger, sondern noch viel mehr Kunst vertragen könnte, dann wäre ein richtiger Schritt in eine Zukunft getan, in welcher die Ressource Kunst, wie eingangs beschrieben, zu einer Hochblüte gelangen könnte. Und dies mit positiven Nebeneffekten auch in Gesellschaftsbereiche, die auf den ersten Blick als kunstfern bezeichnet werden. Kunst wird von Menschen gemacht, entsteht in den Köpfen von Menschen und äußert sich in unterschiedlicher Vielfalt. Sie geht, da sie sich an eine Öffentlichkeit wendet, über eine persönliche, egoistische Lebenserhaltung hinaus, ohne jedoch dadurch weder unsere Erde, noch Menschen auszubeuten, die sich in einem anonymisierten Produktions- oder Dienstleistungsprozess unterordnen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen.</p>
<p><em>Kunst als Wirtschaftsfaktor im Tourismus</em></p>
<div id="attachment_937" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px"><a href="http://pixelio.de"><img class="size-medium wp-image-937" title="54227_R_K_by_Paul-Georg-Meister_pixelio.de" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/54227_R_K_by_Paul-Georg-Meister_pixelio.de-300x199.jpg" alt="Orchester als Tourismusattraktion (Foto: Paul Georg Meister/pixelio.de)" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Orchester als Tourismusattraktion (Foto: Paul Georg Meister/pixelio.de)</p></div>
<p>Kunst ist ein Rohstoff, zu dem in vielen Ländern Europas jeder Zugang haben kann, der dies möchte; um den Europa von allen anderen Ländern der Welt beneidet wird und der sogar, wenn er als Exportartikel eingesetzt wird, im Ausland dafür sorgt, dass im Anschluss an einen Verkauf desselben der Fremdenverkehr in dem Land zunimmt, das diesen „Artikel“ zuvor exportiert hat. Das wohl plakativste Beispiel, das mir als geborene Österreicherin hierzu einfällt, sind die Wiener Philharmoniker. Ihre Auslandsauftritte, oder das in über 70 Länder übertragene Neujahrskonzert aus dem Wiener Musikvereinssaal, erwecken bei vielen Menschen die Sehnsucht, sich einmal die Heimatstadt dieses Orchesters anzusehen und einen Aufenthalt dort zu planen. Und Sehnsüchte werden nicht nur geweckt, sondern alljährlich weist Wien in einer Statistik genau auf, warum die Besucher tatsächlich nach Wien kommen und was sie sich dort genau ansehen:  Knapp 6 Millionen Gästen strömen alljährlich nach Schönbrunn – inkludiert die Sehenswürdigkeiten Schloss Schönbrunn, Tiergarten Schönbrunn, Palmenhaus Schönbrunn, Irr- und Kronprinzengarten sowie die Wagenburg. Knapp 2 Millionen besichtigen das Hofburgareal bestehend aus den Kaiserappartements, Sissi Museum, Silberkammer, Schatzkammer, Spanische Hofreitschule, Schmetterling- und Palmenhaus, Österreichische Nationalbibliothek, neue Burg &amp; Museum für Völkerkunde und dem Papyrusmuseum. Und noch immer 849.471 Personen nahmen im MuseumsQuartier an den Ausstellungen und Veranstaltungen im Leopold Museum, Museum Moderner Kunst, Architekturzentrum Wien, Dschungel Wien, Zoom Kindermuseum und in der Kunsthalle Wien teil. Insgesamt genossen rund 3,6 Millionen Menschen die Stimmung und das Flair im Areal des MuseumsQuartiers.  (Zahl lt.WienTourismus einzusehen unter: <a href="http://b2b.wien.info/article.asp?IDArticle=4567">http://b2b.wien.info/article.asp?IDArticle=4567</a>)</p>
<p>Es ist noch nicht allzu lange her, dass man marktwirtschaftlich begonnen hat,  Kunst und Kultur als wirtschaftliches Phänomen auch in Zahlen auszudrücken. Dabei zeigte sich deutlich, dass die wirtschaftlich positiven Auswirkungen bisher weit unterschätzt, ja ganz im Gegenteil völlig falsch beurteilt wurden. So belegte z.B. eine Studie, welche die Semperoper 2007 in Dresden in Auftrag gab, dass das Haus einen Rentabilitätsfaktor von 3,9 aufweist, was so viel bedeutet, dass jeder Euro, den der staatliche Träger in die Institution Sächsische Staatsoper Dres­den investiert, sich wirt­schaft­lich mit einem Faktor 3,9 hinsichtlich eines mone­­tären Rückflusses rentiert. Oder in einer anderen Zahl ausgedrückt, die Semperoper ist in Dresden für 7,2 % des gesamten Tourismus-Umsatzes verantwortlich. <a href="http://www.ifk-verein.de/fileadmin/ifk/downloads/praxisforum/2008/Praxisforum_2008_Projekte.pdf">http://www.ifk-verein.de/fileadmin/ifk/downloads/praxisforum/2008/Praxisforum_2008_Projekte.pdf</a></p>
<p>Ausgerechnet Kunst, die oft Geschmähte, die vielfach als zu teuer Betrachtete, Kunst, die angeblich nur für eine kleine Bildungsschicht da ist, Kunst, die nur kostet und nichts bringt, hört man sich in Bierkneipen um, wo auch so manch anderer Stumpfsinn fröhliche Urstände feiert, ausgerechnet dieses Phänomen sollte stärkenswert sein? In einer Zeit, in der – die Zukunft wird es zeigen -  Budgetkürzungen aller Art zu erwarten sind, natürlicherweise auch in Bereichen der Kunst, bzw. Kultur sollte man dieser weiter mit öffentlichen Geldern Hilfestellung leisten? Selbstverständlich, denn Kunst, betrachtet man sie genauer, wirkt nicht nur nachhaltig, sondern produziert darüber hinaus auch noch ganz andere Nebeneffekte, die in einer gesunden Marktwirtschaft höchst erwünscht sind.</p>
<p><em>Kunst als Beschäftigungsfaktor</em></p>
<p>Dass eine lebendige Museumslandschaft, ein vielfältiges Konzert- Opern- und Theaterangebot sich positiv auf den Fremdenverkehr auswirkt, ist kein Geheimnis mehr und wurde am Beispiel Wien oder Dresden mit eindringlichen Zahlen bereits kurz veranschaulicht. Dass Kunst Arbeitsplätze schafft und erhält, und zwar in vielerlei Bereichen, wird oft nicht bedacht. Die Beschäftigungszahlen steigen in jenen Bereichen, die sich mit Kunst beschäftigen jedoch  ständig. Stellen Sie sich ein rechtwinkeliges Dreieck vor, das auf seiner Spitze – also „auf dem Kopf“ steht. Die Spitze symbolisiert eine kleine Zahl von Personen, die mit der ursächlichen Kunstproduktion beschäftigt sind. Das wären Schriftsteller, Maler, Bildhauer, Fotografen, aber auch Komponisten. Die Reihe ließe sich noch fortsetzen. Ein wenig darüber ist schon eine größere Anzahl von teilnehmenden Personen angesiedelt, nämlich jene, die mit den bereits genannten direkt zusammenarbeiten. Bei Schriftstellern also Verleger, Übersetzer, Lektoren, Graphiker, Drucker, bei Malern Galeristen und  Museumsfachleute, Katalogherausgeber, Kunsthistoriker und wissenschaftliche Mitarbeiter, ebenso bei Bildhauern – hier noch häufig zusätzliche Arbeitskräfte im Atelier und Menschen im Speditionsgewerbe, die Bücher, Skulpturen und Plastiken von A nach B transportieren, bei Fotografen wiederum jene Modelle, die sich ablichten lassen, wiederum Herausgeber von Print- oder Onlinemedien, Lektoren, Graphiker, Drucker und bei Komponisten ebenso Verleger, aber auch Dirigenten, Opernintendanten, Leiter von Jazzevents usw. usw. Noch eine Stufe darüber wiederum wird der Beschäftigungsgrad noch höher. Wird das Werk eines Schriftstellers veröffentlicht, muss Papier bestellt werden und Farbe, arbeiten hierfür Fabrikangestellte in Papier- und Farbfabriken, Frächter mit ihren Fahrern, ob auf der Schiene oder der Bahn; müssen von Buchhaltern Rechnungen geschrieben und Rechtsanwälte bemüht werden, die sich um das Aufsetzen von  Verträgen kümmern, geht es darum, das Geschriebene vielleicht auch noch als Bühnen- oder Filmstück zu verkaufen. Ganz zu schweigen von den Heerscharen von Musikern, die Musik zum Klingen bringen, in Orchestern, kleinen Formationen oder solo auf einer Bühne, umrahmt von Bühnenmitarbeitern, Pressebetreuern, Veranstaltern. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Schauspieler und Tänzer, die solistisch, oder in einem Ensemble auftreten. Verzeihen Sie diese sprunghafte und rudimentäre Aufzählung, die jeglicher Vollständigkeit entbehrt. Lassen Sie Ihrer Fantasie selbst freien Lauf und spinnen einfach die Kette weiter, egal mit welchem künstlerischen Beruf, bis vielleicht sogar hin zu jenen Museumswärtern, die Kunst bewachen -  Kunst, die viele hunderte Jahre alt ist und die auch in den nächsten Generationen noch restauriert und bewacht werden wird, und so mit einer Nachhaltigkeit in der Wirtschaft verankert bleibt, wie kaum ein anderes „Produkt“ oder eine andere Dienstleistung.</p>
<p>Viele Menschen in diesen ellenlangen Ketten – bis hin zu jenen, die als Finanzprüfer die Unterlagen von Kulturschaffenden überprüfen, verdienen ihr tägliches Brot mit Kunst. Mit einer Lebensform, die man gerne außerhalb unseres alltäglichen Lebens ansiedeln möchte und die doch in der Mitte unserer Gesellschaft eingebettet ist. Zwei Zahlen sollen darauf hinweisen, wie stark die Verankerung von Kunst und Kultur in der Wirtschaft tatsächlich ist. Eine wurde von der Eurostat-Pressestelle im Jahr 2004 veröffentlich. Damals waren 2,5 % aller in der EU Beschäftigten in kulturnahen Bereichen anzutreffen, was ungefähr 5,8 Millionen Arbeitnehmern entspricht.  Diese Zahl wird noch beeindruckender, wenn man weiß, dass in Griechenland und Irland zusammen weniger Menschen berufstätig sind. <a href="http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=STAT/04/68&amp;format=HTML&amp;aged=1&amp;language=DE&amp;guiLanguage=en">http://europa.eu/rapid/pressReleasesAction.do?reference=STAT/04/68&amp;format=HTML&amp;aged=1&amp;language=DE&amp;guiLanguage=en</a></p>
<p>Die zweite Zahl veröffentlichte das Büro für Kulturpolitik und Kulturwirtschaft im Februar 2007 bezugnehmend auf  die Wertschöpfung der sogenannten &#8220;Creative Industries&#8221; in ganz Deutschland, dazu gehören neben Kulturwirtschaft der Werbemarkt und die Software/Spieleindustrie. Für 2004 weisen diese einen Jahresumsatz in Höhe von 117 Milliarden Euro aus und bewegen sich mit einer Bruttowertschöpfung von 58 Milliarden Euro und einem BIP-Anteil von 2,6% zwischen der Chemischen Industrie (46 Mrd./2,1%) und der Automobilindustrie (64 Mrd./2,9%). Nachzulesen unter: <a href="http://www.goethe.de/ges/pok/thm/pan/de2011834.htm" target="_blank">http://www.goethe.de/ges/pok/thm/pan/de2011834.htm</a></p>
<p>Wirtschaftlich schlechte Zeiten, in denen ständig die Kosten hinterfragt werden, evozieren oftmals drastische Kürzungen gerade bei den Kulturausgaben. Ausstellungen müssen gestrichen, Preise für Veranstaltungen angehoben werden, Gastspiele auf ein Minimum reduziert und neue Werke können nur mit der Aussicht auf einen Hungerlohn in Auftrag gegeben werden. Dass sich aber all dies spiralenartig fortsetzt, in dem oben nur angedeuteten Wirtschaftskreislauf, wird nicht bedacht.</p>
<p><em>Kunst als soziale Notwendigkeit</em></p>
<p>Verminderte Ausgabenzahlen im Kunstbereich können nur von jenen gefeiert werden, die Scheuklappen tragen und willfährige Gehilfen jener sind, die Hirnbesitzer aber keine Hirnbenützer sind. All diese selbst ernannten Sparmeister feiern nämlich nur vermeintliche Siege, die sich jedoch als Pyrrhussiege herausstellen, betrachtet man die Auswirkungen genauer. Jeder in Kunst investierte Euro vervielfacht sich im Laufe der Jahre, auch wenn dies nicht immer sofort erkannt wird, ich kenne keinen einzigen Fall in der Kunst, bei dem dies anders ist.</p>
<p>Ich schreibe diese Zeilen ganz aktuell unter dem Eindruck, dass viele Künstlerinnen und Künstler im Moment die Auswirkungen von Einsparungen hautnah erleben und unter kaum vorstellbaren Bedingungen weiter ihrer Arbeit nachgehen. Ich wende mich mit diesen Zeilen an all jene, die an einflussreichen Positionen ihr Werk verrichten und die Möglichkeit haben, über Ausgaben oder Einsparungen im Kunstbereich zu entscheiden. Es ist nicht nur das persönliche, finanzielle Wohlergehen von kreativen Menschen, das mir am Herzen liegt. Vielmehr ist es das Phänomen der Kunstproduktion selbst, das mich fasziniert und das es zu verteidigen gilt. Kunst bringt etwas in diese Welt, was vorher noch nicht dagewesen war. Menschen, die Kunst produzieren, schreiben, wenn sie so wollen, eine eigene, kleine, neue Schöpfungsgeschichte. Sie produzieren dadurch, dass sie ihre Gedanken materialisieren – seien es Noten, Bilder, Filme oder Texte &#8211; Vorstellungswelten, in denen sich andere Menschen wiederfinden können. Solche, die keine Begabung zu außergewöhnlichen, künstlerischen Leistungen haben, die aber dadurch ein Stück Bereicherung in ihrem Leben erfahren.</p>
<p>Der Mensch lebt nicht von Brot allein – wie viele Menschen müssen dies zurzeit erfahren. Es gibt viele, die in letzter Zeit ihren Arbeitsplatz verloren haben und materiell nicht üppig abgesichert sind. Die meisten von ihnen beziehen zum Glück soziale Leistungen und haben zumindest ein Dach über dem Kopf und genügend zu essen. Was ihnen jedoch oft fehlt, ist die soziale Einbindung und der Gedankenaustausch mit anderen. Uneingeschränkter Zugang zu kulturellen Ereignissen, mit dementsprechend offener Kommunikation und ohne den Aufbau von Schwellenängsten zu Veranstaltungen, trägt aktiv dazu bei, dass gerade Menschen in Lebenssituationen, in denen sie  finanziell benachteiligt sind, sich wenigstens in ihrem Menschsein nicht sozial isoliert fühlen müssen. Dass jetzt vorgenommene Kürzungen im Kulturbudget sobald nicht mehr zurückgenommen werden, zeigen alle vergleichbaren Erfahrungen der letzten Jahrzehnte aus anderen Bereichen. Einmal gekürzt, stabilisieren sich solche Entwicklungen dann nur mehr auf dem neuen, niedrigeren Niveau ohne jemals wieder an die ursprünglich erhaltene Summe heranzukommen. Kürzungen treffen, bedenkt man den dadurch erschwerten Zugang zu Kunst mit, vor allem wieder jene Gesellschaftsgruppe, die es auch schon jetzt nicht leicht hat, an Kunstphänomenen teil zu nehmen und verstärken den Trend zu einer Zweiklassengesellschaft.</p>
<p>Wenn Politikerinnen und Politiker Kunst auch als soziales Stabilisierungsmittel wahrnehmen könnten, dann würden sie mehr in sie investieren.</p>
<div id="attachment_958" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/gizella_dance.jpg"><img class="size-medium wp-image-958" title="gizella_dance" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/gizella_dance-300x199.jpg" alt="Tanzprojekt Gizella Hartmann (Foto: Mathias Wunderlich)" width="300" height="199" /></a><p class="wp-caption-text">Tanzprojekt Gizella Hartmann (Foto: Mathias Wunderlich)</p></div>
<p>Hier ein konkretes Beispiel: ich verfolge ich seit Jahren aufmerksam die Projekte der Düsseldorfer Tänzerin <a title="hp gizella hartmann tanzprojekte" href="http://www.raks-gizella.de/tanzprojekt.htm" target="_blank">Gizella Hartmann</a>, die in Brennpunktschulen Tanzkurse mit ganzen Klassen im Rahmen des Unterrichts abhält. In Klassen, wohlgemerkt, die einen 50-80%igen Anteil an Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund aufweisen und deren Schülerinnen und Schüler von Pädagogen meist als zukunftslos bezeichnet werden, sollte es sich um eine Hauptschule handeln. Nichtsdestotrotz gelingt es der Künstlerin, die Jugendlichen zu einem Miteinander zu motivieren, das am Ende des Projektes oft in eine bühnenreife Aufführung mündet. Mit einer Realschulklasse erarbeitete sie das Tanztheaterstück „Hey, wo issn hier Moskow?!“. Die Leistungen gegen Projektende gingen weit über ein normales Schultheaterniveau hinaus. In das Projekt integriert waren desweiteren zwei Fotografen und ein bildender Künstler, der zusammen mit der Klasse das 30 qm große Bühnenbild schuf &#8211; unbezahlt, aufgemerkt! Kunst gab diesen Jugendlichen vielleicht das erste Mal in ihrem Leben eine adäquate und komplexe Ausdrucksmöglichkeit ihres Lebensgefühls. Sowohl die Persönlichkeitsentwicklung jedes Beteiligten als auch die Gruppe in sich sind deutlich gestärkt aus dem Projekt hervor gegangen.</p>
<p>Das klingt soweit so gut, bis auf die Tatsache, dass Projekte wie diese keinesfalls adäquat bezahlt werden, sofern sie aus öffentlicher Hand gefördert werden. Der Stundenetat bezieht sich immer nur auf die reine Unterrichtszeit mit der Klasse. Nachbesprechungen mit dem verantwortlichen Lehrer, Supervisionsgespräche, Kooperation mit dem schulischen Sozialpädagogen, Einzelbesprechungen mit Schülern, Koordination und Organisation der Aufführung und natürlich die Unterrichtsplanung werden in der Regel nicht honoriert. Das ist die Schnittstelle, wo die Gesellschaft das ehrenamtliche und soziale Engagement der Künstler voraussetzt und auf gewisse Weise ausnutzt. Ein Phänomen, das Künstler aller Sparten betrifft, wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten und nicht nur dort.</p>
<p><em>Kunst als demokratiepolitisches Instrument</em></p>
<p>Politikerinnen und Politiker müssen nicht nur erkennen, dass kulturelle Äußerungen im Bereich Musik, Theater, Literatur, Tanz, bildender Kunst usw. für viele Menschen eine Unabdingbarkeit in ihrem Leben darstellen, sondern auch für den Lebensunterhalt von Hunderttausenden in einer nationalen Gemeinschaft sorgen. Sie müssen erkennen, dass Kunst nicht nur unsere Vergangenheit bestimmte und wir davon heute noch zehren, sondern sie sollte vielmehr in verstärktem Maße unsere Zukunft bestimmen. Politikerinnen und Politiker müssten erkennen, dass eine lebendige Kunst- und Kulturlandschaft den Bildungs- und Meinungsprozess der Menschen vehement fördert und müssten dies lautstark begrüßen. Gerade wenn Kunst uns irritiert oder verunsichert, wenn wir über die Intention der Künstlerin oder des Künstlers debattieren und diskutieren, entsteht ein demokratisches Bewusstsein. Wir müssen uns mit anderen Lebensentwürfen genauso auseinandersetzen wie mit anderen Kulturen und Ländern. Andere Lebensauffassungen, die wir nicht immer teilen müssen, führen aber trotz alledem zu mehr Verständnis und Toleranz.</p>
<p>Alleine als völkerverbindendes Element ist die Kunst aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken. Internationale Projekte fördern das gegenseitige Verständnis, sind jedoch ursächlich vom Damoklesschwert der Subventionskürzungen bedroht. Wie aber sollte sich Völkerverständnis in Zahlen ausdrücken lassen, sodass jene, die mit dem Rotstift unterwegs sind, vor Kürzungen zurückschrecken? Wie jedoch lässt sich die Zufriedenheit jener Menschen messen, die einen Abend nicht vor dem Fernseher verbracht haben ,sondern bei einem Liveevent waren, das viel direkter  und erinnerungswürdiger auf sie wirkt, als eine noch so gute gemachte TV-Sendung? Wie kann geweckte Neugier von Kindern gemessen werden, die das erste Mal eine Ausstellung besucht haben? In welche nationalökonomischen Berechnungen kann das kulturelle Angebot eines Landes einfließen? In welchen Statistikenwird die Zufriedenheit der Menschen eines Landes mit diesem Angebot ausgeworfen? Gibt es eine Möglichkeit, Erkenntniszuwachs, der durch die Teilnahme am kulturellen Geschehen resultiert, zu messen und in Statistiken zu verankern? Nichts von alledem wurde bisher gezählt, aber in jüngster Zeit wurde zumindest wahrgenommen, das hier ein großes Manko besteht. Nun gibt es neue Bestrebungen, welche die Grundlagen zur Berechnung des BIP, also des Bruttoinlandsproduktes, neu andenken. Ausgehend von einer vom französischen Staatspräsidenten Sarkozy in Auftrag gegebenen Studie, an der sich gleich 5 Nobelpreisträger beteiligten, wird versucht, wirtschaftlichen und sozialen Fortschritt zu messen. Noch ist man aber weit davon entfernt, bisher unquantifizierbare Phänomene wie die oben beschriebenen in Zahlen zu fassen, um so Klarheit darüber zu erhalten, welcher Wert mit Kunst in einer Nationalökonomie eigentlich erwirtschaftet wird und welche Nachhaltigkeit ihr inne wohnt.  Dieses Handicap des schwer Messbaren wird, wie es im Moment aussieht, die Verteidigung von kulturellen Aktivitäten gegenüber Reaktionären und politischen Sparefrohs noch länger erschweren. Aber gerade deswegen ist es unbedingt notwendig, so oft es geht, auf diese Umstände hinzuweisen;  wir alle sollten, wann immer es möglich ist, unsere Stimme für Kunst erheben und schon gar nicht klein bei  geben, wenn es daran geht, künstlerische Projekte finanziell abwürgen zu wollen. Leider ist schon viel zu viel zerschlagen und zerstört worden. Der Musik- und Kunstunterricht in den Schulen wurde in den letzten Jahren europaweit systematisch gekürzt.</p>
<div id="attachment_938" class="wp-caption alignright" style="width: 310px"><a href="http://pixelio.de"><img class="size-medium wp-image-938" title="228817_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de" src="http://european-cultural-news.com/wp-content/uploads/2009/11/228817_R_K_B_by_RainerSturm_pixelio.de-300x225.jpg" alt="Kind lernt Klavierspielen (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)" width="300" height="225" /></a><p class="wp-caption-text">Kind lernt Klavierspielen (Foto: Rainer Sturm/pixelio.de)</p></div>
<p>Kinder, die heute ein Instrument erlernen, gehören entweder zur Elite einer Großstadt oder leben noch in dörflichen Strukturen, in denen es noch „zum guten Ton“ gehört, in der Blaskapelle vor Ort mitzuspielen. Alle anderen jedoch, und das ist die überwiegende Mehrheit, spielt fleißig Musik – aber nur mehr aus der Konserve, mit einem einzigen Fingerdruck auf die Power-Taste. Diese Kinder und Jugendlichen können nicht erahnen, was ihnen entgeht und um wie viele Chance sie und die Gesellschaft beraubt werden.  Wer wird aber später einmal unseren Orchestern zuhören, wer wird später einmal unsere Museen besuchen, wenn die Grundlagen des Verständnisses dazu, die in der Jugend gelegt werden müssen nicht mehr vorhanden sind? Und auf welchen kreativen Schatz werden sie als Erwachsene einmal zurückgreifen, wenn sie sich künstlerisch ausdrücken möchten?</p>
<p><em>Beispiel eines offeneren Kunstzuganges</em></p>
<p>In Kunst und Kultur darf, egal wie sehr die Gürtel enger zu schnallen sind, niemals weniger investiert werden. Wer dies anstrebt oder gar tut, handelt fahrlässig und ist sich der Tragweite dieser Entscheidung nicht bewusst. Die politische Frage angesichts einer angespannten wirtschaftlichen Lage kann nicht heißen, &#8220;wo können wir bei Kunst noch einsparen?&#8221;, sondern viel mehr, &#8220;was passiert eigentlich, wenn wir bei Kunst einsparen?&#8221;</p>
<p>Ich verbrachte die letzen 6 Jahre in drei Ländern: Österreich, Deutschland und jetzt in Frankreich und habe einen guten Überblick über die jeweilige Kulturpolitik der verschiedenen Nationen erhalten. Ich lebe derzeit in Straßburg, einer Stadt, die nicht als Großstadt bezeichnet werden kann und in der es dennoch möglich ist, beinahe täglich an einem kulturellen Ereignis teilzunehmen, ohne dafür die Geldbörse öffnen zu müssen. Ich erlebe dies hier in Frankreich, in einem Land, das, so scheint es, seine Prioritäten im Umgang mit Kunst tatsächlich anders sieht, als in den deutschsprachigen Nachbarländern, wo ich eine wesentlich höhere Zugangsschwelle zu kulturellen Veranstaltungen festgestellt habe.</p>
<p>Nennen Sie mir eine Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern in Deutschland, Österreich oder der Schweiz, in der sie im Jahr ca. 150 – 200 Literaturlesungen, 150 &#8211; 200 frei zugängige Konzerte und 52 Sonntage im Jahr haben, an denen in den Museen kein Eintritt zu zahlen ist. Wer einmal bei diesen Veranstaltungen dabei gewesen ist, der weiß, wie groß der Hunger der Menschen nach Kunst ist – denn jede einzelne dieser kostenlosen Veranstaltungen ist so gut besucht, dass die Säle oft zu klein sind, in denen sie stattfinden und viele Besucherinnen und Besucher stundenlanges Anstellen oder auch Stehen während der Vorführungen in Kauf nehmen, nur um dabei sein zu können. Die eintrittsfreien Museumssonntage entwickeln sich zu Familienwandertagen, bei welchen das Kleinkind ebenso wie die betagten Großeltern ins Museum gehen und sich in zwangloser Atmosphäre unter vielen anderen die neuesten Ausstellungen ansehen. Ob zeitgenössische Kunst oder mittelalterliche Retabeln gezeigt werden ist völlig egal, immer strömen Massen von sich anregend unterhaltenden Menschen an den eintrittsfreien Sonntagen durch die sonst so heiligen Kulturstätten. Ähnliches kennt man auch in Deutschland und Österreich, wenn es anlässlich der „Langen Nacht der Museen“ mittlerweilen in großen Museen schon darum geht, dem Massenansturm auch nur irgendwie Herr zu werden. Bei der Eröffnung des Festivals Musica, einem Festival für zeitgenössische Musik in Straßburg, stürmten an einem Sonntagnachmittag 3000 Menschen die Musikhochschule, in der ca. 25 unterschiedliche Konzerte bei freiem Eintritt gegeben wurden. Und es handelte sich beileibe nicht um „leichte“ Kost, die da gegeben wurde. 24% der Besucher der Opera du Rhin in Straßburg sind unter 26 Jahre alt, ein Wert der, soweit ich weiß, in Europa ziemlich einzigartig ist. Er resultiert unter anderem aus der Einführung der Straßburger <a title="carte culture" href="http://www.carte-culture.org/" target="_blank">„carte cultur“ </a>einer Karte, die die Inhaber berechtigt, um 5,50 Euro bei einer kulturellen Veranstaltung dabei zu sein. 5,50 Euro, egal ob für eine Opernaufführung oder ein Gastspiel einer internationalen Theatertruppe, das schon lange im Voraus ausverkauft ist, um nur zwei Beispiele zu nennen. Ebenso dazu gehört der freie Eintritt in einen großen Verbund von Museen.  Dieser Karte gilt auch – und man lasse sich den französischen Terminus auf der Zunge zergehen – für „Arbeitssuchende“ – welch schöne Bezeichnung für Menschen, die im deutschsprachigen Raum meist ganz anders betitelt werden. Vereinzelt mag es in diesem oder jenem Land vergleichbare Ansätze geben, aber eigentlich ist es eine Schande, dass man eine solche Entwicklung noch immer groß herausstreichen und als etwas Nachahmenswertes vorstellen muss.</p>
<p>Wenn wir schon ein vereintes Europa haben, dann sollten wir uns nicht scheuen über unsere Grenzen zu blicken und Mittel und Wege zu finden, wie es möglich ist, ein Kunstangebot wie das soeben beschriebene auch in anderen Ländern wirksam werden zu lassen. Wenn dieser Weg einmal beschritten wird, dann gibt es kein Zurück mehr. Denn dann geschieht etwas, was ich zu Beginn meines Artikels bereits beschrieben habe. Die Ressource Kunst wird wachsen und wachsen, wird stärker und stärker werden und wird vielen Menschen zugute kommen, die jetzt keinerlei Möglichkeiten und Zugang dazu haben.</p>
<p>Für mich gibt es nur zwei Gründe, warum politische Entscheidungsträger bei einem  Kunstbudget einsparen wollen: Erstens, sie haben die komplexen Zusammenhänge, in denen sich künstlerischer Ausdruck bewegt, nicht einmal in den Ansätzen begriffen, oder zweitens, was noch schwerer wiegt, sie kürzen dann, wenn mündige Bürger nicht gewollt sind. Mehr Verständnis und mehr Diskussionen über Kunst und die Lebensentwürfe und –welten jener, die Kunst produzieren, führen automatisch zu mehr Mündigkeit und kritischer Reflexion. Wenn es jedoch Bestrebungen gibt, genau diese Mündigkeit nicht weiter zu entwickeln, dann verstehe ich die Reaktion des Kunst- und Kulturbudgetkürzens völlig. Denn dann kann es nur heißen:  „Weg damit, weg mit der Kunst, die das Denkvermögen fördert und aus unmündigem Wahlvolk mündige Bürger macht, die selbstbestimmt leben möchten und alles und jedes hinterfragen, was in politischen Gremien entschieden wird.“</p>


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